60'000 Dollar für ein nutzloses Plastikstück

Aktualisiert am 23.01.2010

Eine britische Firma hat für teures Geld 1500 Detektoren in den Irak geliefert, die Sprengstoff aufspüren sollten. Doch die Geräte sind absolut nutzlos – und gefährden so Leben.

So nützlich wie eine «Wünschelrute»: Ein irakischer Polizist mit dem Detektor.

So nützlich wie eine «Wünschelrute»: Ein irakischer Polizist mit dem Detektor.
Bild: Reuters

Eine britische Firma hat offenbar mehr als 1500 völlig nutzlose Sprengstoffdetektoren an den Irak verkauft und damit nicht nur Millionen verdient, sondern auch das Leben hunderter Menschen aufs Spiel gesetzt. Die britische Regierung hat den Verkauf des Gerätes ADE651 inzwischen verboten, nachdem der Sender BBC den Skandal am Freitag enthüllt hatte.

Die Reporter liessen den Detektor, der an hunderten irakischen Kontrollpunkten eingesetzt wird, in einem Labor in Cambridge untersuchen. Der schockierende Befund: Der eingebaute Sensor war nichts anderes als eine Diebstahlsicherung, wie sie in Kaufhäusern eingesetzt wird. Für die Suche nach tödlichen Sprengfallen sei das Gerät so hilfreich wie eine «Wünschelrute», sagte ein BBC-Reporter.

60'000 Dollar pro Detektor

«Tests haben gezeigt, dass die Technologie nicht für das Aufspüren von Bomben geeignet ist», erklärte die zuständige Behörde. Der Verkauf des Gerätes an den Irak sowie an Afghanistan wurde untersagt, um das Leben britischer Soldaten nicht zu riskieren.

Eine Lizenz benötigte die Firma ATSC für den Handel mit den bis zu 60'000 Dollar teuren Detektoren nicht, da es sich nicht um militärisches Gerät handelt. Deswegen wurde die Technologie auch zuvor nie von Experten auf ihre Tauglichkeit untersucht. Erste Bedenken wurden allerdings schon im November bekannt. Damals hatte die «New York Times» berichtet, die US-Streitkräfte bezweifelten den Nutzen der Geräte.

Die britische Nachrichtenagentur PA meldete am Samstag, der Chef von ATSC sei festgenommen und gegen Kaution wieder freigelassen worden. Er stehe unter dem Verdacht des Betrugs durch Falschdarstellung.

Im Irak nicht aus Verkehr gezogen

Trotz der festgestellten Untauglichkeit bleiben die Geräte im Irak aber zunächst im Einsatz. Sie hätten «dazu beigetragen, mehr als 16'000 Sprengsätze aufzuspüren», erklärte Innenminister Dschawad al Bolani im Staatsfernsehen. Mehr als 733 Autobomben seien damit entdeckt worden.

Es gebe einen scharfen Wettbewerb auf dem Markt derartiger Sicherheitstechnologie, und die Firmen würden versuchen, die Produkte der Konkurrenten als nutzlos darzustellen, sagte er weiter. Die Effizienz von ADE651 hänge davon ab, wie gut die Nutzer damit umgehen könnten. Es besteht aus einer Ausziehantenne, die an einem Griff befestigt ist. Laut Beschreibung soll sie schon aus der Entfernung bei Sprengstoff anschlagen. (oku/ddp)

Erstellt: 23.01.2010, 18:11 Uhr

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