Ausland
Die sudanesische Kampfscheidung
Von Johannes Dieterich. Aktualisiert am 06.06.2011 6 Kommentare
(Bild: TA-Grafik kmh)
Mandat nicht erfüllt
Die UNO untersucht das Verhalten ihrer Blauhelmsoldaten während der jüngsten Kämpfe zwischen nord- und südsudanesischen Streitkräften um Abyei. Demnach sollen die Soldaten bei den kürzlichen Gefechten nicht ausgerückt, sondern in ihren Kasernen geblieben sein. Mehrere UNO-Diplomaten hatten kritisiert, dass die Blauhelme ihr Mandat nicht erfüllt hätten. Dazu zählt neben Patrouillen auch der Schutz der Zivilbevölkerung. Die zuständige Abteilung teilte am Samstag mit, dass sie ihren Berater, General Babacar Gaye, nach Abyei schicke, «um die Umstände der jüngsten Ereignisse zu untersuchen». (SDA)
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Sie schlafen unter Bäumen, viele von ihnen sind verwundet, zu essen gibt es nichts. Zehntausende von Sudanesen aus der umstrittenen Grenzstadt Abyei sind nach dem Einmarsch der nordsudanesischen Armee am 21. Mai in weiter südlich gelegene Dörfer geflohen, wo sie nun verzweifelt auf Hilfe warten. Von der örtlichen Bevölkerung ist wenig zu erhoffen: Die hat in den vergangenen Monaten bereits mehr als 30'000 Menschen aufgenommen, die nach dem Referendum über die Abspaltung des Südens zu Beginn dieses Jahres aus der Hauptstadt Khartum geflohen waren. «Selbst vor der jüngsten Krise waren wir vollkommen überlastet», sagt Provinz-Gouverneur Nyan Deng Malek. Bald setzt der Regen ein, der die ohnehin miserablen Staubstrassen in Morast verwandeln wird: Dann werden die Flüchtlinge vollends abgeschnitten sein.
Sie haben grausige Geschichten zu berichten. «Soldaten schossen aus Helikoptern auf uns», sagt die 20-jährige Aker Chol Deng, mehr als einhundert Zivilisten starben. Sie habe ihren Kochtopf stehen gelassen, ihre Kinder genommen und sei davongerannt, fährt Deng fort. Kaum war die einst über 100'000 Einwohner zählende Stadt so gut wie leer, begannen nordsudanesische Soldaten gemeinsam mit Milizionären des Misseriya-Volks Läden zu plündern und Hütten anzuzünden: Nach der Auswertung von Satellitenaufnahmen wurde mehr als ein Drittel der Behausungen der Stadt zerstört.
Keine Lebensmittel mehr
Geplündert wurde auch ein Warenlager des Welternährungsprogramms: Mit den dort gelagerten Vorräten hätten 50'000 Menschen über drei Monate lang versorgt werden können. Seit einem Monat lässt Khartum auch keine Lebensmittel und keinen Treibstoff mehr aus dem Norden über die Grenze – jetzt gibt es in der Region, in der täglich Tausende von Fässern Erdöl gefördert werden, nicht einmal mehr genug Diesel für die UNO-Fahrzeuge. «Wir können unsere Operationen nicht mehr im nötigen Umfang aufrechterhalten,» klagt Lise Grande, UNO-Koordinatorin für humanitäre Angelegenheiten im Südsudan.
Den Aufforderungen des Uno-Sicherheitsrates, die Region umgehend wieder zu räumen, widersetzt sich Khartum bislang beharrlich. Abyei sei dem Norden zuzurechnen, erklärte Präsident Omar al-Bashir: obwohl einst ausgehandelt worden war, dass die Bewohner der Region über ihre Zugehörigkeit selbst entscheiden können sollten. Beobachter gehen davon aus, dass Bashir die Region vor allem deshalb einnehmen liess, um eine bessere Position in den noch ausstehenden Verhandlungen um den Verlauf der Grenzregion und die Verteilung der Einnahmen aus dem Erdöl zu bekommen. 80 Prozent der Erdölvorräte des Landes liegen im Süden, doch der Rohstoff muss in Raffinerien des Nordens veredelt und im Hafen Port Sudan verschifft werden, wofür sich der Norden gut vergütet sehen will.
Ein weiterer Streit bahnt sich an
Bis zur endgültigen Unabhängigkeit des Südens sind nur noch wenige Wochen Zeit: Die Hoffnung schwindet, dass die explosiven Streitfragen bis dahin aus dem Weg geräumt sein werden. Der Süden sucht zu vermeiden, dass ein neuer Krieg seine seit Jahrzehnten ersehnte Ablösung verhindert. Vizepräsident Riek Machar reiste vor kurzem nach Khartum, um eine friedliche Lösung des Abyei-Konfliktes auszuhandeln. Debattiert wird unter anderem, dass Blauhelme aus Äthiopien die umstrittene Region absichern: eine ironische Volte der Geschichte, weil Äthiopien nach der Abspaltung Eritreas einst selbst in einen Krieg um den Grenzverlauf geschlittert war.Während der Konflikt um Abyei anhält, bahnt sich bereits ein weiterer Streit zwischen dem Nord- und dem Südsudan an.
Khartum forderte jetzt alle in den Provinzen Südkordofan und Blauer Nil stationierten Milizionäre, die sich zur südsudanesischen Armee SPLA zählen, zum Abzug in den Süden auf: eine Forderung, die nach Auffassung der Regierung in Juba vollkommen unrealistisch ist. Bei den Milizionären handle es sich um Einheimische der beiden Provinzen: Sie könnten nicht vertrieben werden, nur weil sie im vor sechs Jahren beendeten Bürgerkrieg gegen die Regierungstruppen gekämpft hätten, hiess es. Sollte Khartum seine Drohung wahr machen, jene Tausende von schwer bewaffneten Milizionären mit Gewalt aus dem Norden zu vertreiben, wäre ein neuer Krieg nicht länger zu vermeiden. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 05.06.2011, 22:30 Uhr
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6 Kommentare
Dieser Krieg ist ein Religionskrieg. Moslem im Norden gegen Christen und Heiden im Süden.Es ist also unsinnig Blauhelme aus Ländern die den Islam als Religion pflegen in den Sudan zu senden um Ruhe und Ordnung zu schaffen. Die mosl. Soldaten werden sich querstellen und die UNO nützt wie gewohnt nichts. Antworten
Ja seit 1956 ist Bürgekrieg im sudan mit einem kleinen Unterbruch anfangs 80 Jahren. Schlimm was der muslimische Norden dem chr. und animistischen Süden antut. Die UNO Ist u.a. wegen Russland und china machtlos die dort Oel holen.....Wo sind unsere Linken Kritiker??? Antworten
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