Ausland

So schafft es Kosovo nicht

Von Enver Robelli. Aktualisiert am 24.02.2011

Geschäftsmann Pacolli wurde zufällig Präsident.

Eingebürgert in der Schweiz und wegen Geldwäscherei angeklagt: Kosovos neuer Staatspräsident Behgjet Pacolli.

Eingebürgert in der Schweiz und wegen Geldwäscherei angeklagt: Kosovos neuer Staatspräsident Behgjet Pacolli.
Bild: Keystone

Artikel zum Thema

Korrektur-Hinweis

Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.

Seit Anfang Dezember wurde in Kosovo gewählt, gefälscht, gezählt und wieder gewählt. Nun hat die junge Republik eine neue politische Führung. Staatspräsident wurde der Geschäftsmann Behgjet Pacolli, gegen den in der Schweiz einst wegen Geldwäscherei ermittelt wurde. Ministerpräsident bleibt Hashim Thaci, der in einem Bericht des Europarats als Mafiaboss bezeichnet wird.

Pacolli hat Anfang der 90er-Jahre im Tessin die Firma Mabetex gegründet und danach den Kreml renoviert. Für diesen Grossauftrag soll er Leute um den damaligen Präsidenten Boris Jelzin bestochen haben. Pacolli wurde im Juni 2000 in Genf angeklagt, doch zum Prozess kam es nie, weil die russische Justiz die Ermittlungen blockierte. Obwohl er eingebürgert wurde, litt der schillernde Oligarch mit losem Mundwerk darunter, dass die offizielle Schweiz ihn nie so richtig ernst nahm. Für ihn interessierte sich nur die Justiz. Als Bundesräte mit Wirtschaftsdelegationen nach Russland reisten, wurde Pacolli nicht eingeladen. Erfolglos bot er Schweizer Politikern an, in seinem Hotel in Moskau zu übernachten. Der Geltungsdrang musste gestillt werden, nachdem die Klatschpresse ihn zum vermutlich reichsten Albaner erkoren hatte. Also heiratete er Ende der 90er-Jahre die italienische Popsängerin Anna Oxa. Nachdem er von ihr geschieden war, sagte er einer kroatischen Zeitung, er habe sie nie betrogen.

2007 kehrte er in seine Heimat Kosovo zurück, gründete eine Partei und versprach der armen Bevölkerung das Blaue vom Himmel. Nichts geschah. In der Opposition war er Steigbügelhalter der Regierung. Oft war er in Afrika und in Lateinamerika unterwegs, um für die Anerkennung der Unabhängigkeit zu werben. Einer Zeitung in Pristina sagte Pacolli, er sei Ehrenkonsul von Liberia in der Schweiz. Das EDA dementierte.

Pacolli ist ein Zufallspräsident Kosovos, weil nur er mit dem diskreditierten Premier Hashim Thaci koalieren wollte. Die beiden können das miserable Ansehen des jungen Staates auf der internationalen Bühne nicht verbessern. Die US-Zeitschrift «Foreign Policy» schrieb dieser Tage, Washington dulde in Kosovo eine«Banditokratie». (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 24.02.2011, 10:57 Uhr

Ausland

Populär auf Facebook Privatsphäre


Familie, Beruf und Studium

Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.