Ausland
Libanesische Regierung bietet Rücktritt an
Aktualisiert am 20.10.2012 4 Kommentare
Libanon EDA verurteilt Anschlag in Beirut scharf
Die Schweiz verurteilt das Attentat in Beirut, bei dem am Freitag acht Menschen getötet und mehr als 80 verletzt worden waren, «aufs Schärfste». In einer Mitteilung vom Samstag drückt das Eidg. Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus.
Gleichzeitig unterstreicht das EDA «seine Solidarität mit dem Libanon». «In dieser schwierigen und angespannten Situation versichert das EDA die libanesischen Behörden und die libanesischen Bevölkerung seiner Unterstützung und ruft dazu auf, dass alles unternommen wird, um die Einheit zu wahren und die Stabilität sicherzustellen.»
Unter den Toten des Anschlags war am Freitag auch General Wissam al-Hassan, ein Sunnit und hochrangiger Funktionär des libanesischen Geheimdienstes. Der Tod des Generals, der sich «konsequent dem Kampf gegen den Terrorismus» verschrieben habe, sei ist ein grosser Verlust für den Libanon, schreibt das EDA weiter. (sda)
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Nach dem tödlichen Anschlag auf den libanesischen Geheimdienstchef vermutet die Regierung in Beirut eine Verbindung zum Bürgerkrieg in Syrien. Der Angriff von gestern, bei dem Wissam al Hassan sowie sieben weitere Menschen getötet wurden, stehe in Zusammenhang mit den jüngsten Ermittlungen Al Hassans, erklärte Ministerpräsident Nadschib Mikati am Samstag.
Die libanesische Regierung hat indes heute gemäss verschiedenen Nachrichtenagenturen ihren Rücktritt angeboten. Auf Bitten vom Präsident Michel Suleiman bleibe die Ministerrunde für eine Übergangszeit im Amt, teilte Ministerpräsident Nadschib Mikati mit.
Lauter Protest gegen die Regierung
Den ganzen Tag kam es zu Demonstrationen von oppositionellen Kräften: Sie fordern lauthals den Rücktritt der Regierung, der auch Mitglieder der pro-syrischen schiitischen Hizbollah angehören. Die Regierungsgegner machen Syrien für den Anschlag verantwortlich, bei dem am Freitag acht Menschen getötet und 80 verletzt worden waren.
Der Geheimdienstchef hatte Ermittlungen gegen den früheren Informationsminister Michel Samaha geleitet, einen der engsten Verbündeten der syrischen Regierung im Libanon. Samaha wurde am 9. August verhaftet und anschliessend wegen der Planung von Terroranschlägen angeklagt. Nach Angaben aus Polizeikreisen hat er zugegeben, persönlich Sprengstoff von Syrien über die Grenze in den Libanon transportiert zu haben. Neben ihm wurde auch der syrische Geheimdienstchef Ali Mamluk in Abwesenheit angeklagt.
Strassenblockaden und brennende Autoreifen
Die Libanesen reagierten unterdessen mit Trauer und wütenden Protesten auf den Bombenanschlag. Aufgebrachte Menschen besetzten am Samstag zahlreiche Strassen. Sie errichteten Blockaden und zündeten Reifen an. Die Proteste konzentrierten sich nach Behördenangaben vor allem auf mehrheitlich von Sunniten bewohnte Viertel in Beirut, in der südlich gelegenen Stadt Sidon, in Tripoli im Norden sowie in mehreren Städten im Bekaa-Tal im Osten des Landes.
Auch die Verbindungsstrasse zwischen der Innenstadt von Beirut und dem internationalen Flughafen blieb gesperrt, ebenso wie die Autobahn von Beirut nach Syrien. Die Regierung rief einen Tag der Staatstrauer aus.
Syrien verurteilt Anschlag
Die syrische Regierung verurteilte das Attentat indessen scharf. Es sei ein «feiger terroristischer Angriff» gewesen, sagte der syrische Informationsminister Omran al Subi. Die Hizbollah, der engste Verbündete des syrischen Regimes im Libanon, erklärte, sie sei schockiert über das «furchtbare terroristische Verbrechen» und rief die Behörden auf, die Täter zu fassen. Alle politischen Kräfte im Libanon müssten gegen «jeden Verschwörer wider das Leben und die Sicherheit der Nation» zusammenarbeiten.
Auch die USA verurteilten den Anschlag «aufs Schärfste». Die Regierung in Washington habe keine Informationen über die Attentäter, sagte die Sprecherin des Aussenministeriums, Victoria Nuland.
Papst Benedikt XVI. beklagte ebenfalls die Opfer des Bombenanschlags. In einem Kondolenzschreiben sprach er den Familien und allen Libanesen sein Mitgefühl aus. Zugleich verurteilte er die Gewalt und bekräftigte sein Gebet für Frieden und Versöhnung. Das Oberhaupt der katholischen Kirche war im vergangenen Monat zu Besuch im Libanon.
Der führende sunnitische Geistliche im Libanon, Grossmufti Mohammed Raschid Kabbani, sprach von einem kriminellen Angriff auf den Libanon und dessen Bevölkerung. Zugleich rief er die Menschen zur Zurückhaltung auf.
(mrs/sda)
Erstellt: 20.10.2012, 10:03 Uhr
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4 Kommentare
Der viel gepriesene Frühling im Orient, versinkt immer mehr im tiefsten Winter. Wer nicht mitmacht wird vernichtet. Zuviele Waffen in Extremistenhänden können dem Morden zu keinem Ende verhelfen. Es wird Zeit, dass die Kinder im Islam endlich etwas fürs Leben und nicht fürs Sterben lernen. Antworten
Der Libanon ist derart undurchsichtig, dass viele anständige Libanesen schweren Herzens ausgewandert sind. Einst das Paris des Orients, haben Terrorismus Politik und Bürgerkrieg aus den Menschen ganz üble Gesellen gemacht. Wer hinter die Kulissen schaut, der erschrickt ganz gewaltig, dass dieses kleine Land wahrscheinlich keine Zukunft mehr hat. Das sagen selbst grosse libanesische Patrioten nun. Antworten
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