Ausland
Warm anziehen für CNN
Von Bernhard Odehnal, Wien. Aktualisiert am 09.02.2009 8 Kommentare
Die Gaskrise in Bulgarien wurde durch die Medien dramatisiert. (Bild: Keystone)
Das waren drastische Bilder, die der amerikanische Sender CNN im Januar aus Bulgarien sendete: Eine Reportage zur Gaskrise aus der Kleinstadt Plewen, wo frierende Familien in der Not kleine Kohleöfen in kalte Wohnungen stellen oder sich an Kochplatten wärmen mussten. «Was für Bilder aus einem Land der EU!», kommentierte Reporter Robert Moore: «Diese armen Kinder drängen sich um den Elektroherd. Eine völlig verzweifelte Frau bittet um Hilfe.» Der Bericht entstand für den britischen Sender ITN, wurde von CNN übernommen und weltweit ausgestrahlt.
Das Elend in Bulgarien kann bedrückend sein. Nur: Mit der Gaskrise hat es nichts zu tun. Stojan Georgiew, ein Journalist des bulgarischen Fernsehsenders bTV, ging der CNN-Reportage nach – und fand in Plewen nichts so wie beschrieben. Jene Roma-Siedlung, in der die Menschen laut CNN froren, hatte niemals Anschluss an das Fernwärme- oder Gasnetz, konnte von der Gaskrise also gar nicht betroffen sein. Die in der Reportage gezeigten Roma erklärten dem bulgarischen Journalisten, sie hätten keine Ahnung gehabt, dass sie der britische Reporter wegen der Gaskrise interviewte. Und die Kinder zeigten, wie sie sich auf Anordnung Moores rund um einen (ausgeschalteten) E-Herd stellen und die Hände vorstrecken mussten, als würden sie sich wärmen.
In einer anderen im Kraftwerk von Plewen gedrehten Szene zeigt Reporter Moore einen Zähler mit vier Nullen und macht ihn zum Beweis, dass kein russisches Gas durch die Leitungen komme. Journalist Georgiew hingegen fand den Zähler an einer Leitung, die seit Jahren nicht mehr benutzt wurde.
Niemand beschwerte sich
Bulgarien litt besonders stark unter dem russisch-ukrainischen Gaskrieg im Januar. In den ersten Tagen des Konflikts mussten Schulen, Kindergärten und Betriebe schliessen, Spitäler den Betrieb reduzieren. In den Wohnungen hingegen wurde es nur für wenige Stunden kalt. Schnell konnten die Kraftwerke von Gas auf Schweröl umgestellt werden. Auf dem Höhepunkt der Krise traf der Reporter des «Tages-Anzeigers» in Sofia niemanden, der sich über den Ausfall der Zentralheizung beschwerte oder auch nur davon gehört hätte. In einer von der Krise angeblich besonders betroffenen Plattenbausiedlung klagten Bewohner lediglich, dass sie die Heizungsventile weiter aufdrehen und dafür «wahrscheinlich auch mehr bezahlen» müssten. Zur selben Zeit berichteten westliche Medien, auch seriöse Zeitungen und Nachrichtenagenturen, immer noch von «Hunderttausenden in kalten Wohnungen». Bulgariens Ministerpräsident Sergej Stanischew schickte einen Protestbrief an CNN, in dem er sich über die Manipulation der Berichterstattung beschwerte. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 09.02.2009, 21:34 Uhr
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8 Kommentare
Ronni König: CNN ist leider nicht die Ausnahme- BBC istbekannt als politisch einseitig, sagen wir einmal Anti Israel- pro Arabisch im Berichterstatten, Französische Reporter im Libanon Krieg wurden entlarvt wegen photoshop 'verschlimm besserten' Photos...etc. etc. Heute hat CNN das Monopol in der Welt - leider. Man muss also jede Nachricht mit Vorsicht lesen und selber beurteilen- Antworten
Köstlich! Man denke an die Berichterstattungen aus Kuweit, Irak, Afganistan, dem Libanon und den Krieg der Israeli gegen die Palestinänser. Was stimmt wohl? Unsere Gesellschaft "weiss" in Echtzeit alles vom anderen Ende der Welt, doch was sind diese Berichte wert? Sind wir nicht nur froh, dass man uns etwas vorführt, das wir als "Wissen" annehmen können? Antworten
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