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Angriff auf die Uno: Es waren Phosphorbomben

Die Stadt Gaza erlebt die schwersten Angriffe seit Beginn des Krieges. Israelische Panzer dringen erstmals tief in ein Wohnviertel der Hauptstadt vor. Laut Augenzeugen kam es zu erbitterten Kämpfen.

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Die israelischen Truppen beginnen mit dem Abzug aus Gaza.
Bild: Keystone

   

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Phosphorbombe

Eine Phosphorbombe ist eine Brandbombe, die ein Gemisch aus weissem Phosphor und Kautschuk enthält.

Neben der Brandwirkung und den schwer heilenden Verletzungen, die ein Hautkontakt schon bei geringen Mengen verursacht, sind weisser Phosphor und seine Dämpfe hochgiftig.

Eine mit Phosphor in Kontakt gekommene Person wird versuchen, die brennenden Stellen auszuschlagen. Da der Phosphor jedoch mit einer Kautschukgelatine versetzt ist, bleibt die zähflüssige Masse an der bis dahin noch nicht brennenden Hand haften und wird so weiter verteilt. Weisser Phosphor erzeugt in der Regel drittgradige Verbrennungen, zum Teil bis auf den Knochen.
Der Einsatz von Brandwaffen gegen Zivilpersonen bzw. in einer Art und Weise, in der es leicht zu sogenannten «Kollateralschäden» kommen kann, ist entsprechend dem Verbot von unterschiedslosen Angriffen in den Zusatzprotokollen von 1977 zu den Genfer Abkommen von 1949 verboten, nicht jedoch ihr Einsatz im Allgemeinen.

Quelle: Wikipedia



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Der Krieg im Gazastreifen gerät ausser Kontrolle: Auch ein Medienzentrum in der Hauptstadt wurde getroffen (Quelle: Reuters).

Die israelische Armee beschoss auch das Hauptquartier des Uno-Hilfswerks für palästinensische Flüchtlinge (Unrwa), ein Spital sowie ein Gebäude, in dem internationale Medien untergebracht sind. Nach Angaben von Uno-Mitarbeitern kamen dort Phosphorgranaten zum Einsatz, die schwere Verbrennungen verursachen. Unrwa-Sprecher Chris Gunness sagt: «Wir können die Brände wegen dem weissen Phosphor nicht mit traditionellen Methoden löschen. dazu braucht es Sand, wir haben aber keinen Sand.»

Fehler eingeräumt

Uno-Generalsekretär Ban Ki-moon erklärte sich an einer Medienkonferenz in Tel Aviv empört über den Beschuss des Unrwa- Hauptquartiers, bei dem auch mehrere tausend Tonnen Lebensmittel vernichtet wurden. Der israelische Verteidigungsminister Ehud Barak habe ihm gegenüber eingeräumt, dass der Beschuss ein «schwerer Fehler» gewesen sei.

Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert wies militanten Palästinensern die Verantwortung zu. Israelische Truppen seien aus dem Uno-Hauptquartier heraus angegriffen worden und hätten daraufhin hart reagiert, sagte er. «Die Folgen sind sehr traurig und wir entschuldigen uns dafür.»

Das Unwra versorgte hunderttausende Palästinenser im isolierten Gazastreifen mit Hilfsgütern. «Das ist eine Katastrophe für uns», sagte der Unwra-Leiter in Gaza, John Ging. Der Uno-Mitarbeiter, der auf dem Gelände war, wies die Darstellung der Israelis zurück, sie seien aus dem Gebäude beschossen worden. Das sei «Unsinn», erklärte er. Auch in der Nähe einer Uno-Schule in einem anderen Stadtteil schlug eine Granate ein, hier wurden 14 Menschen verwundet. Nach Angaben palästinensischer Ärzte kamen am Donnerstag mindestens 70 Menschen ums Leben.

Schweiz verurteilt Angriff

Die Schweiz hat den Beschuss des Uno-Hauptquartiers, des El-Kuds-Spitals sowie von Medienbüros im Gazastreifen «in aller Deutlichkeit» verurteilt. Die humanitäre Hilfe und die medizinische Versorgung werde so verunmöglicht.

Seit Ausbruch der Militäroperationen hätten israelische Streitkräfte bereits mehrmals Schulen und humanitäre Einrichtungen im Gazastreifen bombardiert, hielt das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) fest. Damit werde das humanitäre Völkerrecht verletzt.

Zehntausende auf der Flucht

Etwa 40’000 Einwohner waren nach Uno-Angaben auf der Flucht und versuchten, etwa in Uno-Schulen oder Gebäuden von Hilfsorganisationen Schutz zu finden. Nach palästinensischen Quellen starben seit Kriegsbeginn über 1060 Menschen, darunter gemäss dem Uno-Kinderhilfswerk Unicef auch 300 Kinder.

Die Zahl der Verletzten wird mit über 5000 angegeben. Ein französischer Arzt sagte, in den überfüllten Spitälern mangle es zunehmend an Medikamenten und Nahrungsmitteln.

Auch Südisrael wurde am Donnerstag erneut vom Gazastreifen aus beschossen. Nach israelischen Medienberichten wurden in der Stadt Beerschewa sechs Israeli verletzt, darunter ein sechsjähriger Knabe.

Ringen um Waffenstillstand

Trotz der verstärkten Angriffe erwartet Uno-Generalsekretär Ban eine Waffenruhe «in absehbarer Zeit». Auch andere Diplomaten erklärten, der intensive Beschuss Gazas könnte auf ein baldiges Ende der Kämpfe hindeuten. Israel versuche offenbar, militärisch noch möglichst viel zu erreichen.

Zu den Politikern, die sich in Tel Aviv um eine Waffenruhe bemühen, gehört auch der deutsche Aussenmnister Frank-Walter Steinmeier. «Ich habe den Eindruck, dass man auch in Israel weiss, dass wir zu einem Ende der Kampfhandlungen kommen müssen», sagte er nach einem Treffen mit seiner israelischen Amtskollegin Zipi Livni.

Israelischer Unterhändler in Kairo

Auch in Ägypten gehen die Bemühungen um einen Waffenstillstand weiter. Der israelische Unterhändler Amos Gilad sprach in Kairo mit ägyptischen Regierungsvertretern über die Bedingungen für eine Waffenruhe. Dabei gaben die Ägypter dem Vernehmen nach die Bedingungen der Hamas für eine Waffenruhe weiter.

Dabei soll die Hamas eine Feuerpause von sechs bis zwölf Monaten angeboten haben. Das Hamas-Politbüromitglied im Exil Mohammed Nassal sagte dem Sender Al-Arabija, seine Organisation werde keinesfalls auf die israelische Forderung nach einer unbegrenzten Waffenruhe eingehen.

Das israelische Militär rief unterdessen ein Spezialteam für den Wiederaufbau im Gazastreifen nach einer eventuellen Waffenruhe ins Leben. Der Kommandant der Süd-Streitkräfte, General Joav Galant, habe einen entsprechenden Befehl erteilt, teilte das Militär am Donnerstag mit. (bru/sda/ap/)

Erstellt: 15.01.2009, 21:28 Uhr

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