Minderjährige Flüchtlinge waren doch schon erwachsen

Alterstests in Dänemark bestätigen den Verdacht in 74 Prozent der Fälle. Der Flüchtlingshilfeverband hat für die Schummeleien eine originelle Erklärung.

Strenge Asylpolitik. Flüchtlinge werden im dänischen Pattburg von der Polizei festgehalten.

Strenge Asylpolitik. Flüchtlinge werden im dänischen Pattburg von der Polizei festgehalten. Bild: Keystone

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Bei der Gewährung von Asyl ist Dänemark besonders restriktiv. Minder­jährige erhalten aber auch hier eine bevorzugte Behandlung im Asylverfahren. So können sie etwa ihre Eltern nachholen und werden kinder­gerecht untergebracht. Nun hat die Aus­länderbehörde DIS in besonders zweifelhaften Fällen das rechtsmedi­zinische Institut der Universität Kopenhagen damit beauftragt, Röntgenalterstests durchzuführen.

Von den bislang gut 800 getesteten minderjährigen Asylbewerbern waren demnach 600 über 18 Jahre alt, berichtet die Zeitung Jyllands-Posten. Damit bestätigte sich der Verdacht in 74 Prozent der angezweifelten Fälle. Bis Jahresende sollen insgesamt 1000 Fälle behandelt werden.

Überprüft wurden Fälle, in denen die Minderjährigen zu alt für das von ihnen angegebene Alter aussahen, oder wo deren Lebenslauf für das angegebene Alter zu viele Aktivitäten enthält. Wer sich dem Test verweigert, wird vom Amt einfach als Erwachsener eingestuft. Das rechtsmedizinische Institut machte unter anderem Röntgenfotos von ­Händen und Zähnen (siehe Box).

Volkspartei will alle testen

Martin Henriksen von der einwanderungskritischen Dänischen Volks­partei fühlt sich bestätigt. «Die ver­suchen, sich die Aufenthaltsgenehmigung und Vorteile zu erschwindeln, zu denen sie kein Recht haben», kritisiert der Politiker. Er fordert, dass nun sämtliche Flüchtlingskinder getestet werden müssten. Die bürger­liche Einwanderungsministerin Inger Stöjberg unterstreicht dagegen, die Enthüllungen zeigten, dass das momentane ­System funktioniere.

In Dänemark werden Minder­jährige, deren angebliches Alter angezweifelt wird, wohnlich von den eindeutig Minderjährigen getrennt. Ab März 2017 sollen zudem auch alle an­­erkannt 17-Jährigen mit erwachsenen Asylbewerbern zusammenleben.

Allerdings kritisierten vor allem Zahn- und Kinderärzte die Genauigkeit der Methode. Zuvor hatten die Test­ergebnisse beim rechtsmedizinischen Institut eine vierjährige Spannbreite von beispielsweise 17 bis 21 Jahren. Aufgrund der Flüchtlingswelle wurde dies nun einfach eingeengt auf ein bis maximal zwei Altersjahre, also 17 oder 17 bis 18. Hinzu komme jedoch die Angabe der Wahrscheinlichkeit, mit der das jeweilige Testergebnis stimmt, heisst es beim Ausländeramt.

Schweden führt Prüfung ein

Wenn das getestete Alter des Asyl­bewerbers nur ein Jahr von dem angegebenen abweicht, akzeptiert die dä­­nische Behörde das vom Bewerber behauptete Alter. Zusätzlich können auch Ausweis­papiere und die Aussagen des Asylbewerbers berücksichtigt werden. Jeder angezweifelte Fall wird individuell geprüft. «Dies ist unser bestes medizinisches Mittel, und natürlich geben wir zu, dass es da eine Unsicherheit gibt», räumt auch Niels Lynnerup ein, ­Pro­fessor am rechtsmedizinischen In­stitut. Er halte die Testmethode aber ­trotzdem für tragbar.

«Viele der jungen Leute wissen nicht genau, wie alt sie sind, weil das in ihren Heimatländern nicht so registriert wird wie in Dänemark», macht Eva Singer vom Flüchtlingshilfeverband geltend.

Auch im lange neben Deutschland besonders flüchtlingsfreundlichen Nachbarland Schweden, das am meisten un­­begleitete Flüchtlingskinder in Europa aufgenommen hat, hat die rotgrüne Regierung trotz Kritik Alterstests ein­geführt. Dazu werden laut Beschluss des schwedischen rechtsmedizinischen Amtes vom September die Weisheitszähne geröntgt und eine Kernspintomografie der Kniegelenke gemacht. (Basler Zeitung)

Erstellt: 14.12.2016, 10:16 Uhr

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