Ausland
Wie sich Eros angeblich im Vatikan austobt
Aktualisiert am 20.04.2011 71 Kommentare
Wird für rote Köpfe sorgen: Buch «Sex im Vatikan».
Keine Lektüre für Minderjährige: Carmelo Abbate liefert deftige Passagen.
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Sexuelle Enthaltsamkeit, nicht weniger müssen Priester und Nonnen geloben, die im Dienste der katholischen Kirche stehen. Doch nicht alle können oder wollen sich an ihr Gelübde halten. Dies impliziert «Sex im Vatikan», das neue Buch des italienischen Journalisten Carmelo Abbate, das morgen in Frankreich und nächste Woche in der Schweiz erscheint.
Im Buch geht es nicht um pädophile Priester, sondern um das heimliche Ausleben der Sexualität, schreibt «Le Matin» und zitiert Abbate: «Es geht um die versteckte Sexualität, um Doppelleben. Das Zölibat funktioniert nicht und hat nie funktioniert. Sex ist in der katholischen Kirche omnipräsent.» Auf 400 Seiten lässt Abbate Priester und Nonnen anonym zu Wort kommen. Das Buch handelt von Sadomaso-Sex im Schwulenmilieu, von heimlichen Geliebten und von verleugneten Kindern.
Von Strippern und Sex mit Frauen
Sowohl «Le Matin» (zum Bericht) wie «France Soir» (zum Bericht) publizieren Auszüge aus dem Buch, das im Vatikan für wenig Freude sorgen dürfte. In einem Auszug geht es um eine Schwulenparty in Rom: «(Die beiden Stripper) öffnen sein Hemd. Sie streicheln ihn. Berühren ihn. Der Franzose ist ein Priester. Vor einigen Tagen zelebrierte er die Messe im Petersdom im Vatikan. Der Franzose ist nicht der Einzige an dieser Party. Es hat auch einen italienischen Priester...»
In einem anderen Auszug zitiert Abbate ein Gespräch, das er mit einem in Italien bekannten Priester in einer Disco gehabt haben soll. Zwanzig Ave Maria genügten, um zu büssen, dass er mit einer Frau gegangen sei, so der Priester. «Während vieler Jahre mischte ich mich unter die Nachtvögel, die die Clubs in der Toskana (...) frequentierten.» Er habe sich bis zum Morgengrauen vergnügt. Frauen habe er danach im Auto oder im Studio getroffen. Insgesamt habe er mit sieben bis acht Frauen im Jahr Sex gehabt.
Heimliche Beziehung
Abbate zitiert auch den Brief einer Deutschen, die seit Jahren eine heimliche Beziehung zu einem Priester unterhält. Sie leidet darunter, dass sie sich stets verstellen muss. «Für seine Gemeindemitglieder bin ich die Haushälterin, die sich um seinen Haushalt und seine Wäsche kümmert. (...) Mein Freund ist ein zerrissener Mann. Seine Schuldgefühle fressen ihn auf.» In einem anderen Kapitel beschreibt der Journalist, wie ein Priester einen jungen Mann zu seinem «Sklaven» macht.
Ob es sich bei den Berichten im Buch um Einzelfälle handelt oder ob das Zölibat tatsächlich auf breiter Ebene nicht eingehalten wird, lässt Abbate offen. Der Vatikan wollte bisher das Buch nicht kommentieren. Mit seinen Enthüllungen hatte Abbate 2010 schon weltweit einen Skandal ausgelöst. Ein Informant seiner Zeitschrift «Panorama» war mit versteckter Kamera in die Schwulenszene Roms eingetaucht. Dabei kam ein Bericht über Geistliche heraus, die nachts mit männlichen Prostituierten Partys in Schwulenclubs feiern und sich tagsüber zwischen ihren Messen zum Sex mit wechselnden Partnern treffen. (mfa)
Erstellt: 20.04.2011, 14:37 Uhr
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71 Kommentare
Das Zölibat diente bei der Einführung im Mittelalter, den Nachlass «der Kirche geweihten» Jungen und Mädchen adeliger Herkunft, der Kirche statt der leiblichen Nachfahren zukommen zu lassen. Damals ein überaus einträgliches Geschäft für den Priesterstand! Ein Keuschheitsgelübde ernst nehmen? Allenfalls für Einfältige und Seelenkranke. Auch der Ablasshandel war für die Kirche sehr lukrativ. Antworten
Steht wieder eine Welle von Kirchenaustritten bevor? Die Rolle der Kirche wird oft überschätzt, ein Kirchenaustritt ist kein Bruch mit Gott. Zuerst waren die Bibel und das Leben Jesus Christus, erst später entstand die Kirche als Glaubensverwalterin. Wer sich wohl fühlt als Kirchenmitglied sollte dabei bleiben, genauso kann man den Christlichen Glauben ohne die Kirche direkt mit Gott zu leben. Antworten
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