Ausland
Ein Netz mit vielen Spinnen
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Erst die Erklärung des 23-jährigen nigerianischen Terrorverdächtigen Umar Farouk Abdulmutallab, Terrorkader im Jemen hätten ihm beigebracht, ein Flugzeug in die Luft zu jagen, und ihm Sprengstoff überreicht, richtet den Blick auf die Verhältnisse in einem der ärmsten Länder der Welt.
Spezialisten haben darauf hingewiesen, dass der islamistische Terrorismus besonders gut in Ländern mit vielen Konfliktherden gedeiht: im Süden des armen und archaischen Jemen kämpfen Sozialisten um Autonomie, im Norden rebellieren die schiitischen Huthi-Rebellen, und dazwischen wächst das Terrornetzwerk, das sich in dieser trostlosen Gegend «al-Qaida auf der Arabischen Halbinsel» (AQAP) nennt.
Bin Ladens Heimat
Als der US-Diplomat Matthew P. Hoh vor einigen Wochen seinen Dienst in Afghanistan quittierte, erklärte er in einem öffentlich gewordenen Brief: Wenn es wirklich darum gehe, «ein Wiederaufleben von al-Qaida zu verhindern, dann müssten wir konsequenterweise» auch im Jemen, im Westen Pakistans und in Somalia einmarschieren. Zunächst soll nun im Jemen der Kampf gegen den Terrorismus intensiviert werden. Bereits im Herbst 2008 hatte die Regierung von Präsident Ali Abdullah Salih um ausländische Unterstützung im Kampf gegen die Jihad-Extremisten gebeten. Damals war ein Bombenanschlag auf die US-Botschaft in Sanaa Anlass für den Hilferuf gewesen.
Der Jemen ist die Heimat der Familie Bin Laden. Hier kam Osamas Vater Mohammed zur Welt. Seit der Gründung von al-Qaida vor mehr als zwei Jahrzehnten stellten Jemeniten einen Grossteil der Kämpfer. Die meisten der in Guantánamo noch einsitzenden Häftlinge stammen aus dem von uralter Stammestradition geprägten Land.
Verdächtige E-Mail-Kontakte
Die «al-Qaida auf der Arabischen Halbinsel» soll von Nasi Abdelkarim al-Wuhaishi, einem früheren Sekretär Bin Ladens, angeführt werden. Als einer der wichtigsten Propagandisten gilt der radikale Prediger Anwar al-Awlaki, ein US-Bürger jemenitischer Herkunft, der in seine Heimat zurückgekehrt ist.
Awlaki kannte nicht nur zwei der Attentäter des 11. September, sondern hatte auch E-Mail-Kontakt zu dem Militärpsychiater Nidal Hassan, der im November auf einer US-Militärbasis 13 Menschen tötete. Auch soll Awlaki Kontakt zu dem 23 Jahre alten nigerianischen Terrorverdächtigen Abdulmutallab gehabt haben - ein Netz mit vielen Spinnen und einflussreichen Helfern.
Zahl angestiegen
Im Februar 2006 brachen 23 jener Terroristen, die am Attentat auf den US-Zerstörer Cole beteiligt gewesen sein sollen, aus einem Hochsicherheitsgefängnis aus. Angeblich wurden sie von jemenitischen Geheimdienstlern unterstützt. Einige der Geflohenen bilden heute den Kern der AQAP, die in diesem Jahr auf der Arabischen Halbinsel fünf Anschläge begangen haben soll. Früher gingen die Nachrichtendienste davon aus, AQAP habe 100 Kämpfer. Inzwischen soll die Zahl weit grösser sein. Die Bande, die Geheimdienstberichten zufolge auch junge Islamisten aus Deutschland, Australien und Frankreich ausbildet, soll Zulauf aus Pakistan und Afghanistan bekommen haben. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 29.12.2009, 09:23 Uhr
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