Ausland
«Ambulanzen wurden gezielt angegriffen»
Viel Arbeit im Operationssaal: Der norwegische Arzt Mads Gilbert.
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Der 61-jährige Mads Gilbert aus Norwegen ist einer der beiden einzigen westlichen Ärzte, die sich derzeit im Gazastreifen aufhalten. Mit seinem norwegischen Arztkollegen behandelt er Verletzte, deren Zahl laufend höher wird. Er arbeitet rund um die Uhr. «Wir amputieren am laufenden Band», sagt Gilbert in einem Interview mit der «Süddeutschen Zeitung». «Die Korridore des Spitals sind voll mit Verstümmelten. Ich kann die Zahl der Amputationen nicht mehr zählen.» Der norwegische Arzt schildert schlimme Schicksale: «Einem Kind habe ich eine Hand amputiert - das Kind verlor elf Familienmitglieder. Wir behandeln auch ein neun Monate altes Baby, dessen ganze Familie von Israeli getötet wurde.»
Die letzten zwei Tage seien sehr hart gewesen, sagt der 61-jährige Arzt, das Schifa-Spital in Gaza-Stadt stosse zunehmend an seine Grenzen. An einem Tag seien 210 Verletzte eingeliefert worden, davon seien 35 Menschen in der Notaufnahme gestorben. Die Arbeitsbedingungen seien äussert schwierig, erklärt Gilbert weiter. Bei den Kämpfen, die zunehmend in dicht besiedelten Wohngebieten stattfinden, werden gemäss Aussagen des norwegischen Arztes nicht einmal die Rettungsdienste und das Medizinpersonal geschont. «Zwei Ambulanzen wurden getroffen, und zwei Pfleger wurden getötet», erzählt Gilbert, «sie wurden gezielt angegriffen».
Bei den Patienten macht Gilbert als Arzt keine Unterschiede: «Wir behandeln hier jeden: Wir würden auch israelische Soldaten und Hamas-Kämpfer versorgen.» Unter den mehreren hundert Patienten, die er gesehen habe, seien nur zwei Hamas-Kämpfer gewesen.
Gesundheitssystem bricht zusammen
Gemäss Meldungen von Nachrichtenagenturen sind in den vier Tagen, seit die Bodenoffensive der israelischen Armee in Gang ist, mehr als 500 Menschen im Gazastreifen getötet worden. Die Zahl der Verletzten ist auf über 2500 angestiegen. Angesichts der anhaltenden israelischen Militäroffensive bezeichnet die Uno die humanitäre Lage im Gazastreifen als «zunehmend beängstigend». Das Gesundheitssystem drohe zusammenzubrechen. Und die Lage verschlimmere sich mit jedem Tag, an dem die Kämpfe weitergingen. (vin)
Erstellt: 06.01.2009, 12:19 Uhr
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