Ausland
Die Bombe im Körper
Von Vincenzo Capodici. Aktualisiert am 07.10.2009
Beim Selbstmordanschlag getötet: Abdullah Asieri.
Ende August sorgte ein Selbstmordanschlag in Saudiarabien für grosses Aufsehen. Der Attentäter war bis ins Büro des Prinzen Mohammed Bin Naif vorgedrungen, wo es zu einer Explosion kam. Bin Naif, der als stellvertretender Innenminister für die Terrorbekämpfung in Saudiarabien zuständig ist, erlitt - wie durch ein Wunder - nur leichte Verletzungen. Der Attentäter Abdullah Asieri war auf der Stelle tot. Der gesuchte Mann hatte sich angeblich den Behörden stellen wollen. Das Attentat warf die Frage auf, wie der al-Qaida-Terrorist trotz grösster Sicherheitsvorkehrungen mit einem Sprengsatz bis ins Büro des Sohns des saudischen Innnenministers vordringen konnte.
Die beunruhigende Antwort fanden Terrorexperten ein paar Wochen später heraus. Der Selbstmordattentäter von Dschidda hatte den Sprengsatz nicht in seinem Handy versteckt, wie zunächst angenommen, sondern in seinem Körper. Laut Medienberichten hatte er etwa ein halbes Kilogramm Sprengstoff in sich.
Bombe in Form eines Zäpfchens?
Das Handy des Terroristen soll mit zwei SIM-Karten ausgestattet gewesen sein, wie «Spiegel Online» berichtete. Eine SIM-Karte habe der Kommunikation mit einem Komplizen in Jemen gedient. «Mit der anderen SIM-Karte zündete die Terrorgruppe den Sprengsatz, dessen Zünder sich offenbar im Darm des Terroristen befand.» Welches Material für den Sprengsatz verwendet worden war, ist noch nicht bekannt. Der Sprengsatz könnte die Form eines Zäpfchens gehabt haben.
Gemäss Medienberichten soll der al-Qaida-Terrorist die 40 Stunden vor dem Attentat nicht gegessen oder getrunken haben, um die Kraft der Explosion nicht zu mindern. Die Wucht der Explosion entlud sich aber in erster Linie nach unten, weshalb das Opfer nur leicht verletzt wurde. Die Detonation hinterliess im Boden einen Krater.
Bessere Ganzkörperscanner nötig
Der Selbstmordanschlag von Dschidda zeigt, dass Terroristen immer neue Methoden entwickeln, um Schrecken zu verbreiten und Menschen zu töten. Und er legt die Vermutung nahe, dass die bisherigen Sicherheitsvorkehrungen - zum Beispiel auf den Flughäfen nicht genügen. Ganzkörperscanner können nur sichtbar machen, was Menschen unter der Kleidung tragen, nicht aber unter der Haut.
Die Standard-Sicherheitsmassnahmen der Flughäfen genügten nicht, zitiert die Zeitung «New York Post» den amerikanischen Terrorexperten Steve Emerson. Es brauche Scanner mit der bestmöglichen Röntgentechnologie, die auch Bilder aus dem Körperinnern liefern könnten. «Es gibt enorme Auswirkungen auf die Sicherheit an Flughäfen», sagt auch Peter Neuman, Terrorexperte am King's College in London, laut «Spiegel Online». Es könnte möglicherweise noch komplizierter werden, ein Flugzeug zu besteigen.
In den USA werden die Ganzkörperscanner mit Röntgentechnologie bereits an zahlreichen Flughäfen eingesetzt beziehungsweise getestet. Die EU stoppte vor einem Jahr den Einsatz der so genannten Nacktscanner nach einem Sturm der Entrüstung.
Nach dem Anschlag von Dschidda haben viele Länder vor allem der westlichen Welt ihre Sicherheitskräfte vor einer möglichen Gefahr durch im Körper von Attentätern verstecktem Sprengstoff gewarnt.
(baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 07.10.2009, 09:53 Uhr
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