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Unternehmen stellen Weichen für die Drachme

Aktualisiert am 05.11.2011 60 Kommentare

Kommt es zu einem Austritt Griechenlands aus der Eurozone, würde die alte Währung wieder eingeführt. Der deutsche Touristikkonzern TUI rüstet sich bereits jetzt gegen damit verbundene Risiken.

Verluste mit dem Währungswechsel: Die Einführung des Drachme ist in Griechenland kein Tabu mehr.

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Wenn es Mitternacht schlägt in Athen

In den Statuten des griechischen Parlaments ist festgelegt, dass eine Vertrauensfrage immer drei Tage lang debattiert wird. Die eigentliche Abstimmung erfolgt dabei immer am dritten Tag um Mitternacht, auch das ist festgelegt.

Die Regel sieht vor, dass die Debatte an allen drei Tagen gegen 18 Uhr griechischer Zeit beginnt. Am dritten Tag unterbricht der Parlamentspräsident um Mitternacht die Diskussion. Dann beginnt die Abstimmung. Alle Abgeordneten werden namentlich aufgerufen, stehen auf und stimmen mit einem «Ja» oder einem «Nein» oder auch mit «Anwesend» (Stimmenhaltung) ab.

Die eigentliche Abstimmung dauert etwa 45 bis 60 Minuten. Einen speziellen Grund für die Abstimmung um Mitternacht gibt es nicht. Aber diese Tradition gibt es seit Jahrzehnten in allen griechischen Parlamenten. In anderen Fällen finden Debatten auch am Vor- und Nachmittag statt. (sda)

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Angesichts der anhaltenden Krise in Griechenland stellt der Touristikkonzern TUI bereits Weichen für den Fall einer Rückkehr des Landes zur Drachme. Wie die «Bild»-Zeitung heute berichtete, forderte TUI griechische Hoteliers auf, einen Vertrag zur Absicherung gegen Währungsrisiken zu unterzeichnen. «Wenn der Euro nicht mehr die Währung sein sollte, ist TUI berechtigt, die Geldsumme in der neuen Währung zu bezahlen», heisst es demnach in dem Text zur Begleichung künftiger Hotel-Rechnungen in Griechenland.

Hintergrund ist die Befürchtung, dass im Fall eines Austritts aus der Euro-Zone, die dann eigenständige griechische Währung stark an Wert verlieren dürfte. «Wir müssen uns gegen solche Währungsrisiken absichern. Es gibt mehr als eine theoretische Möglichkeit, dass Griechenland aus der Euro-Zone aussteigt», sagte TUI-Sprecher Robin Zimmermann dazu der «Bild»-Zeitung. Griechische Hoteliers reagierten demnach empört. «Kein Hotelier wird das machen», wandte sich der Präsident des griechischen Tourismusverbandes, Andreas Andreadis, gegen die Aufforderung von TUI an die Hotelbesitzer, den ihnen zugesandten Vertragstext zu unterzeichnen.

Papandreou trifft sich mit Papouilas

Nach dem gewonnenen Vertrauensvotum will sich der griechische Ministerpräsident Giorgos Papandreou am Samstagvormittag (1100 MEZ) mit Staatspräsident Karolos Papoulias treffen. Papandreou will ihn über seine Absicht informieren, eine neue Regierung zu bilden, die von mehreren Parteien unterstützt wird.

Die Sondierungen sollen sofort beginnen. Die wichtigste Oppositionspartei Nea Dimokratia (ND) lehnte eine Beteiligung an der geplanten neuen Regierung ab. Die einzige Lösung seien Neuwahlen sagte Parteichef Antonis Samaras nach der Vertrauensabstimmung.

Verlängerung der Macht

Papandreou hatte in der Nacht auf heute nach einer mehrstündigen emotional geladenen Debatte im griechischen Parlament das Vertrauen der Abgeordneten erhalten und blieb damit vorerst an der Macht. Faktisch steht Griechenland damit nach der Vertrauensabstimmung da, wo es am Tag zuvor stand: Vor dem Abgrund, urteilte die griechische Presse übereinstimmend am Samstag.

Mitarbeiter von Oppositionschef Samaras sagten am Samstag, er habe einen Vorschlag für die Bildung einer Expertenregierung gemacht, die nur für wenige Wochen das Land aus der Krise führen solle und danach sollten Neuwahlen stattfinden.

Papandreou habe gar nicht darüber verhandelt, hiess es. «Wir haben praktisch eine neue verschleierte Regierung Papandreou», sagte ein enger Mitarbeiter von Samaras. (mrs/ami/sda)

Erstellt: 05.11.2011, 11:13 Uhr

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60 Kommentare

Ernst Dittmar

05.11.2011, 02:10 Uhr
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Papandreou sagt es klar und deutlich: Die Volksabstimmung wurde von Sarkozy und Merkel versenkt. Mit welcher Legitimation mischen sich Sarkozy und Merkel eigentlich in griechische Interna ein? Mit welcher Legitimation beschliessen die zwei nationalen Führer Dinge, die die ganze EU und den ganzen Euro-Raum betreffen? Haben deren Völker jemals dem EU-Beitritt zugestimmt? Ist das Demokratie? Antworten


Nadine Binsberger

04.11.2011, 19:32 Uhr
Melden 56 Empfehlung

Am Beispiel Griechenland sieht man, wie absurd das Geldsystem ist. Angenommen, es könnten bald tatsächlich keine Gehälter mehr ausbezahlt werden: soll dann der Lehrer zuhause bleiben, obwohl es wissbegierige Schüler gibt? Soll der Müll liegen bleiben, obwohl die Müllmänner nichts zu tun haben? Soll der Laden nichts herausgeben, nur weil jemand kein Geld hat? Effiziente, optimale Güter-Allokation?? Antworten



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