Augenzeugen: Dramatische Szenen – teils zögernde Polizisten

Journalisten der Agentur AFP haben Berichte von Demonstranten in der iranischen Hauptstadt gesammelt. Viele Milizionäre schlugen brutal zu, andere scheinen sich mit der Bewegung solidarisch zu fühlen.

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Erschreckende Geräusche aus Teheran

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Ein Amateurvideo dokumentiert den Schrecken (Quelle: CNN / Youtube).

Der Demonstrant ist zerschunden und erschöpft. «Ich höre immer noch die Schreie der Frauen, und mein ganzer Körper tut mir weh», erzählt er. Er und andere Augenzeugen berichten von Schlagstöcken, Stahlkabeln und kochend heissem Wasser.

Das sind die Waffen, welche die iranische Staatsmacht gegen die Protestler in Teheran einsetzt. Die Angaben zu überprüfen ist nicht möglich. AFP darf ebensowenig wie andere ausländische Medien aus direkter eigener Anschauung über die Kundgebungen und die Gewalt auf den Strassen der iranischen Hauptstadt berichten.

Der Zug wurde immer grösser

«Brutal» seien die iranischen Sicherheitskräfte, berichten die Menschen übereinstimmend. Der Demonstrant, der wie alle anderen Augenzeugen aus Angst anonym bleiben will, erzählt von seinen Erlebnissen am Samstag:

«Wir sind auf dem Bürgersteig des Enkelab-Platzes gegen vier Uhr nachmittags losgegangen und dann rund eine Stunde lang ruhig die Asadi-Allee entlanggegangen. Immer mehr Menschen haben sich uns angeschlossen. Wir waren ungefähr tausend.»

In Seitenstrassen abgefangen

Die Protestler widersetzten sich damit dem landesweiten Demonstrationsverbot. Die Asadi-Allee verbindet den Enkelab- mit dem Asadi-Platz, den zentralen Orten der Kundgebungen in den vergangenen Tagen.

Dann sei es losgegangen: «Sicherheitsleute auf Motorrädern haben uns eingekreist und brutal auf uns eingedroschen. Als wir weggerannt sind, haben die Bassidsch-Milizionäre mit ihren Schlagstöcken schon in den Seitenstrassen auf uns gewartet.

Hilfe der Bevölkerung

Aber die Anwohner haben uns die Türen geöffnet und uns reingelassen, wenn wir in einer Sackgasse steckten», berichtet der Mann weiter. Kaum in Sicherheit vor Polizei und den Bassidsch- Milizionären hätten die Demonstranten sich neu formiert und «Tod dem Diktator» gerufen.

Die Milizionäre gehören einer Einheit der Revolutionsgarden an. Sie patrouillierten nach anderen Angaben vor allem auf Motorrädern und waren ausser mit Schlagstöcken auch mit Eisenstangen und Stahlkabeln bewaffnet. Zudem habe die Polizei mit Einsatz von Tränengas zu verhindern versucht, dass sich die Demonstranten in den Seitenstrassen der Asadi-Allee neu formieren.

Milizionäre zögern

Der Demonstrant berichtet über grosse Sympathien und Unterstützung: «Die Leute, die in Autos vorüberfuhren, haben uns zugehupt, und die Menschen in den Bussen haben uns zugewunken.» Ein Bassidsch, der nicht wie die anderen zugeschlagen habe, habe gefragt: «Warum bist Du hier? Du siehst doch gar nicht aus wie ein Randalierer.»

Ein anderer Augenzeuge berichtet von Schüssen. «Auf der Strasse war viel Blut. Ich glaube, wir können davon ausgehen, dass viele gestorben sind oder sterben werden. Wir haben schwer Verletzte gesehen, die ins Spital gebracht wurden.»

«Die stellen keine Fragen»

Das staatliche Fernsehen veröffentlicht am Sonntag die blutige Bilanz: Zehn Menschen starben demnach bei den Strassenschlachten, mehr als hundert wurden verletzt.

Eine junge Studentin sagt über das Vorgehen der Sicherheitskräfte: «Die stellen keine Fragen. Sie schlagen jeden und alles, was in Richtung Enkelab-Platz geht.» Die Polizei habe Wasserwerfer mit kochend heissem Wasser eingesetzt.

Polizeiposten angezündet

Auch von Seiten der Demonstranten kam nach Angaben einiger Augenzeugen Gewalt: Sie hätten Bassidsch-Milizionäre von ihren Motorrädern gezerrt und geschlagen, Steine auf Polizisten geworfen und Mülleimer in Brand gesteckt.

Rund um den Asadi-Platz seien Eisengitter entlang der Strassen niedergerissen worden, der Asphalt sei teilweise bedeckt mit Steinen. Demonstranten seien auf Polizeiposten und Busse losgegangen und hätten sie in Brand gesteckt.

Die ganze Welt soll das sehen

Der Demonstrant von der Asadi-Allee hofft, dass das brutale Vorgehen der Staatsmacht letztendlich vielleicht ihr Gutes haben könnte: «Es könnte unserer Bewegung helfen, dass sie diese Rohheiten am helllichten Tag begehen, wenn alle es sehen können.» (Jay Deshmukh/AFP)

Erstellt: 21.06.2009, 15:50 Uhr

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