«Ich, Flüchtling, will»

Ein syrischer Flüchtling erhebt öffentlich dreiste Foderungen wie «die Strassenschilder in Europa sollen auf Arabisch übersetzt werden». Nur eine Provokation?

Übertriebene Forderungen: Steckt ein Aktionssatiriker dahinter?

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Unter der Berufsbezeichnung «Syrischer Flüchtling» veröffentlicht der junge Aras Bacho in der deutschen Online-Publikation der Huffington Post fleissig Kommentare zur Flüchtlingspolitik seines Gastlandes und profiliert sich mit Vorschlägen, wie Regierung und Volk die Lage der Neuankömmlinge aus dem Nahen Osten verbessern könnten.

«Wir sind die Zukunft des Landes»

«Ist euch nicht klar», wendet er sich an die Deutschen, «dass es eure Aufgabe ist, uns zu nehmen und zu versorgen?» Denn «ihr braucht uns, und wir sind die Neuen, die die Zukunft des Landes gestalten». Aras findet auch, dass in Europa alle «Strassenschilder auf Arabisch übersetzt» werden sollten, ebenso wie «alle Lebensmittelverpackungen», und dass in Prüfungen die Möglichkeit bestehen sollte, «Arabisch zu sprechen».

Jeder Flüchtling sollte zudem «vom deutschen Staat ein Smartphone bekommen» und auf den Bau des Berliner Flughafens sollte verzichtet werden, das Geld «sollte man lieber den Flüchtlingen spenden». Deutsche «Wutbürger», also seine AfD-wählenden Gastgeber, gehörten «ausgeschafft», urteilt er, «am besten auf den Mond». Und angesichts des Platzmangels in Schulen für Flüchtlinge kommandiert Aras: «Also nehmt einen Block und einen Bleistift in die Hand und versucht euch ehrenamtlich zu engagieren. So funktioniert Integration.»

Provozierende Attitüde

Die Haltung des Flüchtlingsbloggers ist derart dreist, anmassend und unverschämt, dass bald Stimmen laut wurden, Aras Bacho sei ein Fake, eine Erfindung nationalpopulistischer Kreise, um Ressentiments gegen Flüchtlinge zu bewirtschaften. Zwar existiert ein junger Mann dieses Namens. Er sei achtzehn, hat dieser Journalisten erklärt, ein Jeside und vor sechs Jahren mit seiner erwachsenen Schwester aus Syrien nach Deutschland emigriert. Aber stimmt das? Er selber hat geschrieben, er sei mit einem «gefälschten Pass» eingereist – ebenso wie viele andere «Syrer und Migranten». Möglich ist es, dass hinter ihm weitere Akteure wirken. Zu fehlerfrei sein Deutsch, zu überspitzt seine Ansprüche, zu provozierend seine Attitüde.

Doch viel eher als rechtspopulistische Strippenzieher vermuten wir hier Regisseure aus dem linkskulturellen Raum. Aktionssatiriker im Stile Jan Böhmermanns beispielsweise, immer unterwegs, die dumpfen In­­stinkte ihrer angeblich unterbelichteten Zeitgenossen vorführen zu wollen. Wir sind gespannt.

Eugen Sorgs «Randnotiz» erschien in der Basler Zeitung vom Dienstag. (Basler Zeitung)

Erstellt: 20.12.2016, 11:42 Uhr

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