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«Die Nato wird nach Ghadhafi nochmals herausgefordert»

Interview: Monica Fahmy. Aktualisiert am 09.06.2011 16 Kommentare

Nach der Intensivierung der Angriffe sei es gut möglich, dass Muammar Ghadhafi bald fällt, sagt Albert A. Stahel. Der Militärexperte spricht über das jetzige Vorgehen der Nato in Libyen und die Zeit nach Ghadhafi.

Ghadhafi soll bald Geschichte sein: Die Nato intensiviert die Bombardierungen auf Tripolis.

Ghadhafi soll bald Geschichte sein: Die Nato intensiviert die Bombardierungen auf Tripolis.
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«Es ist in einem so grossen Land wie Libyen äusserst schwierig, alle Waffenstellungen auszuschalten»: Albert A. Stahel, Militärexperte.

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Libyen: Der Militärschlag

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Die Alliierten setzen ihre Angriffe auf die libysche Armee fort.

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Am Nato-Aussenministertreffen in Brüssel sagte Nato-Generalsekretär Andres Fogh Rasmussen: Ghadhafi ist bald Geschichte. Zu Recht?
Wenn die Bombardierungen, die jetzt stattfinden, so weitergeführt werden, meine ich, ja. Es kann sein, dass Ghadhafi dann in Tagen oder Wochen weg ist.

Zu Beginn der Offensive verhielt sich die Nato ja zögerlich und handelte nicht homogen. Hat sich das zerstrittene transatlantisches Bündnis zusammengerauft?
Nein. Die Ziele haben sich verlagert. Am Anfang hat man sich strikt an die Resolution 1973 des UNO-Sicherheitsrates gehalten, welche die Gewalt gegen Zivilisten stoppen sollte. Der Luftkrieg der Nato richtete sich da primär gegen Waffenstellungen von Ghadhafis Truppen. Jetzt führt die Nato zunehmend Bombardierungen aus, die gegen Ghadhafi selbst gerichtet sind. In der Terminologie des Luftkrieges redet man von einem Enthauptungsschlag. Dafür setzt man jetzt sogenannte Bunker-Buster ein, gelenkte Bomben, die Bunker durchschlagen und drinnen explodieren. Die Führung Libyens steht jetzt im Zentrum der Angriffe.

Weshalb kam die Nato vom ursprünglichen, von der UNO abgesegneten Ziel ab?
Weil man nicht zum Erfolg kam. Es ist in einem so grossen Land wie Libyen äusserst schwierig, alle Waffenstellungen auszuschalten, und als die USA sich zurückzogen, hatte man auch die Mittel nicht mehr dazu. Darum geht man jetzt auf die Führung los.

Die USA haben sich zurückgezogen, sind aber doch dabei. Barack Obama wird ja vom Kongress unter Druck gesetzt, weil die Kosten des Libyeneinsatzes über 200 Millionen US-Dollar höher sind als budgetiert. Was machen die USA?
Die USA leisten Logistik, Aufklärung und Führungsunterstützung. Ohne die USA ist ja die Nato gar nicht in der Lage, den Einsatz durchzuführen, das muss auch mal gesagt sein. Auf dem eigentlichen Kampffeld sind die USA aber nicht mehr.

Die Amerikaner drängen aber auf ein schnelles Ende.
Ja, natürlich. Die Glaubwürdigkeit der Obama-Administration steht auf dem Spiel. Die USA waren diejenigen, die nebst Frankreich und Grossbritannien, den Einsatz in Libyen begonnen haben.

Was darf jetzt, wo der Krieg laut Nato in die Endphase tritt, passieren? Und was eben nicht?
Wenn die Angriffe so weitergeführt werden wie jetzt, dann dürfte das Ergebnis ein toter Ghadhafi sein. Wenn man plötzlich doch wieder so vorgeht wie zu Beginn der Offensive, dann dürfte sich der Luftkrieg länger hinziehen. Dann käme die Nato womöglich in die Situation, irgendwann doch mit Ghadhafi verhandeln zu müssen. Darauf spekuliert Ghadhafi.

Wäre das überhaupt eine Option für die Nato?
Wenn man einen Krieg verlieren würde, dann wäre das schon eine Option. Der Sturz Ghadhafis und ein neues Libyen sind ja die Ziele der Nato. Werden diese Ziele nicht erreicht, dann ist der Krieg de facto verloren, und dann müsste man auch mit dem Gegner verhandeln.

In Abu Dhabi treffen sich heute Aussenminister, unter anderem Hillary Clinton, um die Situation in Libyen zu besprechen. Es geht auch um die Zeit nach Ghadhafi. Weiss die Nato überhaupt, was dann kommen könnte?
Bis jetzt war alles sehr vage. Man hat mit den Aufständischen gesprochen, einige Staaten haben sie anerkannt. Doch das reicht natürlich nicht. Wenn Ghadhafi weg ist, könnte das Land zerfallen. Es gibt ja divergierende Kräfte in Libyen. Ghadhafi hat dies mit eiserner Faust unterdrückt. Zunehmend zeigt sich, dass etwa im Westen in den Bergen die Berber eine eigene Agenda verfolgen. Das gilt übrigens für weite Teile Nordafrikas. Die Berber sind ja eine unterdrückte Minderheit, die einmal die ursprüngliche Bevölkerung Nordafrikas war. Ihnen wurde die arabische Sprache aufgezwungen, die Kultur abgesprochen. Die Aufständischen in Benghazi haben die Kraft gar nicht, um sie im Zaum zu halten, falls die Berber kein geeinigtes Libyen möchten.

Wird unter Umständen eine UNO-Friedenstruppe nötig sein?
Ja, sicher, das wird nötig sein. Die Nato wird in der Zeit nach Ghadhafi nochmals herausgefordert. Es ist wie bei Saddam Hussein, man wollte ihn weghaben, aber was danach kommt, das hat man sich zu wenig überlegt. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 09.06.2011, 12:52 Uhr

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16 Kommentare

Jules Bonhomme

09.06.2011, 14:33 Uhr
Melden 28 Empfehlung

Danach kommt die grosse Zeit der Demokratie, wie von den Aufständischen vorher gesagt. Es werden Wahlen stattfinden, die Parteien, Stämme, Berber, Muslimbrüder, al-Kaida und Ghadhafi-Freunde werden sich friedlich besprechen, niemand wird unterdrückt und dann wird es eine handlungsfähige Regierung geben und wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie heute noch. Antworten


Jean Roth

09.06.2011, 14:15 Uhr
Melden 23 Empfehlung

Das hat man sich gar nicht überlegt. Absolut nicht ! Es wurde einem grosssprecherischen Sarkozy gefolgt: man müsse in Libyen eingreifen um "Zivilisten zu schützen". Dann gings unvorbereitet drauflos. Eine riesige Maschinerie, die irre Summen Steuergelder im Sand verschleudert, wurde angekurbelt. Das Resultat bis dato: Zerstörung und nochmals Zerstörung und sonst nichts, absolut nichts. Antworten



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