Ausland
Der Mann, der Klartext spricht
Warnung vor Militär-Debatte in Syrien
Die Debatte über eine militärische Intervention in Syrien gefährdet nach Ansicht des künftigen UN-Sondergesandten Lakhdar Brahimi eine diplomatische Beilegung des Konflikts. Er hoffe, dass ein militärisches Eingreifen des Auslandes nicht nötig werde, sagte er der Nachrichtenagentur AP in einem Telefoninterview in Paris.
Er fühle sich «geehrt und berührt», dass er dem bisherigen Gesandten und früheren UN-Generalsekretär Kofi Annan nachfolgen werde. «Ich bin mir bewusst, dass es eine äussert komplizierte und sehr, sehr schwierige Mission ist», sagte Brahimi. Zur Vorbereitung auf seine künftige Arbeit werde er in den kommenden Tagen nach New York und Kairo reisen. (dapd)
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Lakhdar Brahimi ist bei den Vereinten Nationen der Mann für Krisen. In fast einem Dutzend Konfikten hat der Algerier schon vermittelt, von Haiti über den Kongo bis Afghanistan. Nun soll der ehemalige Aussenminister seines Landes als Sonderbeauftragter den Konflikt in Syrien lösen. Dies bestätigte UN-Generalsekretär Ban Ki-moon am Freitag. Brahimis Vorgänger Kofi Annan hatte angesichts der eskalierenden Gewalt in Syrien und der Blockade im UN-Sicherheitsrat das Handtuch geworfen.
Annan und Brahimi kennen sich gut: Für den einstigen UN-Generalsekretär reiste der Algerier zu Krisenmissionen in aller Welt. Von 1997 bis 1999 und nochmals von 2001 bis 2004 vertrat er die UNO in Afghanistan. Unter seiner Vermittlung kam es im Dezember 2001 zu den Petersberger Beschlüssen zum Afghanistan-Konflikt. Auf dem Petersberg bei Bonn brachte Brahimi nach dem Sturz der Taliban eine Koalition aus ehemaligen Kriegsherren, Vertretern ethnischer Gruppen und Vertrauensleuten ausländischer Mächte zusammen, die sich für Afghanistan im Grossen und Ganzen als tragfähig erwies.
Keine seichten Formulierungen
2004 übernahm er wenige Monate nach dem tödlichen Anschlag auf den UN-Beauftragten Sergio Vieira de Mello eine überaus heikle Mission in Bagdad, wo er die Möglichkeit von Wahlen evaluieren sollte. Anschliessend wurde er nach Sri Lanka entsandt, um für die Beibehaltung des Waffenstillstands zwischen der Regierung und den tamilischen Rebellen zu sorgen.
Brahimi ist ein Diplomat, der nicht seichte Formulierungen wählt, sondern Klartext spricht. «Hinter seiner Eleganz und seiner Höflichkeit beeindruckt er dadurch, dass er weiss, was er will», sagte einmal ein ehemaliger Mitarbeiter. Als Annans Beauftragter für den Irak forderte Brahimi die Verurteilung von US-Soldaten nach der Misshandlung irakischer Gefangener und bezeichnete im Juni 2004 den damaligen US-Zivilverwaltungschef Paul Bremer in Bagdad als «Diktator».
Eine Tatsache, keine Meinung
Dass er vor deutlichen Worten nicht zurückschreckt, demonstrierte Brahimi 2004 auch mit einer Bemerkung über Israel. Die Politik der israelischen Regierung sei Gift für die Region, sagte Brahimi damals. Dies sei die persönliche Meinung eines willensstarken Mannes, versuchte ein Sprecher Annans abzuwiegeln. Doch Brahimi setzte nach und beharrte darauf, er habe eine Tatsache und keine Meinung geäussert.
Seine Karriere als Diplomat begann Brahimi nach dem Politik- und Jurastudium in den 50er Jahren als Vertreter der algerischen Nationalen Befreiungsfront (FLN) in Jakarta. Aus dieser Zeit stammen seine Kontakte zu Führern der Blockfreien-Bewegung. Nach der Unabhängigkeit Algeriens wurde er Botschafter seines Landes in Kairo, Khartum und London, von 1991 bis 1993 war er dann Aussenminister. Im Auftrag der Arabischen Liga und der UNO vermittelte er in Libanon, Südafrika, Zaire, Jemen, Liberia, und Haiti.
Ruhestand im 2005
Im Dezember 2005 ging er offiziell in den Ruhestand, war aber schon bald für eine Mission um die sudanesische Krisenregion Darfur im Einsatz. 2009 leitete er eine Expertengruppe, um Empfehlungen zur Sicherheit von UN-Mitarbeitern zu erarbeiten, ausserdem gehört er wie auch der frühere US-Präsident Jimmy Carter oder der südafrikanische Erzbischof Desmond Tutu der von Nelson Mandela ins Leben gerufenen Gruppe «The Elders» an, die sich für den Weltfrieden einsetzt.
Brahimi, der fliessend Arabisch, Englisch und Französisch spricht, gilt als profunder Kenner der internationalen Beziehungen und hat sich bei seinen zahlreichen Kriseneinsätzen den Respekt seiner Verhandlungspartner gesichert. Ob das für die Lösung des blutigen Konflikts in Syrien ausreicht, scheint jedoch äusserst ungewiss. Brahimi jedoch sagte einst: «Noch nie in meiner Karriere habe ich geglaubt, dass eine Situation ohne Hoffnung war, egal, was um mich herum gesagt wurde.» (wid/AFP)
Erstellt: 17.08.2012, 23:48 Uhr
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