Ausland
Warum Sarkozy zusammengeklappt ist
Mit nichts im Bauch joggt es sich schlecht: Nicolas Sarkozy. (Bild: Keystone)
Beim Verlassen der Klinik mit Gattin Bruni: Sarkozy wirkt noch etwas unsicher. (Bild: Keystone)
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Der Präsident müsse besser auf sich achtgeben, warnt der konservative Abgeordnete Patrick Balkany, der ihn gut kennt. Aber dass Sarkozy nach dem Kreislaufkollaps am Sonntag wirklich kürzer tritt, kann sich niemand vorstellen - das ständige Rotieren ist schliesslich sein Markenzeichen.
Ein Dauerlauf an einem schwülen Hochsommertag in der Mittagshitze ist für jeden Körper eine Zumutung. Noch dazu, wenn man wie der Präsident die ganze Woche einen knallvollen Terminkalender hat.
Und Diät hält, wie jetzt bekannt wurde. Es war sogar eine «strenge Diät», wie Parteifreund Balkany betont. Vielleicht sei das für einen 54-Jährigen einfach ein bisschen viel. In letzter Zeit habe Sarkozy «besonders abgekämpft» gewirkt. «Er hat mehr wie ein Rennfahrer der Tour de France ausgesehen als wie ein Präsident.»
Immer das Gefühl, mehr tun zu müssen
Seit Sarkozy das Amt vor gut zwei Jahren angetreten habe, habe er «sechs oder sieben Kilo» abgenommen, zitiert die französische Tageszeitung «Libération» ein Mitglied der Regierungspartei UMP. «Er ist fertig.» Der Staatschef läuft mehrmals in der Woche eine Stunde lang und fährt Velo, beides ehrgeizig, anders kann er gar nicht.
«Es ist nicht seine Art, sich zu schonen», sagt Konjunkturminister Patrick Devedjian im Radio. Selbst wenn Sarkozy vorgeworfen werde, er tue zuviel, habe er immer noch das Gefühl, es reiche nicht, er müsse mehr tun. So sei er einfach angelegt.
«Er hat Hunger, er meckert, alles ist gut»
Seine hemdsärmlige und sportliche Art kultiviert der Staatschef nicht erst, seit er mit dem ehemaligen Model Carla Bruni verheiratet ist. Noch bevor er die 13 Jahre jüngere Musikerin überhaupt kennenlernte, liess er sich regelmässig beim Joggen sehen.
Vier Menschen begleiten den Präsidenten auf Schritt und Tritt, auch beim Joggen im Park. Unter ihnen der Arzt, der Sarkozy auf dem Wochenendsitz La Lanterne im Schlosspark von Versailles am Sonntag erste Hilfe leistete.
Spaziergänger berichteten von dem Wirbel, den der Schwächeanfall des Staatschefs auslöste: «Wir haben Leute rumlaufen sehen, Ärzte und einen Rettungswagen.» Die Präsidentengattin liess sich von einem Polizisten auf dem Motorrad zu ihrem Mann bringen; ein Helikopter transportierte Sarkozy ins Militärspital Val-de-Grâce.
Stunden später kam dann schon Entwarnung, dem Präsidenten gehe es gut, sagte sein Parteifreund Balkany abends auf RTL. «Er hat Hunger, er meckert, alles ist gut.»
Als ob nie etwas gewesen wäre
Die Untersuchungen im Spital hätten ergeben, dass Sarkozys Schwächeanfall nicht auf eine Herzrhythmusstörung oder ein ähnliches Problem zurückgehe, erklärte am Montagvormittag der Elyséepalast. Ihm sei bei der grossen Hitze vor lauter Anstrengung unwohl geworden, und er solle sich ein paar Tage ausruhen, hätten die Ärzte ihm geraten.
Freundlich lächelnd, als ob nie etwas gewesen wäre, kam das Präsidentenpaar nicht einmal 24 Stunden nach dem Schwächeanfall aus dem Spital. Der Patient - wieder ganz Staatsmann - im dunklen Anzug.
Eine Limousine brachte die beiden zurück auf den Landsitz westlich von Paris, wo ihr Wochenende tags zuvor so jäh unterbrochen worden war. Seine Termine für Montag und Dienstag sagte Sarkozy ab. Die Kabinettsrunde am Mittwoch werde er aber wieder leiten, erklärte der Elysée. (sam/sda)
Erstellt: 27.07.2009, 15:39 Uhr
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