Ausland
Der blutigste von 17 Monaten
Iran manipuliert Mursi-Rede
Nach einer Manipulation von Assad-kritischen Äusserungen des ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi durch das iranische Fernsehen übermittelte Bahrain derweil eine formelle Beschwerde. In seiner Rede bei der Konferenz der Bewegung Blockfreier Staaten in Teheran hatte Mursi am Donnerstag gesagt, die Rebellen in Syrien kämpften gegen ein repressives Regime. Das iranische Staatsfernsehen hatte in der Übersetzung in die Landessprache Farsi einfach das Wort «Syrien» durch «Bahrain» ausgetauscht.
Mit seiner Rede hatte Mursi den Iran, einen engen Verbündeten des syrischen Regimes, offen düpiert. Teheran wiederum hat wiederholt die Unterdrückung der mehrheitlich schiitischen Bevölkerung durch die sunnitische Führung in Bahrain kritisiert. Die Beschwerde wurde nach Angaben des Golfstaats am Samstag einem iranischen Diplomaten überreicht. (dapd)
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Der August war nach Angaben von zwei syrischen Oppositionsgruppen mit rund 5000 Toten der blutigste Monat seit Beginn des Aufstands in Syrien vor 17 Monaten. Die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte bezifferte die Zahl der Toten mit 5440. Darunter seien mehr als 4100 Zivilisten, teilte die in Grossbritannien ansässige Beobachtungsstelle mit. Eine zweite Gruppe, die Örtlichen Koordinationskomitees, sprach von über 4900 Todesopfern im August.
Die Opferzahlen stiegen unter anderem wegen der zunehmenden Luftangriffe und der schweren Gefechte in der Wirtschaftsmetropole Aleppo an. Allein in der vergangenen Woche kamen nach Angaben des UNO-Kinderhilfswerks Unicef mindestens 1600 Menschen ums Leben. Zahlreiche Zivilisten seien bei Luftangriffe auf Wohngebiete getötet worden, sagte Unicef-Sprecher Patrick McCormick unter Berufung auf Augenzeugen.
Brahimi «bald» in Damaskus
Der neue Syrien-Sondergesandte Lakhdar Brahimi wird nach Angaben der syrischen Regierung in Kürze in Damaskus zu Gesprächen erwartet. Der syrische Aussenministeriumssprecher Jihad Makdissi sagte dem libanesischen Fernsehsender NBN, beide Seiten wollten einander «zuhören».
Makdissi machte zugleich die internationale Gemeinschaft für das Blutvergiessen in Syrien verantwortlich. Die Gründe für das Scheitern der Mission von Brahimis Vorgänger Kofi Annan lägen nicht bei Syrien, sondern im «fehlenden Konsens im Kreis der internationalen Gemeinschaft». Die führenden Mächte im UNO-Sicherheitsrat seien gegen einen Dialog mit der Opposition in Syrien.
Brahimi folgte als Syrien-Sondergesandter von UNO und Arabischer Liga auf den früheren UNO-Generalsekretär Annan, der das Amt am 2. August niedergelegt hatte. Annan hatte dem UNO-Sicherheitsrat mangelnde Unterstützung seiner Mission vorgeworfen. Brahimi wies der Regierung in Damaskus am Samstag die Hauptverantwortung für die Beilegung des Konflikts zu.
Bomben explodieren in vornehmem Viertel
In der Nacht auf Sonntag wurde ein Vorort von Damaskus von einer Explosion erschüttert. Nach Angaben der Staatsmedien starben beim Bombenanschlag nahe einem palästinensischen Flüchtlingslager mindestens 15 Menschen. Der betroffene Aussenbezirk al-Sbeineh gilt als gegenüber dem Staatschef Bashar al-Assad feindlich eingestellt.
Die amtliche Presse machte für den Anschlag eine «bewaffnete terroristische Gruppe» verantwortlich. Die Staatsmedien verwenden diese Bezeichnung auch für die Rebellen, die gegen die Assad-Truppen kämpfen.
Am Sonntag explodierten zwei weitere Bomben im vornehmen Viertel Abu Remmaneh, in dem sich auch der Sitz von Vizepräsident Faruk al-Shara und mehrere Botschaften befinden. Die Staatsmedien berichteten von mehreren Verletzten. Zum Anschlag bekannte sich eine mit der Freien Syrischen Armee der Rebellen verbundene islamistische Gruppe.
Bäckereien unter Beschuss
Unterdessen gingen die syrischen Regierungstruppen am Sonntag gegen mehrere Rebellenbastionen vor. Die in London ansässige Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete von Angriffen in und um Damaskus, in der Wirtschaftsmetropole Aleppo und der Provinz Idlib an der Grenze zur Türkei.
Nach Angaben von Aufständischen zerstörte die Armee in der zentralen Rebellenhochburg Kusseir die letzte Bäckerei, die noch Brot verkaufte. Die Truppen von Präsident Assad hätten die Stadt in der Provinz Homs am Sonntag im Morgengrauen unter heftigen Beschuss genommen.
In der Stadt war zuvor bereits eine der drei dortigen Bäckereien zerstört worden. Eine weitere wird von der Armee besetzt gehalten. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch hatte den Regierungstruppen Ende August vorgeworfen, gezielt Bäckereien anzugreifen, um den Rebellen die Ernährungsgrundlage zu entziehen.
Angriffe auf Luftwaffenstützpunkte
Die syrischen Rebellen ihrerseits versuchen offenbar, sich in ihrem Kampf gegen die Regierungstruppen zunehmend auf deren Luftwaffe zu konzentrieren. In der Nacht zum Samstag hätten sie ein Gebäude der Luftabwehr auf dem Militärflughafen Taftanas an der Grenze zum Irak eingenommen, erklärte die Beobachtungsstelle.
Nach unbestätigten Informationen gelang es ihnen dabei auch, Luftabwehrraketen zu erbeuten, die sie gegen Assads Luftwaffe einsetzen könnten. (fko/dapd/sda)
Erstellt: 02.09.2012, 16:28 Uhr







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