Ausland

Weltbotschafter der Homosexuellen

Aktualisiert am 20.01.2010

Alle wussten es, niemand sagte etwas: Lange war Guido Westerwelles Homosexualität eine reine Privatsache. Seit er Deutschlands Aussenminister ist, zeigt er seinen Freund Michael Mronz der ganzen Welt.

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Michael Mronz und Guido Westerwelle kennen sich seit sieben Jahren.
Bild: Keystone

   

Guido Westerwelle zeigte sich vor etwa sechs Jahren erstmals mit Michael Mronz in der Öffentlichkeit. Zuvor war der 49-jährige FDP-Politiker bei öffentlichen Festanlässen gelegentlich in Begleitung einer Alibi-Freundin aufgetreten; Ute Spangenberg heisst die brünette Frau. Dabei hatte Deutschlands Polit- und Medienszene längst Bescheid gewusst über Westerwelles Vorliebe für Männer. Westerwelle hatte es aber stets vermieden, klare Aussagen über seine Homosexualität zu machen. Von ihm stammt die Bemerkung: «Ich habe mein Leben nie versteckt, ich habe es einfach nur gelebt.»

Nachdem Michael Mronz, einer der erfolgreichsten Sporteventmanager Deutschlands, immer öfter an der Seite von Westerwelle erblickt wurde, berichtete «Der Spiegel» von einem «stillen Coming-out». Inzwischen hat man sich in Deutschland an das Paar Westerwelle/Mronz gewöhnt. Die «Bild» bejubelt die beiden als «Power-Paar».

Mit dem Freund auf China-Besuch

Es ist fast schon zur Selbstverständlichkeit geworden, dass Westerwelle, der seit letztem Herbst Aussenminister ist, seinen Lebenspartner auf Auslandreisen mitnimmt. Bei der kürzlichen China-Reise war auch Mronz dabei. Die Begleitung war hochoffiziell und ging ins Protokoll ein, wie die deutsche Ausgabe der «Financial Times» bemerkte. Es habe eine Broschüre mit einem «Programm für den Bundesminister des Auswärtigen und Michael Mronz» gegeben.

Manche Politbeobachter äusserten Erstaunen, ja sogar Bewunderung über Westerwelles Auftritt in Peking. Da präsentierte sich ein deutscher Aussenminister, der sich im Vergleich zu seinen Vorgängern Frank-Walter Steinmeier und Joschka Fischer nicht scheute, Klartext zu sprechen. Westerwelle plädierte deutlich für Meinungsfreiheit, Religionsfreiheit und Minderheitenschutz. «Minderheiten müssen geschützt werden», sagte Westerwelle einem Journalisten.

Ein Beinahe-Eklat

Der Zufall wollte es, dass ausgerechnet am selben Tag die chinesische Polizei die Mister-Gay-Wahl in Peking, einen Schönheitswettbewerb für Homosexuelle, verhinderte. Gemäss der «Financial Times Deutschland» äusserte sich Westerwelle so offen und klar, «dass die chinesische Regierung sich genötigt sah, ihn auf die Nicht-Einmischung in innerchinesische Verhältnisse hinzuweisen. Ein Beinahe-Eklat.»

Laut «Financial Times Deutschland» hatte sich Westerwelle vor seinem Amtsantritt im letzten Herbst sogar dafür ausgesprochen, Staaten die Entwicklungshilfe zu streichen, in denen «Männer und Frauen hingerichtet werden, nur weil sie homosexuell sind».

Eintreten für Minderheitenschutz

In seinem Amt als Aussenminister reist Westerwelle als Botschafter der Menschenrechte durch die Welt. Als Homosexueller kritisiert er den Umgang mit Minderheiten. Gerade in Staaten, wo Homosexualität nicht geduldet wird, tritt Westerwelle selbstbewusst auf. Ob er will oder nicht: Mit seinem Eintreten für Minderheitenschutz übernimmt Westerwelle die Rolle eines Weltbotschafters der Homosexuellen.

(vin)

Erstellt: 20.01.2010, 13:52 Uhr

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