Ausland

Bombenterror vor der Wahl im Irak

Aktualisiert am 06.03.2010

Am Tag vor der Parlamentswahl sind bei einem Autobomben-Anschlag in der Stadt Najaf mindestens drei Menschen getötet worden. Zahlreiche Soldaten die Sicherheit im Land gewährleisten.

Aufmarsch in Sadr-City: Soldaten sichern ein Wahllokal in dem ärmlichen Stadtteil von Bagdad.

Aufmarsch in Sadr-City: Soldaten sichern ein Wahllokal in dem ärmlichen Stadtteil von Bagdad.
Bild: Keystone

Nach Angaben eines Polizeisprechers explodierte der Sprengsatz am Samstag in der Nähe eines Busses mit schiitischen Pilgern. Bei den Todesopfern handle es sich um einen Iraker und zwei Iraner. Mehr als 50 Menschen wurden bei dem Anschlag verletzt. Bereits in den vergangenen Tagen waren bei einer Serie von Anschlägen in mehreren irakischen Städten Dutzende Menschen getötet worden.

Eine Terrorzelle von al-Qaida drohte den Wählerinnen und Wählern am Freitag mit Anschlägen. Wer am Sonntag das Haus verlasse, «setzt sich dem Zorn Allahs und dann den Waffen aller Art der Heiligen Krieger aus», hiess es in einer im Internet veröffentlichten Erklärung des Führers der Gruppe Islamischer Staat des Iraks, Abu Omar al-Baghdadi.

6200 Kandidaten für 325 Mandate

Die ersten Wähler gaben schon vor der allgemeinen Abstimmung ihre Stimme ab. Am Donnerstag konnten bereits mehrere hunderttausend Menschen wählen, unter ihnen Häftlinge, Krankenhauspatienten – und auch sämtliche Sicherheitskräfte, die am Sonntag für einen friedlichen Verlauf der Wahl sorgen sollen.

Dann sind insgesamt fast 19 Millionen Iraker aufgerufen, ein neues Parlament und damit eine neue Regierung für ihr Land zu bestimmen. Um die 325 Parlamentssitze bewerben sich etwa 6200 Kandidaten.

Schiitische Hardliner gegen Gemässigte

Die Abstimmung wird darüber entscheiden, ob der Irak künftig dem wachsenden Machtfaktor Iran zuzurechnen sein wird oder sich zu einer eigenständigen Kraft in der Region entwickelt. 2012 sollen die letzten US-Soldaten abgezogen sein. Während Teheran bereitsteht, sorgen sich regionale Mächte wie Israel, Saudiarabien und die Türkei um eine Machtverschiebung zugunsten der Mullahs.

Eine Koalition aus schiitischen Hardlinern mit engen Kontakten nach Teheran – die Irakische Nationalallianz – will die Vorherrschaft erringen und den Ministerpräsidenten stellen. Ihr stellen sich gemässigt-religiöse und sunnitische Parteien entgegen.

Zu ihnen zählt auch die Allianz des ehemaligen Regierungschefs Ajad Allawi. Der gemässigte Schiit könnte auch Sunniten für sich gewinnen. Der amtierende Regierungschef Nuri al-Maliki steht für einen Mittelweg zwischen säkularer und religiös beeinflusster Politik. (raa/ddp)

Erstellt: 06.03.2010, 22:50 Uhr

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