Ausland
Die Preisträgerin und ihr Pakt mit dem Warlord
Von Johannes Dieterich. Aktualisiert am 28.10.2011 2 Kommentare
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Ellen Johnson-Sirleaf, die erst kürzlich mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnete erste Präsidentin Afrikas, konnte ihre Belobigung nicht lange feiern. Zunächst musste sich die liberianische Staatschefin mit dem Vorwurf herumschlagen, die wenige Tage nach der Bekanntgabe der Ehrung abgehaltenen Wahlen in dem westafrikanischen Kleinstaat massiv manipuliert zu haben. Und nachdem der Vorwurf erfolgreich abgeschmettert war, stellte sich heraus, dass die 72-jährige «Eiserne Lady» für die notwendig gewordene Stichwahl ausgerechnet auf die Unterstützung des berüchtigten Ex-Rebellenchefs Prince Johnson angewiesen ist. «Friedensnobelpreisträgerin mithilfe eines Kriegsfürsten wiedergewählt»: keine besonders schmeichelhafte Schlagzeile.
Der zweifelhafte Ruhm
«Ma Ellen» war im ersten Wahlgang auf 44 Prozent gekommen, ihr Herausforderer Winston Tubman auf 32,2 Prozent. Nun muss zwischen den beiden Erstplatzierten eine für den 8. November angesetzte Stichwahl entscheiden, die beide nur mit den zwölf Prozent des drittplatzierten Prince Johnson gewinnen können. Der Rebellenchef war vor 21 Jahren zu zweifelhaftem Ruhm gelangt, als er sich dabei filmen liess, wie er mit einer Bierflasche in der Hand der Folterung Samuel Does beiwohnte. Seine Milizionäre schnitten dem gestürzten Diktator die Ohren ab und brachten ihn später um.
Als wiedergeborener Christ redet Johnson heute nicht mehr gerne über den Vorfall, sieht sich aber noch immer als «Befreier» seines Volks von der tatsächlich blutrünstigen Herrschaft des Diktators. Dagegen hat ihn die Wahrheitskommission des Landes (wie aus anderen Gründen auch die Friedensnobelpreisträgerin selbst) mit einem 30-jährigen Politikbann belegt – an den sich in Liberia allerdings keiner hält.
Kampf um Posten und Pfründe
Nun gilt der Folterfürst also auch als Königsmacher. Er fordert dafür jedoch ein Drittel der Kabinettssitze, der wichtigen Verwaltungsämter und der Botschafterposten ein. Und obwohl er einer der Lautesten war, der nach dem ersten Wahlgang «Betrug!» geschrien hatte und die Ergebnisse nicht anerkennen wollte, lässt er inzwischen keinen Zweifel daran, dass seine Sympathien der Friedensnobelpreisträgerin gelten. Sie sei «das kleinere Übel», sagt Johnson. In Wahrheit muss der 59-Jährige befürchten, dass er im Fall eines Wahlsiegs Tubmans vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag landen wird. «Ma Ellens» Einheitspartei gab bereits bekannt, dass sie die Unterstützung Johnsons akzeptiere. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 28.10.2011, 06:55 Uhr
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2 Kommentare
Nicht nur in Afrika sind die Wähler ihrer Pflicht in keinster Weise gewachsen. Auch in vermeintlich "erfahrenen" Demokratien wollen die Wähler immer wieder Wahlkampflügen hören und für ihre Stimme Geld erhalten. Der Pakt mit dem Mörder und Dieb ist oft die einzige Chance überhaupt etwas zu bewirken. Antworten
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