Stephan Schmidheiny muss wegen Asbest-Toten vor Gericht

Aktualisiert am 22.07.2009

Den früheren Besitzern von Eternit-Fabriken in Italien wird in Turin der Prozess gemacht. Es drohen Haftstrafen bis zu 13 Jahren.

Proteste: Kundgebung von früheren Eternit-Arbeitern in Turin.

Proteste: Kundgebung von früheren Eternit-Arbeitern in Turin.
Bild: Keystone

Angeklagt: Stephan Schmidheiny.

Angeklagt: Stephan Schmidheiny. (Bild: Keystone)

Dem Schweizer Industriellen Stephan Schmidheiny und dem belgischen Baron Jean-Louis de Cartier wird wegen asbestbedingter Todes- und Krankheitsfällen in italienischen Eternit-Fabriken der Prozess gemacht. Ein Gericht in Turin legte den Beginn der Verhandlung auf den 10. Dezember fest. Richterin Cristina Palmesino urteilte, dass gegen die beiden Unternehmer genügend belastende Beweise für einen Prozess vorhanden sind. Der Entscheid wurde im Gerichtssaal mit Applaus begrüsst. 140 Einwohner der Gemeinde Casale Monferrato, wo sich eine der Eternit-Fabriken befand, hatten an der Vorverhandlung vom Mittwoch teilgenommen.

Vorwurf: Sicherheitsmassnahmen unterlassen

Schmidheiny und de Cartier, die beiden ehemaligen Besitzer von vier Asbest-Fabriken der Eternit S.p.A. Genua, wird vorgeworfen, Sicherheitsmassnahmen am Arbeitsplatz unterlassen zu haben und darum für rund 2000 asbestbedingte Todesfälle und 800 Erkrankungen verantwortlich zu sein. Die heutige Eternit (Schweiz) AG ist davon nicht betroffen.

Den Unternehmern drohen Haftstrafen von bis zu 13 Jahren. Die seit April laufenden Vorverhandlungen stiessen in Italien auf reges Interesse: Hunderte von Mitarbeitern der ehemaligen Eternit-Fabriken aus Italien, aber auch aus der Schweiz, Frankreich und Belgien, sowie Gewerkschafter nahmen in den vergangenen Monaten an den Gerichtsverhandlungen teil.

Als Zivilklägerin trat auch Italiens nationale Arbeitsversicherungsanstalt Inail auf. Sie verlangt 246 Millionen Euro (375 Millionen Franken) als Rückerstattung für die Entschädigungen, die sie erkrankten Eternit-Arbeitnehmern zahlte. Die Ermittlungen gegen Schmidheiny und De Cartier wurden von dem Turiner Staatsanwalt Raffaele Guariniello geführt. Er ist in Italien vor allem wegen seiner grossen Dopingverfahren bekannt. (vin/sda)

Erstellt: 22.07.2009, 13:52 Uhr

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