Ausland
Afghanischer Frauenrechtler muss aus dem Land fliehen
Von Ignaz Staub. Aktualisiert am 08.09.2009
Nach 20 Monaten im Gefängnis ist Sayed Pervez Kambaksh erneut ein freier Mann. Doch der 24-Jährige hat Afghanistan aus Sicherheitsgründen verlassen müssen und lebt an einem geheimen Ort irgendwo in Europa. Sonst wäre zu befürchten, dass ihm religiöse Fundamentalisten nach dem Leben trachteten. Jedenfalls haben radikale Islamisten wiederholt seine Hinrichtung gefordert und äusserst ungehalten reagiert, als eine Berufungsinstanz im vergangenen Oktober das ursprüngliche Todesurteil eines Schnellgerichts in eine 20-jährige Haftstrafe umwandelte.
«The Independent» startete Unterschriftensammlung
Der Freilassung von Sayed Pervez Kambaksh vor zwei Wochen sind dem Vernehmen nach intensive diplomatische Bemühungen vorausgegangen. Die britische Tagesszeitung «The Independent» startete im Januar 2008 nach seiner Verurteilung eine Unterschriftensammlung, welche die Freilassung des Studenten forderte. Bis im folgenden Mai hatten über 100'000 Leserinnen und Leser die Petition unterzeichnet. Es war auch ein Korrespondent des Londoner Blatts, der den Fall Kambaksh seinerzeit öffentlich gemacht hatte und nun am Montag aus Kabul über die überraschende Begnadigung des Studenten berichtete.
Der junge Afghane, schreibt Kim Sengupta, habe sich vor seiner Abreise erleichtert gezeigt, wieder auf freiem Fuss zu sein. Gleichzeitig aber habe er zutiefst bedauert, seine Familie und sein Land wohl nie wieder sehen zu können.
Ein religiöses Gericht in Mazar-i-Sharif klagte Sayed Pervez Kambaksh im Januar 2008 wegen Gotteslästerung an. Er hatte aus dem Internet einen Bericht heruntergeladen und weiterverbreitet, dessen Autor zum Schluss kam, dass religiöse Fundamentalisten den Koran falsch auslegen würden, wenn sie behaupteten, das heilige Buch der Muslime toleriere die Unterdrückung von Frauen.
Der «blasphemische» Internet-Report fragte unter anderem, weshalb Männer im Islam vier Frauen haben dürfen, Frauen aber ein vergleichbares Recht nicht zusteht. Nach lediglich vierminütiger Verhandlung verkündete damals das Tribunal in Mazar-i-Sharif, es habe den Angeklagten zum Tode verurteilt. Rechtsbeistand gab es im Prozess keinen.
Im Geheimen begnadigt
Dem «Independent» zufolge hat Hamid Karzai Sayed Pervez Kambaksh im Geheimen begnadigt – kein leichter Entscheid für den afghanischen Präsidenten, der damit den Zorn religiöser Fundamentalisten auf sich zieht. Karzai sieht sich aber auch dem Druck der internationalen Gemeinschaft ausgesetzt, welche die Verletzung der Menschenrechte in Afghanistan wiederholt gegeisselt hat: Die Uno wie die EU kritisierten den Urteilsspruch des religiösen Tribunals. Indes steht noch nicht fest, ob der Paschtune am 20. August ein zweites Mal zum Präsidenten gewählt worden ist. Die Stimmenauszählung dauert an. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 08.09.2009, 06:40 Uhr
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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.
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