Der Mann, der frischen Wind in die Fatah bringen will
Kadura Fares.
Viele sehen in ihm in erster Linie den engen Vertrauten von Marwan Barghouti, dem Kopf der zweiten palästinensischen Intifada. An das Charisma von Barghouti, dem in Israeli inhaftierten Fatah-Führer, reicht das von Kadura Fares auch nicht heran. Er, ein 47-Jähriger mit schmalem Gesicht, Schnurrbart und verschmitzten Augen, besitzt andere Vorzüge. Fares ist nicht korrupt, couragiert und vor allem basisnah. Dies und seine Nähe zu Barghouti haben ihn zum führenden Vertreter der «jungen Garde» werden lassen.
«Überwechseln zu einer neuen Hoffnung»
Am derzeit in Bethlehem stattfindenden 6. Fatah-Kongress ist Fares in Begleitung junger Ex-Mitglieder der Al-Aqsa-Brigaden aufgekreuzt. Offiziell sind die seit einem Jahr aufgelöst. Präsident Mahmoud Abbas hat letzten Sommer mit Israel vereinbart, wer seine Waffen abliefert, wird amnestiert. Ein Einschnitt im Leben eines Kämpfers. Fares weiss das aus eigener Erfahrung. «Nach Jahren der Militanz gelangst du an einen Punkt, wo du überwechseln musst zu einer neuen Hoffnung.» Die heisst für Fares heute: Friedensverhandlungen mit einer Option in der Rückhand. Sollte in Gesprächen mit Israel in absehbarer Zeit nichts zustande kommen, behält er sich vor, wieder zu den Mitteln des Widerstands zu greifen.
Ein kämpferisches Programm. Fares verkörpert es. Ob das reicht für einen Sprung ins Fatah-Zentralkomitee, wird sich zeigen. Frühestens Montag ist mit den Wahlergebnissen zu rechnen. Mehr als für Fares persönlich dürfte für die Fatah davon abhängen. Den Veteranen aus Tunis, der alten Arafat-Riege, mangelt es an Elan, den machthungrigen Nachfolgern aus dem Sicherheitsapparat an Glaubwürdigkeit. Wenn die Fatah die junge palästinensische Generation nicht an die Hamas verlieren will, braucht sie Leute wie Fares. «Wir sind zwar nicht ewig jung», erklärt der 47-Jährige grinsend. «Aber wir vertreten junge Ideen.»
Auf Hoffnung folgte grosse Desillusion
Kadura Fares, der aus Silwad, einem Dorf bei Ramallah, stammt, war früher selbst ein Kämpfer, einer der Tansim. Vier Jahre hat er alles in allem hinter israelischen Gittern verbracht. Wie Barghouti lernte er dort fliessend Hebräisch. Die Entwicklung der beiden verlief auch sonst ähnlich. Die erste Intifada, der Aufstand der Steine, war ihre politische Schulung.
Der Osloer Friedensprozess bescherte ihnen erst Hoffnung auf ein Ende der israelischen Besatzung und dann die grosse Desillusion. Die zweite, bewaffnete Intifada stand für Irrtum und Niederlage. Fares beschönigt das nicht. Er ist lernfähig: Die Genfer Friedensinitiative, ein informeller Entwurf für eine Zwei-Staaten-Lösung, hat er 2003 mit ausgehandelt. Kurze Zeit mischte er auch als Minister in der Autonomie-Regierung mit und sass im Parlament.
Ende 2005, kurz vor den Präsidentschaftswahlen, reichte Kadura Fares, unterstützt von Barghouti, die Wahlliste al-Mustakbal (Zukunft) ein, eine Art Aufbegehren gegen Abbas, wenngleich von kurzer Dauer. Das letzte Mal, dass Fares und Co. das Fatah-Establishment herausfordern, dürfte es nicht gewesen sein. Aber einstweilen sieht er seine Zukunft in der Fatah. «Der Parteitag», sagt er «hat Bewegung in die Fatah gebracht.» (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 09.08.2009, 23:36 Uhr
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