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Stoppte der Kreml die Arctic Sea nach einem Tipp des Mossad?
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Die Odyssee der Arctic Sea wird immer mehr zum Politthriller. Nicht nur soll der Frachter, der am 24. Juli angeblich von Piraten entführt wurde, statt Holz russische Luftabwehrraketen vom Typ S-300 für den Iran geladen haben. In der Moskauer Geheimdienstzentrale macht nun laut «Spiegel» auch das Gerücht die Runde, hinter der Schiffseignergesellschaft Solchart stehe in Wirklichkeit die staatliche russische Reederei Sowkomflot. Die Staatsreederei bestreitet dies jedoch vehement.
Genährt werden die Spekulationen auch dadurch, dass bis heute unklar ist, wer hinter dem Arctic-Sea-Eigner steht. Die Eigentümerfirma mit Sitz in Helsinki gehört drei russischen Geschäftsleuten und wurde erst im Juni registriert, wie die Agentur «Agence France Presse» schreibt. Die Reederei soll sechs Schiffe besitzen und über 300 Seeleute beschäftigen. Solchart weigerte sich jedoch, genauere Auskünfte zu geben.
«Futterkrippe von Spitzenbeamten»
Kommt dazu, dass der russischen Staatsreederei Sowkomflot der Ruf der Korruption vorauseilt. Mit ihren 141 Schiffen gilt sie «als Futterkrippe von Spitzenbeamten des Kremls», sagt ein Oberst gegenüber dem «Spiegel». So wird der Aufsichtsrat von Sergej Naryschkin geführt, im Kreml Leiter der Präsidentenadministration. Zusätzliche Verwirrung in der Entführungsgeschichte stiftete der Blitzbesuch des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu in Russland. Vor einer Woche soll er im Privatflugzeug eines Geschäftsmannes heimlich nach Moskau geflogen sein, schreibt die «Frankfurter Allgemeine Zeitung». Die Reise war so geheim, dass selbst ein grosser Teil seiner engsten Vertrauten nicht darüber informiert war.
Israelische Zeitungen vermuten, dass mögliche Raketenlieferungen an den Iran eines der wichtigsten Themen während des Besuchs von Netanjahu gewesen sein dürfte. Weiter heisst es in israelischen Medienberichten, die Russen hätten die Entführung der Arctic Sea inszeniert, nachdem sie vom israelischen Geheimdienst Mossad über die Raketen an Bord informiert worden seien. Der Iran ist ein guter Kunde der russischen Waffenindustrie. Der Verkauf von S-300 Luftabwehrraketen sei jedoch nie vereinbart worden, sagte die staatliche Waffenschmiede Rosoboronexport.
Frachter war drei Wochen verschwunden
Die Arctic Sea war Ende Juli angeblich mit Holz im Wert von mehr als einer Million Euro an Bord unter maltesischer Flagge in Finnland aufgebrochen und sollte am 4. August in Algerien eintreffen. Vor der Küste von Schweden wurde die Besatzung nach eigenen Angaben überfallen, und nach dem letzten Funkkontakt am 28. Juli im Ärmelkanal blieb der Frachter drei Wochen lang verschwunden. Ein russisches Kriegsschiff fand das Schiff schliesslich in der Nähe der Kapverden im Atlantik. Marinesoldaten nahmen acht mutmassliche Entführer fest und durchsuchten das Schiff – angeblich ohne etwas zu finden. Nun soll der Frachter in Las Palmas an Malta übergeben werden. (cha)
Erstellt: 14.09.2009, 13:24 Uhr
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