Ausland

Waffenhandel kennt keine Krise

Von Hannes Gamillscheg. Aktualisiert am 28.04.2009

Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat die Rüstungsindustrie bisher noch kaum beeinträchtigt. Auch die Schweiz mischt kräftig mit.

Anhaltend grosse Nachfrage nach Kriegsmaterial: Munitionsabteilung einer Waffenfabrik.

Anhaltend grosse Nachfrage nach Kriegsmaterial: Munitionsabteilung einer Waffenfabrik.
Bild: Keystone

Das Geschäft mit Kriegsmaterial boomt wieder. Dies geht aus dem Bericht über den weltweiten Handel konventioneller Waffen hervor, den das Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri am Montag veröffentlichte. Zwar liegen die Umsätze weiterhin deutlich unter den Rekordniveaus aus den Zeiten des Kalten Krieges, doch zwischen 2004 und 2008 waren sie schon wieder um 21 Prozent höher als in der davorliegenden Fünfjahresperiode, in der der Rüstungstransfer die niedrigsten Werte seit den Sechzigerjahren auswies.

«Vergeudung von Ressourcen»

In den kommenden Jahren werde sich die globale Finanzkrise auch auf das Waffengeschäft auswirken, erwartet das Sipri, es sei jedoch zu früh für konkrete Prognosen. «Während Staaten wie Brasilien, Indonesien oder Marokko ihre Gürtel enger schnallen müssen, bauen andere wie Taiwan oder die Arabischen Emirate ihre militärischen Kapazitäten aus», sagt Poul Holtom, der Chef des Sipri-Waffenhandelsprogramms. «In einer Zeit, die nach gemeinsamen Lösungen für globale Probleme ruft, stellt der blühende Waffenhandel eine Vergeudung von Ressourcen dar, die sich die Welt nicht leisten kann.»

China, Indien und Arabien

Vor allem im Nahen Osten sind die Zuwachsraten hoch. Um 38 Prozent mehr Kriegsmaterial wurde seit 2004 in die Krisenregion exportiert, mit den Vereinigten Arabischen Emiraten, Israel und Ägypten als Hauptabnehmern. Alle drei werden vor allem von den USA versorgt. Hingegen sei der Anteil Irans «trotz allen Spekulationen über die iranischen Importprogramme» vergleichsweise gering, heisst es in dem Rapport. China und Indien, beide mit Russland als wichtigstem Lieferanten, sind weiterhin die weltweit grössten Waffenkäufer. China stellt jedoch zunehmend auf Eigenproduktion um. Hingegen nehmen die Importe Pakistans und Südkoreas – beide vor allem aus den USA – stark zu.

Mit einem Anteil von 31 Prozent liegen die USA weiterhin an der Spitze der Rüstungsexporteure, auch wenn ihr Umsatz seit Ende der Neunzigerjahre, als US-Firmen für die Hälfte aller Waffenexporte standen, um rund 40 Prozent gefallen ist. Im gleichen Zeitraum verdoppelte Russland seine Ausfuhren und hält nun einen Anteil von 25 Prozent.

Deutschland immer wichtiger

Im internationalen Waffenhandel spielt Deutschland eine immer grössere Rolle. In den vergangenen fünf Jahren stiegen die deutschen Rüstungsexporte um 70 Prozent, ihr Anteil am globalen Geschäft mit Kriegsmaterial wuchs in diesem Zeitraum von sieben auf zehn Prozent. Damit rangiert Deutschland unter den Waffenhändlern nun hinter den USA und Russland auf Rang drei, noch vor Frankreich und Grossbritannien. Dies ist vor allem auf eine Steigerung um 123 Prozent auf dem europäischen Markt zurückzuführen. Unter 47 Abnehmern deutscher Waffen waren die Türkei (15,2 Prozent) und Griechenland (12,9 Prozent) die besten Kunden, vor allem wegen der Lieferung von Panzern und U-Booten, gefolgt von Südafrika und Südkorea mit Anteilen von 12,4 und 7,5 Prozent.

Der deutsche Beitrag zum Waffenhandel werde auch künftig signifikant bleiben, erwartet Sipri-Experte Mark Bromley und verweist auf geplante Verkäufe von U-Booten an Italien, Griechenland und Portugal und Panzern für Brasilien.

Unterschiedliche Erhebungsart

Das Volumen der deutschen Exporte in der letzten Fünfjahresperiode gibt Sipri mit 11,45 Milliarden Dollar an, der wahre Wert sei jedoch wesentlich höher, unterstreicht Bromley. Offizielle deutsche Daten operierten nur mit «Kriegswaffen» im engsten Sinn, während andere Länder den Export von Rüstungsgütern umfassender definieren. Beim Verkauf von gebrauchtem Material kalkuliert Sipri mit dem Nutzwert und nicht dem Rechnungswert der Waffen, was dazu führt, dass die von dem Institut ausgewiesenen Zahlen oft höher liegen als offizielle deutsche.

Auch die Schweiz und Österreich

Auch die Schweiz spielt im globalen Waffengeschäft eine Rolle, laut Sipri als Nummer 14 auf der Weltrangliste der Rüstungsexporteure. Die USA (51 Prozent) waren deutlich vor Pakistan (9 Prozent) wichtigster Abnehmer. Bei den Importen rangiert die Schweiz auf Platz 42.

Auch Österreich spielt im globalen Waffengeschäft eine Rolle, laut Sipri als Nummer 24 auf der Weltrangliste der Rüstungsexporteure. Frankreich (58 Prozent) war weit vor Portugal (13 Prozent) wichtigster Abnehmer. Bei den Importen rangiert Österreich auf Platz 34. (Der Bund)

Erstellt: 28.04.2009, 07:43 Uhr

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