Ausland
Zu teure Materialschlacht für die Gratispresse
Am Ende: Das Gratisblatt «The London Paper».
Das sieht man selten – dass Rupert Murdoch die weisse Fahne hisst. Der Medienmogul, dem im Vereinigten Königreich unter anderem die Londoner «Times», das Massenblatt «The Sun» und Sky Television gehören, ist eher dafür bekannt, dass er mit allen finanziellen und ihm sonst zu Gebote stehenden Mitteln die Pressekonkurrenz in Bedrängnis bringt.
Millionenverluste
Diesmal aber tritt Murdoch den Rückzug an. Sein Londoner Gratisblatt «The London Paper» wird im September wegen Anzeigenschwunds eingestellt. Damit geht nicht nur ein kostspieliges Experiment für den Murdoch-Konzern News International zu Ende, sondern auch ein bitterer Londoner Zeitungskrieg, in dem sich Murdoch und seine Rivalen vom Rothermere-Verlag Associated Newspapers mithilfe ihrer Blätter befehdeten. Die Rothermere-Leute können nun daran denken, ihr eigenes Gratisblatt «London Lite» wieder einzustellen, das sie als Abwehrwaffe gegen Murdoch ins Feld führten: Keiner der beiden Verlage kann sich diese Art von Materialschlacht in der Rezession noch leisten.
Denn eine Materialschlacht war es letztlich – ein Einsatz gewaltiger Papiermengen in der grössten Stadt Europas. «The London Paper» druckt zurzeit eine halbe Million Exemplare, und «London Lite» liegt nur 100'000 Exemplare niedriger. Trotz dieser massiven Präsenz, vor allem an den U-Bahnhöfen der Themse-Metropole, haben sich die beiden Blätter in letzter Zeit nicht mehr bezahlt gemacht. «The London Paper» allein fuhr in den letzten zwölf Monaten Verluste in Höhe von umgerechnet rund 1,5 Millionen Euro ein – um die Hälfte mehr als veranschlagt. Das Blatt sei «hinter den Erwartungen zurückgeblieben», liess sich Murdoch grimmig vernehmen. News International wolle sich nun wieder «auf das Kerngeschäft konzentrieren».
60 Journalisten und viele Hundert Austräger werden damit arbeitslos. Bei einem Anzeigenverlust von 14 Prozent im britischen Gesamtgeschäft des Murdoch-Konzerns hat sich die Basis der ganz auf Werbeeinnahmen angewiesenen Gratisblätter in Luft aufgelöst. Vor drei Jahren, als «The London Paper» auf den Markt kam, waren noch Boomzeiten.
«Metro» hielt sich bisher
Als im Sommer 2006 Murdoch sein Gratis-Morgenblättchen ankündigte, schlug Associated Newspapers unmittelbar mit «London Lite» zurück (und überholte «The London Paper» sogar noch um ein paar Tage). Associated, das auch die erfolgreiche «Daily Mail» herausgibt, vertrieb zu diesem Zeitpunkt nebenher bereits seit sieben Jahren das Gratisblatt «Metro», das sich nach und nach über London hinaus hat etablieren können und das heute in ganz Grossbritannien eine Auflage von 1,3 Millionen erreicht.
Wie sehr auch «Metro» von der Rezession in Mitleidenschaft gezogen wurde, ist bislang noch nicht abzusehen. Die beiden auf London begrenzten Rivalenblätter von 2006 aber haben sich als teure Vehikel eines aggressiven Wettbewerbs erwiesen.
Lebedew zahlt 1 Pfund
Schaden haben sie jedenfalls der einzigen kostenpflichtigen Zeitung für den Raum London, dem «London Evening Standard», zugefügt, dessen Mehrheitsanteil kürzlich für 1 Pfund an den russischen Milliardär und Ex-Spion Alexander Lebedew (dem auch das Luzerner Hotel Château Gütsch gehört) verkauft wurde. Der «Standard» hofft nun vom Ende des Kriegs der Gratisblätter zu profitieren. So auch «London Lite» den Laden dichtmacht, könnte sich das 181 Jahre alte Traditionsblatt als später Gewinner erweisen – solange die Londoner überhaupt noch Geld für eine «Zeitung für London» auszugeben bereit sind.
Logisch erscheint den Medienexperten jedenfalls die Rückzugs-Entscheidung Murdochs. Erst vor kurzem hatte er angekündigt, dass er auch für Online-Auftritte seiner Titel wieder Gebühren erheben will. «Man kann nicht Onlinegebühren erheben und gleichzeitig auf den Strassen Zeitungen gratis verteilen», meinte die Medienanalytikerin Lorna Tilbian. Weitere Schliessungen seien zu erwarten. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 23.08.2009, 21:26 Uhr
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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.




