Ausland
«Der Staat Israel steht auf dem Spiel»
Proteste in Israel. (Video: Reuters )
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Mehrere tausend Israelis haben heute Dienstag in einer Stadt nahe Jerusalem gegen die Diskriminierung von Frauen durch ultraorthodoxe Juden demonstriert. Aufgerufen zu der Demonstration in der vorwiegend von strenggläubigen Juden bewohnten Stadt Beit Schemesch hatten säkulare und religiöse Frauenrechtsgruppen.
«Hier steht nicht ein einzelner Stadtteil oder eine bestimmte Buslinie auf dem Spiel, sondern der Charakter des Staates», sagte ein Parlamentarier der linken Meretz-Partei an der Kundgebung. Es stelle sich die Frage, ob Israel ein fortschrittliches und demokratisches Land oder eine abgeschottete und rückständige Gesellschaft sein wolle.
«Israel soll nicht Iran werden»
Demonstranten trugen Schilder mit Aufschriften wie: «Israel soll nicht wie der Iran werden» oder «Die Mehrheit bricht ihr Schweigen». Israels Präsident Shimon Peres hatte seine Landsleute aufgerufen, religiöse Fanatiker in die Schranken zu weisen.
Hintergrund ist der eskalierende Streit um die von den Ultraorthodoxen geforderte Geschlechtertrennung in der Öffentlichkeit. In Beit Shemesh westlich von Jerusalem war es gestern zu gewalttätigen Protesten ultraorthodoxer Juden gekommen. Zuvor hatte die Stadtverwaltung zum dritten Mal in dieser Woche ein von religiösen Fanatikern angebrachtes Schild abgenommen.
Geschlechtertrennung auf Trottoir
Darauf wurden Männer und Frauen aufgefordert, auf den nach Geschlechtern getrennten Trottoirs zu gehen. Die Fanatiker bewarfen die Polizisten mit Steinen und verletzten einen Beamten am Kopf. Auch ein zweiter Vorfall in Beit Shemesh löste hitzige Diskussionen in Israel aus.
In einem Fernsehbericht wurde ein siebenjähriges Mädchen gezeigt, das von ultraorthodoxen Fanatikern auf der Strasse bespuckt wurde, weil es nach Meinung der Täter unschicklich gekleidet war. Peres forderte die Bürger am Dienstag zu einer Gegendemonstration auf.
Israelische Medien berichteten zuletzt wiederholt von Übergriffen auf Frauen, etwa dass Frauen sich weigerten, die in manchen Buslinien geltende Geschlechtertrennung einzuhalten und deshalb attackiert wurden. Die in den 1980er Jahren auf Druck der Ultraorthodoxen eingeführte Regelung sieht vor, dass sich Frauen hinten hinsetzen. Frauenrechtlerinnen beobachten mit Sorge, dass die Ultraorthodoxe zunehmend aktiv für die Anwendung der religiösen Geschlechtertrennung eintreten. (ami/jak/sda)
Erstellt: 27.12.2011, 21:31 Uhr
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