Ausland

Sorgen um Griechenland: Der geheime deutsche Rettungsplan

Von Markus Diem Meier. Aktualisiert am 01.03.2010

Offiziell bestreiten die Deutschen noch immer, dass sie für die Griechen Geld springen lassen werden. Doch vieles spricht dafür, dass sie bereits an einem Trick arbeiten, um trotzdem einzugreifen.

Basteln sie im Hintergrund bereits an einer Rettungsaktion? Deutsche Bank-Chef Joe Ackermann (links), Bundeskanzlerin Angela Merkel (rechts).

Basteln sie im Hintergrund bereits an einer Rettungsaktion? Deutsche Bank-Chef Joe Ackermann (links), Bundeskanzlerin Angela Merkel (rechts).
Bild: Reuters

Artikel zum Thema

SwissquoteExklusiver Trading-Partner

[Alt-Text]

Wegen der Griechenlandkrise kommen die europäischen Staaten Deutschland und Frankreich zunehmend unter Druck. An den internationalen Kapitalmärkten wird von ihnen rasch ein stützendes Eingreifen erwartet. Doch in Deutschland wäre ein solcher Schritt äusserst unpopulär, laut Umfragen lehnt das eine deutliche Mehrheit der Bevölkerung ab. Ausserdem gälte es als verheerendes Signal, wenn ein Land wie Griechenland, das sich um die Regeln der Währungsunion bisher derart foutiert hat, durch Steuergelder der anderen gerettet werden würde.

Deshalb betont besonders die deutsche Regierung nach wie vor, dass von ihr keine Hilfe erfolgen werde. Die Franzosen wiederum sagen, ohne Beteiligung der Deutschen würden auch sie nichts bezahlen. Auch die Griechen dementieren weiterhin, Hilfe zu beantragen. Die offizielle Sprachregelung ist noch immer, dass die Griechen erst einmal glaubhaft damit beginnen sollten, das eigene Haus in Ordnung zu bringen. Erst am 16. März soll die nächste Prüfung der Lage vorgenommen werden.

Explodierende Zinskosten

Doch die Nervosität auf den Kapitalmärkten scheint jetzt die Regierungen zu zwingen, sich schon früher über Massnahmen Gedanken zu machen. Griechenland muss im April und Mai etwa 23 Milliarden Euro neue Mittel aufnehmen. Wenn sich die Unsicherheiten über seine Finanzlage bis dahin nicht gelegt haben, drohen dem Land dafür weitere hohe Zinsaufschläge. Schon jetzt müssen die Griechen zwei bis dreimal so hohe Zinsen zahlen wie die Deutschen.

Eine Unterstützung hat daher weniger den Zweck, Griechenlands Schulden zu begleichen, als vielmehr, den Zinsaufschlag für diese zu senken. Laut der internationalen Finanzpresse werden Deutschland und Frankreich zu einem Trick greifen, um das Verbot einer Finanzhilfe – wie es die Euro-Verträge vorsehen – zu umgehen und um den Deal weniger als staatliche Finanzspritze aussehen zu lassen. Die Rede ist je nach Quelle von Unterstützungskrediten durch staatliche Finanzinstitute wie KfW in Deutschland und Caisse de Dépôts in Frankreich oder von Garantien auf griechischen Schuldpapieren durch solche Institute.

Besuch Ackermanns in Athen

Dank dieser Garantien könnten dann private Banken und Investoren die Schuldpapiere aufkaufen. Weil das Risiko dafür letztlich bei den beiden westeuropäischen Staaten liegt, müssten die Zinsaufschläge sinken, so das Kalkül. Bei den geplanten Deals soll es sich um Beträge im Umfang von 20 bis 30 Milliarden Euro handeln.

Im Zusammenhang mit der Planung eines derartigen Deals könnte auch der jüngste Besuch des Schweizers Joseph Ackermann in Athen stehen. Der Chef der Deutschen Bank hat dort den griechischen Premier George Papandreou getroffen, was auf den Finanzmärkten starke Aufmerksamkeit erregt hat. Auch Ackermann liess allerdings dementieren, dass seine Bank am Kauf von griechischen Staatsanleihen interessiert sei. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 01.03.2010, 14:48 Uhr

Ausland

Populär auf Facebook Privatsphäre


Familie, Beruf und Studium

Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.