Ausland

Das heimtückische Tränengas vom Tahrir-Platz

Aktualisiert am 22.11.2011

Atemnot, Zusammenbrüche und sogar Todesopfer: Die Aktivisten in Kairo sind überzeugt, dass die ägyptischen Sicherheitskräfte stärkeres Tränengas verwenden, als noch im Januar.

1/40 Nicht nur die Soldaten, auch mehrere Demonstranten gebärden sich aggressiv: Maskierter Jugendlicher in Kairo. (20. Dezember 2011)
Bild: Keystone

   

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Made in USA: Ein Mann in Kairo zeigt auf die Aufschrift einer Gas-Granate. (22. November 2011) (Bild: Keystone )

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Sie bieten viele kleine Déjà-Vus, die Bilder, welche derzeit aus Kairo um die Welt gehen. Wie schon im Januar strömen tausende Menschen auf den symbolbeladenen Tahrir-Platz im Zentrum von Ägyptens Hauptstadt. Während der Zorn der Demonstranten damals dem Mubarak-Regime galt, richtet er sich seit ein paar Tagen gegen den Militärrat, der das Land seit dem Sturz des einstigen Präsidenten lenkt. Die Gewalt, mit der das Militär die Protestierenden zu vertreiben versucht, ist indes unverändert heftig geblieben.

Mit Schlagstöcken, Gummigeschossen und Tränengas gehen die Sicherheitskräfte gegen die Menschen in Kairo vor. Dabei sorgt besonders der Einsatz von Reizgas für Diskussionen, schreibt das Nachrichtenmagazin «Spiegel». Demonstranten berichteten auf verschiedenen Internetportalen, das eingesetzte Gas sei ein Vielfaches stärker als noch im Januar.

Welches Gas wird eingesetzt?

Ein Augenzeuge schrieb auf Twitter: «Viele sind durch das Inhalieren des Gases bewusstlos geworden.» Sogar Leute am Rande des Tahrir-Platzes seien durch die Schwaden kollabiert, berichten andere. Auch gegenüber der englischen Zeitung «The Guardian» äussern Zeugen der Strassenschlachten die Vermutungen, dass es sich um ein aggressiveres Tränengas handelt: «Es ist stärker, verbrennt dir das Gesicht und gibt dir das Gefühl, dein ganzer Körper werde blockiert.» Auch tauchen erste unbestätigte Medienberichte auf, wonach bereits drei Menschen durch das Inhalieren des Gases gestorben seien.

Während die einen Aktivisten berichten, dass selbst essiggetränkte Stofftücher keinen Schutz mehr vor dem Gas bieten, diskutieren andere bereits darüber, um welche Art Reizgas es sich handeln könnte. Einige Demonstranten vermuten, dass die ägyptische Armee nicht das weltweit eingesetzte CS-Gas einsetzt, sondern das gesundheitsgefährdende CR-Gas.

Gas aus den USA

Gegen letztere Vermutung spricht allerdings die Herkunft des Gases. Wie der «Guardian» berichtet, stammen Teile der in Kairos Zentrum eingesetzten Kanistern nämlich aus US-Produktion. Konkret setzten die Sicherheitskräfte Fabrikate der amerikanischen Firma Combined System Inc. ein. Der Waffenproduzent aus dem Bundesstaat Pennsylvania belieferte schon das Regime von Tunesiens einstigem Diktator Ben Ali mit CS-Gas-Geschossen. Die Tatsache, dass auf dem Tahrir-Platz amerikanisches Material gegen Demonstranten eingesetzt wird, sei für die Regierung Obama peinlich, zumal diese sich immer wieder hinter Ägyptens Revolutionäre stellte.

Ein Toxikologie-Experte gibt derweil gegenüber der englischen Zeitung zu Bedenken, dass sowohl der Zustand der betroffenen Personen, als auch die Umstände des Gaseinsatzes Einflüsse auf die Wirkung des Stoffes haben können. Studien der US-Armee hätten gezeigt, dass die Auswirkungen von CS-Gas bei einer körperlich aktiven Person einige stärker sein können. Auch sei es ein Unterschied, wie viele Kanister auf wie engem Raum eingesetzt würden.

Die Gruppe Human Rights Watch ist so oder so empört. Hunderte hätten nach den Gaseinsätzen medizinisch behandelt werden müssen, so ein Sprecher in Kairo. Man werde die Kanister auf jeden Fall auf ihren genauen Inhalt untersuchen. (kpn)

Erstellt: 22.11.2011, 20:27 Uhr

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