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Die israelische Wut wächst
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Die Inbetriebnahme des iranischen Atomreaktors von Bushehr löst in Israel erwartungsgemäss Unmut aus. «Es ist völlig inakzeptabel, dass ein Staat so offenkundig die UNO-Resolutionen verletzt», kommentierte am Wochenende Jossi Levy, Sprecher des Aussenamtes in Jerusalem. Obschon der Reaktor in Bushehr keine unmittelbare Bedrohung darstelle, wird die Inbetriebnahme doch als Signal dafür empfunden, dass die Sanktionen gescheitert sind. Damit wächst die Wahrscheinlichkeit eines militärischen Präventivschlags.
Als sei es mit dem Atomreaktor noch nicht genug der Provokation, weihte der iranische Präsident Mahmoud Ahmadinejad am Sonntag ein erstes ferngesteuertes Kampfflugzeug «made in Iran» ein. Das konservative israelische Blatt «Maariw» sieht das Problem bei «den iranischen Anstrengungen, den Uran-Anreicherungsprozess zu kontrollieren». Damit wiederum wäre eine militärische Nutzung möglich. Nicht von Bushehr ginge die Hauptgefahr aus, sondern «von der Uran-Anreicherungsanlage in Natanz». Dennoch könne die einseitige Schaffung von Tatsachen in Bushehr «Israels Versuche, gefährlichere Prozesse des iranischen Atomprogramms zu stoppen, beeinträchtigen».
Besorgter Bolton
Eine Woche bliebe Israel, so warnte der ehemalige US-Botschafter in New York, John Bolton, vor wenigen Tagen, für einen Militärschlag gegen das iranische Atomprogramm, «bevor es zu riskant wird». In den israelischen Medien liefen die ganze Woche über Interviews mit dem Amerikaner, der sich so besorgt zeigte über den Reaktor, der bei einem Angriff atomare Strahlungen über weite Regionen verbreiten würde. Die Inbetriebnahme von Bushehr sei «ein klarer Wendepunkt», sagte Bolton.
Anders reagierte die amerikanische Regierung. Angesichts der russischen Beteiligung und der Aufsicht durch die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) sähen die USA kein «Verbreitungsrisiko», teilte das Aussenministerium in Washington mit. Das Weisse Haus machte deutlich, dass die Haltung der USA zu Bushehr nicht mit der Position zum iranischen Atomprogramm verwechselt werden dürfe.
Präventivschlag wird nicht einmal mehr diskutiert
Noch hält sich die offizielle Politik in Jerusalem an die Hoffnung auf Sanktionen. «Die internationale Gemeinschaft muss den Druck erhöhen, um den Iran dazu zu zwingen, die internationalen Entscheidungen», vor allem des UNO-Sicherheitsrats und der IAEA, «umzusetzen und von den Anreicherungsmassnahmen abzusehen», forderte Aussenamtssprecher Levy.
Bis vor zwei Jahren meldeten sich Politiker und Militärs regelmässig zu Wort, um den Journalisten ihre Meinung über das Für und Wider eines militärischen Vorgehens mitzuteilen. Inzwischen wird ein Präventivschlag immer weniger von den Entscheidungsträgern diskutiert. «Es gibt Dinge, die nicht zugelassen werden können», schreibt der israelische Sicherheitsexperte Udi Pridan in der Zeitung «Haaretz».
Die Konsequenz dieses Gedankengangs sei, dass Israel in jedem Fall gegen das iranische Atomprogramm vorgehen müsse, «mit oder ohne die Amerikaner», so Pridan. So sei einst Menachem Begin allein gegen den irakischen Atommeiler vorgegangen und Ehud Olmert gegen die syrischen Atomanlagen. «Das ist, was Benjamin Netanyahu und Ehud Barak im Iran tun werden: Sie werden bombardieren.» (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 22.08.2010, 21:00 Uhr
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