Ausland
Sportjournalisten auf der Abschussliste
Die Fussball-EM 2012 soll Polen ein besseres Image bescheren, hofft Marcin Herra. Der Präsident des polnischen Europameisterschafts-Organisators könnte die Rechnung jedoch ohne die radikalisierte Hooliganszene im Lande gemacht haben: Diese führen seit Jahren einen regelrechten Krieg untereinander, machen mit Massenschlägereien und rassistischen Ausfällen in Stadien von sich reden – sicherlich keine gute Visitenkarte für ein EM-Austragungsland.
Seit Neuestem geraten nun auch Medienschaffende ins Visier der Hooligans: Fans des Profiliga-Clubs Legia Warschau haben Bilder und Namen von vier Sportjournalisten der Tageszeitung «Gazeta Wyborcza», die sich kritisch über den Hooliganismus in Polen geäussert haben, auf einer Fan-Homepage publiziert. Neben den Bildern steht: «Ihre gute Arbeit möchten wir mit der Veröffentlichung ihrer Gesichter honorieren. So kann jeder, der sie auf der Strasse trifft, ihnen persönlich danken.» Für die Anwälte der Journalisten ist klar: Das ist eine verdeckte Drohung.
Fussballverband verteilt weiterhin Billete
Die Hooligans wollen damit erreichen, dass die Zeitung nicht mehr über die Vorkommnisse in den Stadien schreibt. Dies tut sie aber ausführlich: In den letzten beiden Monaten berichtete die «Gazeta Wyborcza» immer wieder von gewaltsamen Fans, antisemitischen und rassistischen Ausfällen. So skandierten Rechtsradikale an einem Spiel zwischen den Profiligisten Wisla Krakau und Cracovia: «Zuerst waren es sechs, dann zwölf, darauf gründeten sie einen Schwulenclub. Der Club gedieh, wucherte, denn jeder Jude ist schwul.» Nach dem Match verbrannten sie Fahnen und schrien: «Wir sind euch überlegen, Scheissjuden.»
Der polnische Fussballverband PZPN unternimmt nichts gegen die Tausenden von radikalen Fans. Der Verband versteht sich bestens mit den Fanclubs und verteilt ihnen weiterhin Billete für die Spiele. Auch die Clubs selber verschliessen die Augen vor dem Problem und kommen ihrer Kontrollpflicht nicht nach. Eine Ausnahme ist Legia Warschau: Der Club, der dem Medienunternehmen ITI gehört, lässt Hooligans nicht mehr ins Stadion, seitdem kämpfen extremistische Legia-Fans gegen die Besitzerfirma. Als Ende Oktober ITI-Co-Chef Jan Wejchert starb, verschafften sie sich – trotz Verbot – Zugang zum Stadion und hängten Transparente auf: «Noch einer», hiess es darauf. Eine deutliche Warnung an den zweiten ITI-Chef Mariusz Walter. Darauf sangen sie den Slogan «Noch einer, noch einer…».
Verstrickte Funktionäre
Pikant: Einige Tage später, an einem Länderspiel zwischen Polen und Rumänien, schrie einer aus der Menge: «Noch einer, noch einer…». Er hatte einen Badge eines polnischen Fussballclubs um den Hals.
(cha)
Erstellt: 08.12.2009, 12:26 Uhr
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Familie, Beruf und Studium
Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.



