Ausland
Auslöser der tunesischen Revolution wird posthum gewürdigt
«Time»-Magazin kürt Demonstranten zur Persönlichkeit des Jahres
Die Persönlichkeit des Jahres hat für das «Time»-Magazin 2011 keinen Namen: Die US-Zeitschrift entschied sich bei ihrer traditionellen Wahl am Mittwoch für den anonymen Demonstranten und ehrte damit die Menschen, die von den Protesten in der arabischen Welt bis zur Occupy-Bewegung in New York auf die Straße gegangen sind. «Der Protest hat etwas Ansteckendes», sagte «Time»-Chefredakteur Richard Stengel. «Das sind Leute, die bereits Geschichte geschrieben haben und die auch in Zukunft Geschichte schreiben werden.» Auf dem Titelbild der Ausgabe, die ab Freitag an den Kiosken ausliegt, ist eine arabische Demonstrantin zu sehen, deren Gesicht von einem goldenen Tuch verhüllt ist. Nach Angaben des Magazins setzte sich der Demonstrant bei der Abstimmung in der Redaktion gegen Kandidaten wie den chinesischen Dissidenten Ai Weiwei und US-Admiral William McCraven durch, der die Mission zur Tötung von El-Kaida-Chef Osama bin Laden geleitet hatte. Im vergangenen Jahr hatte «Time» den Gründer des sozialen Netzwerks Facebook, Mark Zuckerberg, als Persönlichkeit des Jahres auf den Titel gehoben. (sda)
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Seine Selbstverbrennung erzeugte viel Aufmerksamkeit: Mohamed Bouazizi. (Bild: Keystone )
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Für ihren Einsatz zugunsten von Demokratie und Freiheit sind fünf Vertreter des «arabischen Frühlings» mit dem diesjährigen Sacharow-Preis für Meinungsfreiheit des Europaparlaments ausgezeichnet worden. Damit würden die Anstrengungen aller gewürdigt, die in der arabischen Welt mutig für Freiheit und politischen Wandel eingetreten seien, sagte der Präsident der EU-Volksvertretung, Jerzy Buzek, am Mittwoch bei der feierlichen Preisverleihung in Strassburg.
Entgegengenommen wurde die Auszeichnung von der 26-jährigen ägyptischen Bloggerin Asmaa Mahfus und dem 77 Jahre alten libyschen Dissidenten Ahmed al-Subair Ahmed al-Sanusi. Die in Syrien untergetauchte Frauenrechtsaktivistin Rasan Saituneh und der in Kuwait im Exil lebende syrische Karikaturist Ali Farsat konnten nicht zu der Preisverleihung kommen. Der fünfte Preisträger ist der tunesische Strassenhändler Mohamed Bouazizi, der mit seiner Selbstverbrennung vor einem Jahr die ersten Aufstände ausgelöst hatte. Er erhielt die Auszeichnung posthum.
«Zweimal gestorben»
Bouazizi sei gestorben, weil ihm ein Leben in Würde verweigert worden sei, sagte Buzek. Damit hätten in Tunesien die ersten Volksaufstände begonnen. Viele Menschen in der arabischen Welt hätten bei ihrem Kampf für Freiheit das Leben verloren. «Und in Syrien geht dieser Kampf weiter.» Demonstranten würden verhaftet und gefoltert, mehr als 5000 seien getötet worden, unter ihnen rund 300 Kinder. «An sie alle denken wir nun», sagte Buzek.
«Dies ist ein Preis für die arabische Welt», sagte Asmaa Mahfus, die auf ihrem Blog zur Teilnahme an den Demonstrationen in Kairo aufgerufen hatte. Die Auszeichnung sei auch der Beginn «neuer Beziehungen zwischen Europa und den arabischen Ländern». Stereotypische Vorstellungen von der arabischen Welt hätten diese Beziehungen allzu lange belastet, sagte Mahfus unter anhaltendem Applaus der Abgeordneten.
31 Jahre im Gefängnis
Ahmed al-Subair Ahmed al-Sanusi rief die internationale Gemeinschaft auf, seinem Land zu helfen. Viele Städte in Libyen seien während der Kämpfe zwischen Ghadhafi-Truppen und Aufständischen zerstört worden, sagte der 77-Jährige, der heute Mitglied des nationalen Übergangsrats in Libyen ist. Viele Staaten hätten den ehemaligen Machthaber Muammar al-Ghadhafi lange unterstützt, vor allem aus wirtschaftlichen Gründen. Doch dann habe Europa den Aufständischen geholfen. Dafür sei er dankbar. «Nur so konnte das Regime nach 40 Jahren gestürzt werden.
Er selbst habe 31 Jahre im Gefängnis verbracht, darunter neun Jahre in Einzelhaft, berichtete der libysche Aktivist. Er sei oft gefoltert worden und habe keine ärztliche Behandlung erhalten. Dennoch habe er die Hoffnung nie aufgegeben. Der arabische Frühling habe gezeigt, dass Völker, die für ihre Freiheit kämpfen, letztlich siegen.
Der heute mit 50'000 Euro dotierte und nach dem sowjetischen Dissidenten Andrej Sacharow benannte Preis wird seit 1988 an Menschen und Organisationen verliehen, die sich besonders mutig für Menschenrechte und Meinungsfreiheit einsetzten. Zu den früheren Preisträgern gehörten unter anderen der Apartheidgegner und spätere Staatschef von Südafrika, Nelson Mandela, der Vater des Prager Frühlings, Alexander Dubcek, die burmesische Oppositionspolitikerin Aung San Suu Kyi und der inhaftierte chinesische Bürgerrechtsaktivist Hu Jia. In den beiden vergangenen Jahren ging der Preis an die russische Menschenrechtsorganisation Memorial und den kubanischen Dissidenten Guillermo Fariñas.
(mrs/AFP)
Erstellt: 14.12.2011, 14:25 Uhr
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