«Sehr bewegt und mit wachem Interesse»

Aktualisiert am 12.03.2010

Der deutsche Erzbischof Robert Zollitsch hat den Papst über die Missbrauchsfälle in Deutschland informiert. Nun soll ein Sonderbeauftragter bei der Aufarbeitung helfen.

Krisengespräch: Der Papst mit dem deutschen Erzbischof.

Krisengespräch: Der Papst mit dem deutschen Erzbischof.
Bild: Keystone

Dies sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, nach einem Treffen mit dem Papst am Freitag in Rom. Benedikt XVI. habe seine Zustimmung für die von der Bischofskonferenz eingeleiteten Massnahmen erklärt, sagte Zollitsch. Dazu gehöre auch die Ernennung des Trierer Bischofs Stephan Ackermann zum Sonderbeauftragten für Fälle sexuellen Missbrauchs.

Auf seinen Bericht zu den Missbrauchsfällen in Deutschland habe der Papst «sehr bewegt und mit wachem Interesse» reagiert, sagte Zollitsch. Er entschuldigte sich erneut bei den Missbrauchsopfern.

«Wir wollen die Wahrheit aufdecken»

Bereits bei der Frühjahrsvollversammlung der deutschen Bischöfe Ende Februar hatte Zollitsch sexuellen Missbrauch an Minderjährigen als «abscheuliches Verbrechen» bezeichnet und die Opfer von katholischen Geistlichen um Entschuldigung gebeten. «Wir nehmen unsere Verantwortung sehr deutlich wahr», fügte er an. «Wir wollen die Wahrheit aufdecken, die Opfer haben ein Recht darauf.»

Das Treffen mit Papst Benedikt war eigentlich ein Routinebesuch, bei dem Zollitsch über die Bischofsversammlung Bericht erstatten sollte. Durch den aktuellen Missbrauchsskandal erhielt das Gespräch allerdings eine neue Tragweite. Der Vatikan hatte der deutschen katholischen Kirche zuletzt bescheinigt, «schnell und entschlossen» auf die Missbrauchsvorwürfe reagiert zu haben.

Dutzende Fälle in ganz Deutschland

Seit Ende Januar 2010 waren weit mehr als hundert Fälle in den meisten der 27 deutschen Bistümer ans Licht gekommen. Den Ausgang nahm der Skandal vom Canisius-Kolleg, einem Berliner Jesuitengymnasium, das sexuelle Übergriffe zweier Patres in den 70er und 80er Jahren öffentlich gemacht hatte. (raa/sda)

Erstellt: 12.03.2010, 14:57 Uhr

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