Ausland
Toter an G-20-Demo: Wurde er doch von Polizisten geschlagen?
Von Peter Nonnenmacher, London. Aktualisiert am 06.04.2009
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Für die Polizei und für die Mehrheit der Zeitungen war der Sachverhalt schnell abgeklärt. Bei den Kundgebungen am Rande des G-20-Gipfels in London war ein Mann einem Herzschlag erlegen. Der Betreffende kollabierte zwischen den «Fronten». Polizisten hatten dem Mann noch erste Hilfe zuteil werden lassen, obwohl sie von Krawallmachern mit Flaschen beworfen worden sein sollen. Der Mann starb aber noch am Ort: an «natürlichen Ursachen», wie eine Obduktion bestätigte.
Von hinten zu Boden gestossen
Wenige Tage nach dem Vorfall ist man sich in London nicht mehr ganz so sicher, ob diese Version stimmt. Ein erster Verdacht, dass der Mann «mit dem Kopf auf der Strasse aufschlug», war schon am Wochenende laut geworden. Inzwischen haben drei Augenzeugen unabhängig voneinander erklärt, dass der 47-jährige Zeitungshändler Ian Tomlinson von Polizisten von hinten angerempelt und zu Boden gestossen wurde, und am Boden von mindestens einem Beamten mit dem Knüppel geschlagen wurde, bevor er weiterrannte und kurz danach zusammenbrach. Die Fotografin Anna Branthwaite berichtete: «Einer der Beamten in voller Montur kam von hinten und schnappte ihn sich. Er stiess ihn vor sich her. Der Mann stürzte und rollte über den Boden.» Der Polizist habe Tomlinson dann «zweimal mit dem Knüppel geschlagen», während er noch am Boden lag. Tomlinson suchte den Schlägen zu entkommen.
Scotland Yard will untersuchen
Der Schauspieler Amiri Howe sah, wie der Zeitungshändler «in Kopfnähe mit dem Knüppel geschlagen wurde». Kezia Rolfe, ein Forschungsassistent, beobachtete, «wie er stürzte und schwer auf den Kopf schlug», und wie er «dreissig Sekunden lang reglos am Boden lag». Tomlinson befand sich, zur Zeit des Vorfalls, auf dem Heimweg. Er nahm nicht an den Protesten teil. An Flaschenwürfe gegen die Polizei, während der Rettungsaktion für Tomlinson, konnte sich im Übrigen keiner der Augenzeugen erinnern. Die Beschwerdestelle Scotland Yards hat nun versprochen, der Sache auf den Grund zu gehen.
Kritik an den Medien
Kritisiert wurden auch diverse Medien. Mehrere Zeitungen hatten im Vorfeld vor «Anarchie und Chaos» gewarnt. Die Demonstranten wollten ganze Stadtteile in Schutt und Asche legen, Autotunnel unter der Themse blockieren, mit einem Panzer gegen die City anrücken, und «136 potenzielle Ziele überrennen». Am Ende kam es hauptsächlich zu Gerangel vor der Bank von England und einem einzelnen Übergriff auf ein Gebäude der just verstaatlichten Royal Bank of Scotland. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 06.04.2009, 21:59 Uhr



