Ausland

«Wenn sie halb nackt herumlaufen, passiert so was»

Aktualisiert am 22.01.2016

Äusserungen des Kölner Imam Abu-Yusuf, Frauen hätten die Kölner Übergriffe durch ihre Kleidung provoziert, sorgen für Empörung. Doch der Imam fühlt sich falsch verstanden.

Kölner Imam gibt Frauen die Schuld: Nachrichtenbeitrag auf N24.de. (Youtube/Angela Maier)


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Ein Interview des Kölner Imam Sami Abu-Yusuf mit dem russischen Fernsehsender Ren-TV löst in sozialen Netzwerken und in der Politik Entrüstung aus.

Zu den massenhaften Übergriffen auf Frauen in der Silvesternacht wird Abu-Yusuf laut «Bild» von dem TV-Sender mit den Worten zitiert: «Einer der Gründe, weswegen muslimische Männer Frauen vergewaltigten oder belästigten, ist, wie sie gekleidet waren. Wenn sie halb nackt und parfümiert herumlaufen, passieren eben solche Dinge. Das ist wie Öl ins Feuer giessen!»

Grünen-Politiker Beck erstattet Anzeige gegen Abu-Yusuf

Der Grünen-Politiker Volker Beck verurteilte Abu-Yusufs mutmassliche Äusserungen auf Twitter als «Menschenverachtung». Beck hat wegen der Äusserungen Strafanzeige gegen Abu-Yusuf gestellt. Beck beruft sich dabei auf Paragraph § 111 des Strafgesetzbuches (Öffentliche Aufforderung zu Straftaten).

In einem Interview mit dem Kölner Express behauptet der Imam inzwischen, seine Äusserungen seien aus dem Zusammenhang gerissen worden. «Es waren Frauen leicht bekleidet und sie trugen Parfüm, als sie durch die betrunkene Menge liefen», sagte er darin.

«Das war für einige Nordafrikaner Anlass, die Frauen zu begrapschen. Das heisst aber nicht, dass ich glaube, dass Frauen sich nicht so kleiden dürfen. Jeder hat das zu akzeptieren. Und wem das nicht passt, der muss in ein anderes Land gehen. Das ist die Wahrheit.»

Ein Kontaktbeamter der Polizei, der bei dem Gespräch dabei war, fügte laut Kölner Express hinzu: «Ich kenne diese Leute und wir sind im ständigen Dialog. Es handelt sich um eine gemässigte und orthodoxe Gemeinde. Sie verurteilten die Taten auch bereits in ihrem Freitagsgebet.»

25 der 30 Verdächtigen aus Marokko und Algerien

In Köln werden derzeit von der 140-köpfigen Ermittlungsgruppe «Neujahr» nach Stand vom 18. Januar 821 angezeigte Straftaten bearbeitet. In 359 Fällen handele es sich um Sexualdelikte. Man habe 1049 Personen als Opfer erfasst, darunter 482 Opfer von Sexualstraftaten. Zudem gehe es um Eigentumsdelikte, Raub und Körperverletzung.

Der Verdacht richtet sich in Köln laut Bericht gegen 30 Personen. «Alle bisher ermittelten Tatverdächtigen sind nicht deutscher Nationalität.» 15 Verdächtige sind laut Bericht Asylbewerber, elf halten sich vermutlich illegal in Deutschland auf, zwei sind minderjährige unbegleitete Flüchtlinge, und zwei haben eine Aufenthaltsgenehmigung. Von den 30 Verdächtigen stammen 25 aus Marokko und Algerien. ((«Die Welt»/mak))

Erstellt: 22.01.2016, 09:28 Uhr

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