Ausland

Der Vater, der den eigenen Sohn verrät

Von Dagmar Wittek, Johannesburg. Aktualisiert am 31.12.2009

Alahji Umaru Abdulmutallab ist der Vater des Attentäters von Detroit, einer der mächtigsten Männer Nigerias – und ein Islamist.

Bereits am 19. November soll der Vater des Terrorattentäters von Detroit, Alahji Umaru Abdulmutallab, den US-Geheimdienst CIA vor der islamistischen Radikalisierung seines Sohnes Umar Farouk Abdulmutallab gewarnt haben. Nigerianischen Medienberichten und CNN zufolge fertigte ein CIA-Agent in Nigeria nach dem Gespräch mit dem Vater einen Bericht an. Dieser soll in der CIA-Zentrale jedoch nicht ausreichend bearbeitet worden sein. CIA and FBI verhörten den Vater Anfang der Woche.

Überzeugter Islamist

Wenn ein Vater seinen Sohn verrät, wirft das Fragen auf. Zumal Alahji Umaru Abdulmutallab ein erklärter Islamist ist. Kürzlich rief er die Nigerianer dazu auf, für die Genesung seines engen Freundes und Studienkollegen, den Präsidenten Umaru Yar Adua zu beten, denn Leben und Tod lägen ausschliesslich in den Händen des allmächtigen Allah. Abdulmutallabs Freunde und Geschäftspartner sind Nigerias einflussreichste Islamisten.

Vater Abdulmutallab ist ein Machtmensch. Er gehört zu Nigerias Elite und lebt im muslimischen Norden des Landes, in Funtua. Studiert hat er am vornehmen Barewa College. Als Präsident der «Old Boys Association of Barewa College» ist er bestens vernetzt in Wirtschaft und Politik. Bis zu seiner Pensionierung Mitte Dezember war der 70-Jährige Direktor der First Bank of Nigeria, der ältesten und grössten Bank des Landes. Zusammen mit Partnern aus Saudiarabien und Indonesien gründete er kürzlich die erste nigerianische islamische Bank. Jaiz Bank International verschreibt sich strikt dem Gesetz der Scharia und allen «muslimischen ethischen, moralischen und religiösen» Verhaltensregeln, heisst es in den Statuten.

Verschwörungstheorien

Die panafrikanische Nachrichtenagentur spekuliert derweil, ob der Terrorsohn einem Tauschgeschäft aufgesessen sei: CIA-Agenten im Jemen könnten, so Pan-African News Wire, als Al-Qaida-Kämpfer aufgetreten sein und ihn dazu gebracht haben, als Terrorbomber den Flug nach Detroit anzutreten. Die Folge: Beide Seiten, Amerika und Nigeria gewännen. Nigerias Regierung wie auch Vater Abdulmutallab stünden als integre Geschäftspartner da, die mit dem Westen kooperieren. Und Amerika könnte von der Krise ablenken.

Nigeria ist derzeit interessiert an einem guten Einvernehmen mit den westlichen Ölkonzernen; ein Exportabkommen mit China ist kritisiert worden. So argumentieren zumindest zu Verschwörungstheorien neigende afrikanische Publizisten. Fest steht, dass Vater Abdulmutallab als ehemaliger Wirtschafts- und Entwicklungsminister beste Kontakte hat, und zwar weltweit.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 31.12.2009, 04:00 Uhr

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