Ausland
Die blutige Jagd auf Gbagbos Anhänger
Von Johannes Dieterich. Aktualisiert am 17.06.2011 5 Kommentare
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Seit der Niederlage des ehemaligen ivorischen Präsidenten Laurent Gbagbo im April sind nach Angaben mehrerer Menschenrechtsorganisationen zahllose vermeintliche Gbagbo-Anhänger umgebracht worden. «Die Gewalttaten seitens der neuen Armee erfüllen uns mit grosser Sorge», sagte UNO-Menschenrechtskomissarion Navi Pillay nach dem Besuch eines Untersuchungsteams in dem westafrikanischen Staat: «Es soll zu Exekutionen, rechtswidrigen Verhaftungen, Folterungen, Vergewaltigungen, Plünderungen und Fällen von Erpressung gekommen sein.»
Ethnisch motivierte Übergriffe
Bereits Anfang Juni hatte die New Yorker Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) einen Bericht veröffentlicht, in dem von 150 Personen die Rede ist, die von Sicherheitskräften des neuen Präsidenten Alassane Ouattara umgebracht worden seien. Auch Ivorer, die wie Gbagbo aus dem Westen des Landes stammen, würden allein wegen ihrer ethnischen Zugehörigkeit verfolgt. «Die Hoffnungen auf einen Neuanfang in der Elfenbeinküste verblassen, wenn diese schrecklichen Übergriffe nicht sofort beendet werden», sagte HRW-Expertin Corinne Dufka. Auch Amnesty International sowie der Internationale Bund für Menschenrechte warfen Ouattaras Lager Menschenrechtsverbrechen vor.
Im Zentrum der Übergriffe steht der Yopougon genannte Stadtteil der Wirtschaftsmetropole Abidjan, der als Gbagbo-Hochburg galt. «Wenn du jung bist und aus Yopougon stammst, bist du am Ende», sagte ein Quartierbewohner gegenüber dem UNO-Informationsdienst. Hunderte Einwohner Yopougons sollen aufs Land oder ins Ausland geflohen sein: Zwei Monate nach dem Ende des Bürgerkriegs seien noch immer 300'000 Ivorer vertrieben, teilte das UNO-Flüchtlingskommissariat mit.Ouattara, der mithilfe des Eingreifens französischer Truppen an die Macht gekommen war, hatte bei seiner Amtseinführung im Mai eine Politik der Versöhnung und die rückhaltlose Aufdeckung von Menschenrechtsverbrechen beider Seiten angekündigt. In Wahrheit kümmere sich die neue Regierung jedoch lediglich um die Übergriffe der Gegenseite, klagen Human Rights Watch und die UNO-Menschenrechtskommission. «Bei all jenen, die derzeit von den Strafverfolgungsbehörden des Landes untersucht werden, handelt es sich um einstige Gbagbo-Mitarbeiter», sagte Suliman Baldo, der das UNO-Menschenrechtsteam leitete.
Ouattara will 20 Milliarden Euro
Gbagbo selbst und seine Frau Simone, die im Norden des Landes an getrennten Orten unter Hausarrest stehen, würden «korrekt behandelt», fügte Baldo hinzu: Für ihre Sicherheit sorgten UNO-Blauhelme. Dem 66-jährigen Ex-Staatschef, der nach Auffassung der internationalen Gemeinschaft mit der Weigerung, seine Niederlage bei den Präsidentschaftswahlen im Dezember vergangenen Jahres anzuerkennen, den blutigen Konflikt ausgelöst hatte, soll in der Elfenbeinküste der Prozess gemacht werden. Auch der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag ermittelt gegen ihn. In dem über vier Monate dauernden gewalttätigen Konflikt verloren mindestens 3000 Menschen ihr Leben, und mehr als eine Million ihre Heimat.
Ouattara stellte kürzlich seine 36-köpfige Regierung vor. Ihr gehören zwar auch Mitglieder anderer Parteien und Vertreter der Zivilgesellschaft an, aber kein Repräsentant der Gbagbo-Partei Ivorische Volksfront (FPI). Diese hatte für eine Regierungsbeteiligung Bedingungen gestellt, unter anderem die Freilassung Gbagbos. Ouattara teilte jetzt mit, dass für den Wiederaufbau der Elfenbeinküste ausländische Hilfe im Wert von 20 Milliarden Euro in den kommenden fünf Jahren nötig sei. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 16.06.2011, 21:12 Uhr
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5 Kommentare
Ouattara braucht Geld um seinen aufwendigen Lebensstil zu finanzieren, seine Protzbauten sind unbedingt nötig wie es sich gehört für einen kommenden Dikdator. Eine unwahrscheinliche Frechheit des Mannes, Geld von Europa zu fordern um sein Land " wiederaufbauen " zu wollen. Die afrik. Einheit, die Moslem-Solidarität muss jetzt greifen. Neue Moscheen bringen kein Essen. Antworten
Ouattara hat genau so viel Blut an den Händen wie Gbagbo - nur ist er jetzt an der Macht und lässt seinerseits Anhänger seines Vorgängers ermorden ! Afrika lernt nichts dazu, kein Land ohne Bürgerkrieg, Mord und Koruption ! Und dann noch 20 Mia € Auslandhilfe verlangen für den 'Wiederaufbau' - in die Taschen seines Clans, hat der Herr Präsident wohl gemeint ! Antworten
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