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EU könnte somalische Piraten bald auch an Land bekämpfen

Aktualisiert am 29.12.2011 12 Kommentare

Die EU wagt sich laut einem Bericht im unsicheren Somalia weiter vor: Die Soldaten der EU-Mission Atalanta sollen für die «Zerstörung von Piraterielogistik am Strand» eingesetzt werden.

Die Europäer könnten demnächst die Infrastruktur der Piraten ins Visier nehmen: Deutsche Marineangehörige trainieren das Entern von Schiffen im ostdeutschen Eckernförde. (12. Februar 2009)

Die Europäer könnten demnächst die Infrastruktur der Piraten ins Visier nehmen: Deutsche Marineangehörige trainieren das Entern von Schiffen im ostdeutschen Eckernförde. (12. Februar 2009)
Bild: AFP

Zwei Helfer niedergeschossen

Bei einem Angriff auf das Büro der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen in der somalischen Hauptstadt Mogadischu ist heute mindestens ein Mensch getötet worden. Ein verärgerter ehemaliger Mitarbeiter habe das Feuer eröffnet und mindestens zwei Personen niedergeschossen, sagte der Wachmann Ahmed Ali. Der ehemalige somalische Angestellte habe sich um die Logistik der Hilfsorganisation gekümmert und sei am Mittwoch entlassen worden. Am Donnerstag sei er zu seinem früheren Arbeitsplatz zurückgekehrt und habe auf zwei Mitarbeiter der Ärzte ohne Grenzen geschossen, sagte Ali. (dapd)

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Die somalischen Piraten sollen einem Bericht der «Frankfurter Allgemeine Zeitung» (FAZ) zufolge künftig auch an Land bekämpft werden können. Demnach soll den Marinekräften der EU-Mission Atalanta erlaubt werden, auch gegen Boote und Einrichtungen der Piraten am Strand vorzugehen.

Das Politische und Sicherheitspolitische Komitee der EU (PSK) hatte sich am 20. Dezember «mit der Zerstörung von Piraterielogistik am Strand» befasst, wie ein Sprecher des deutschen Verteidigungsministeriums heute in Berlin sagte. Das Oberkommando der EU-Anti-Piraten-Mission Atalanta sei dann damit beauftragt worden, Operationsplan und Einsatzregeln der Mission so zu überarbeiten, dass ein Bekämpfen der Piraten an Land künftig möglich ist.

Helikopter oder Bodentruppen

Hintergrund ist die nicht abnehmende Zahl von Piratenangriffen auf Handelsschiffe vor der somalischen Küste. Das Seegebiet vor der Küste des ostafrikanischen Staates gilt als das gefährlichste der Welt, allein in diesem Jahr gab es rund 230 Piratenangriffe. Deswegen wird darüber diskutiert, die Standorte der Piraten an Land anzugreifen und etwa am Strand liegende Piratenboote zu zerstören.

Dies könnte von Armeehelikoptern aus geschehen. Theoretisch denkbar wäre indes auch der Einsatz von Bodentruppen. Eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes in Berlin betonte aber, es gehe «ausschliesslich um die Zerstörung von Piraterielogistik am Strand, nicht um einen Einsatz an Land».

Kritik von Grünen und der SPD

Der verteidigungspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Rainer Arnold, kritisierte das Vorhaben der EU. «Es ist zwar richtig, dass die Piraterie letztlich nur in Somalia besiegt werden kann», sagte er der Deutschen Welle. «Dazu bedarf es aber eines einigermassen stabilen Staates.» Man könne nicht aus der Luft Piraten an Land bekämpfen. «Die Risiken sind viel zu hoch, man bräuchte dazu auch Bodentruppen.»

Der Grünen-Politiker Omid Nouripour, der verteidigungspolitische Sprecher der Grünen im Bundestag, sagte der «Süddeutschen Zeitung» (SZ) er verstehe zwar, dass man die Möglichkeiten verbessern wolle, Piraten nachzusetzen. Ein Einsatz am Strand sei aber «nicht wirklich zu begrenzen». Die Piraten zögen sich dann hinter die nächsten Dünen zurück, was immer neue Ausweitungen des Einsatzes nach sich ziehen könnte.

Unterstützung von Rechts

Der für die Aussenpolitik zuständige Unions-Fraktionsvize Andreas Schockenhoff (CDU) sagte der «SZ» dagegen, es sei «grundsätzlich sinnvoll, wenn geprüft wird, inwieweit die Operationsfähigkeit der Piraten auch durch Massnahmen an Land unterbunden werden kann». Erst wenn das Ergebnis dieser Prüfung vorliege, gehe es überhaupt um die Frage, «welches Land Fähigkeiten anbieten kann, um einen solchen Einsatz zu unterstützen».

Die Anti-Piraten-Mission Atalanta soll in den Seestrassen vor Somalia insbesondere die humanitären Hilfslieferungen des Welternährungsprogramms (WFP) sichern und zivilen Handelsschiffen eine sichere Fahrt ermöglichen. Deutschland beteiligt sich seit Dezember 2008 an der Mission und ist derzeit mit einer Fregatte und rund 260 Marinesoldaten an dem Einsatz beteiligt. Sollten sich deutsche Soldaten künftig auf Angriffe gegen Piraten an Land beteiligen, wäre eine Änderung des zuletzt am 1. Dezember verlängerten Bundestagsmandats nötig. (rub/AFP)

Erstellt: 29.12.2011, 16:35 Uhr

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12 Kommentare

Georg Stamm

29.12.2011, 18:02 Uhr
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230 Piratenangriffe in 1 Jahr und so geht das seit Jahren. Erst jetzt kommt die EU-Sicherheitspolitik auf die naheliegende Idee, die Piraten nicht nur auf See abzuwehren, sondern deren Landinfrastruktur (Boote, Anlagestellen, Zufahrtswege) zu zerschlagen. Und schon sind die Roten und Grünen nach altbekannter Manier dagegen. Antworten


roger muehlemann

29.12.2011, 18:22 Uhr
Melden 8 Empfehlung

Während europäische Bodentruppen in Somalia wüten, könnten die herangeschipperten Kriegsschiffe sich um die fremden Fangflotten vor Somalias Küsten kümmern um den Somaliern in Zukunft zu ermöglichen ihr Geld wieder mit der Fischerei zu verdienen ! Antworten



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