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Sarkozy zieht in Indien Atomaufträge für über 9 Milliarden an Land

Von Tobias Matern, Delhi. Aktualisiert am 07.12.2010

Frankreichs Staatspräsident lobt Indien ausgiebig und bietet eine «grenzenlose Zusammenarbeit» an.

«Es ist undenkbar, dass eine Milliarde Inder nicht im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen vertreten sind»: Nicolas Sarkozy. Hier mit Carla Bruni, Indiens Premier Manmohan Singh (r.) und dessen Frau in Delhi.

«Es ist undenkbar, dass eine Milliarde Inder nicht im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen vertreten sind»: Nicolas Sarkozy. Hier mit Carla Bruni, Indiens Premier Manmohan Singh (r.) und dessen Frau in Delhi.
Bild: Reuters

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Sarkozy auf Staatsbesuch in Indien

Sarkozy auf Staatsbesuch in Indien
Der französische Präsident Nicolas Sarkozy ist am Samstag zu einem viertägigen Besuch in Indien eingetroffen.

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«Beten Sie für meinen Sohn»

Carla Bruni, Frau des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy, will angeblich ein Kind. «Was ist Ihr Wunsch», habe sie der Hüter einer Heiligenstätte im indischen Agra gefragt, berichten mehrere indische Zeitungen am Montag. Bruni, die ihren Mann während seines Staatsbesuchs auf dem Subkontinent begleitet, soll geantwortet haben: «Beten Sie für meinen Sohn, und beten Sie dafür, dass ich noch einen bekomme.» Der Präsident hat aus den ersten beiden Ehen drei Kinder. Ob er etwaszu den Plänen seiner Frau sagte, war in den Blättern nicht zu erfahren.

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Einen Eindruck wollte der französische Präsident ganz offenkundig vermeiden: dass sich alles nur ums Geschäft dreht. «Indien ist vor allem ein bedeutender politischer Partner, eine unverzichtbare Macht, ohne die wir den grossen Herausforderungen dieser Welt nicht begegnen können», sagte Nicolas Sarkozy – noch bevor er am Montag mit der politischen Führung in Delhi zusammentraf. Der Tag stand dann aber ganz im Zeichen der Wirtschaft: Gleich mehrere Deals besiegelten die französische Delegation und die indischen Partner – oder sie brachten wenigstens entsprechende Verträge voran.

Dabei geht es um Milliardensummen. Besonders positiv gestimmt war Sarkozy, nachdem der französische Konzern Areva SA und die staatliche indische Nuclear Power Corporation einen Rahmenvertrag auf den Weg gebracht hatten, um im westindischen Bundesstaat Maharashtra zwei 1650-Megawatt-Atomkraftwerke zu bauen. Nach Angaben von Areva liegen die Kosten dafür bei etwa 7 Milliarden Euro (umgerechnet etwa 9,2 Milliarden Franken).

Weitere Anlagen sollen folgen

Er schlage eine «grenzenlose Zusammenarbeit» im Bereich der zivilen Nuklearenergie vor, sagte Nicolas Sarkozy. Denn die beiden Kraftwerke sollen erst der Anfang sein, weitere vier Anlagen könnten noch folgen. Indien braucht für seinen Wirtschaftsaufschwung dringend Energie – und setzt dabei auch auf Reaktoren. Doch der Nuklearbereich war längst nicht alles: Die indischen Fluggesellschaften Jet Airways und Air India leasen mehrere Flugzeuge von Airbus, ein französischer Reifenbauer will Hunderte Millionen Euro im südlichen Staat Tamil Nadu investieren. Und auch in der Rüstungsindustrie sind weitere Grossauftrage kurz vor dem Abschluss, wie die französische Regierung mitteilte.

Wie auch schon Barack Obama vor einem Monat legt Sarkozy während seines viertägigen Besuchs, der an diesem Dienstag endet, aber auch allergrössten Wert darauf, den politischen Rang Indiens immer wieder zu unterstreichen. Der US-Präsident hatte das stolze Indien ohne mit der Wimper zu zucken in den Rang einer Weltmacht erhoben – das ist mehr als die Eigenwahrnehmung des Landes. Auch Frankreichs Präsident lobte Indien ausgiebig. Bei einem gemeinsamen Auftritt mit Premierminister Manmohan Singh erklärte Sarkozy, Frankreich sei davon überzeugt, dass «kein grosses Problem in der Welt ohne Indiens Engagement auf höchster Ebene» gelöst werden könne. Zuvor hatte er sich für einen Sitz des südasiatischen Landes im bedeutendsten Gremium der Vereinten Nationen starkgemacht. «Es ist undenkbar, dass eine Milliarde Inder nicht im Sicherheitsrat vertreten sind», sagte er. Das kommt natürlich gut an in Delhi.

Indiens Regierung unter Druck

Der Besuch des französischen Präsidenten war für Singh eine willkommene Abwechslung. Seine Regierung ist im Moment einer Belastungsprobe ausgesetzt, zahlreiche Anschuldigungen wegen mutmasslicher Korruptionsaffären haben in den vergangenen Wochen seine Kongresspartei eingeholt.

Auch der als überaus integer geltende Premier musste kürzlich dem Obersten Gericht die unangenehme Frage beantworten, warum er das Treiben des Telekommunikationsministers nicht früher unterbunden hat. Dieser hatte Lizenzen an Mobilfunkunternehmen so günstig vergeben, dass dem Staat laut einem Prüfbericht des Rechnungshofs umgerechnet bis zu 30 Milliarden Euro entgangen sind. Der Minister hat sein Amt inzwischen verloren. Aussenpolitisch wird Singhs Regierung hingegen regelrecht hofiert – nach Obama und Sarkozy werden auch noch Russlands Präsident Dmitri Medwedew und Chinas Regierungschef Wen Jiabao demnächst Delhi besuchen.

Der Tourist Sarkozy

Sarkozy war nicht ausschliesslich zu politischen Gesprächen und dem Voranbringen lukrativer Wirtschaftsdeals nach Indien gekommen. Vor seinen Treffen in der indischen Hauptstadt hatte er sich ausgiebig Zeit genommen, touristische Sehenswürdigkeiten zu besichtigen. Gemeinsam mit seiner Frau Carla Bruni besuchte er unter anderem das Taj Mahal. Das weisse Marmor-Mausoleum stammt aus dem 17. Jahrhundert. Grossmogul Shah Jahan hat es seiner bevorzugten Frau als Grabstätte errichten lassen – sie war bei der Geburt des 14. Kindes ums Leben gekommen.

Schon vor drei Jahren war Sarkozy dort zu Gast gewesen – allerdings ohne seine Lebensgefährtin. Damals hatte es protokollarische Probleme gegeben, weil Sarkozy mit der Sängerin noch nicht verheiratet war. Aus Sicherheitsgründen wurden die Besucher von Indiens berühmtester Touristenattraktion nun für einige Zeit ausgesperrt. Der hohe Besuch konnte so das «Monument der Liebe» in völliger Ruhe besichtigen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 06.12.2010, 23:38 Uhr

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