Ausland
Ein Spezialist für Liquidierungen
Von Dario Venutti. Aktualisiert am 20.02.2010
Meir Dagan.
Soll vom Mossad ermordet worden sein: Kommandant der Qassam-Brigaden, einer militärischen Unterorganisation der Hamas, in Dubai. (Bild: Reuters)
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Zwei Dinge sind für einen Geheimdienst verheerend: Öffentlichkeit und Dilettantismus. Im Falle des Mossad ist derzeit beides gegeben. Ausgerechnet der sagenumwobene israelische Geheimdienst, der als bester der Welt gilt. Ausgerechnet jenes «Institut» (Mossad zu Deutsch), das 1960 den Nazi und Kriegsverbrecher Adolf Eichmann von Buenos Aires nach Israel entführte und die Drahtzieher des Münchner Olympia-Attentats von 1972 tötete.
Von seinem Chef, Meir Dagan, wird der Rücktritt gefordert. Nicht weil seine Leute im Januar dieses Jahres den Kommandanten der Qassam-Brigaden, einer militärischen Unterorganisation der Hamas, in einem Luxushotel in Dubai exekutiert haben sollen. Sondern weil die Agenten gefälschte Pässe von heute in Israel lebenden britischen und irischen Aussiedlern benutzten. Seit das bekannt ist, sind die Regierungen in London und Dublin «not amused». Die Killer liessen sich zudem von Überwachungskameras filmen und verstiessen so gegen eine Grundregel: Agenten hinterlassen keine Spuren.
In PLO-Dorf spaziert
Meir Dagan selber hat sich bisher erfolgreich daran gehalten. Über den Mann ist nur wenig bekannt. Die spärlichen Informationen stammen von israelischen Journalisten, die sich mit dem Mossad beschäftigen.
Dagans beste Tarnung ist sein Aussehen. Mit seinen 65 Jahren wirkt er wie ein gewöhnlicher Rentner. Seine Unauffälligkeit hat er sich schon in jüngeren Jahren zunutze gemacht, als er noch Major der israelischen Armee war: Während des Bürgerkriegs im Libanon in den Achtzigerjahren spazierte er mit einem gefälschten Presseausweis in ein Dorf, das von der feindlichen PLO kontrolliert wurde. Dagan sah sich etwas um, trank Kaffee und kehrte auf die andere Seite der Front zurück.
Die Episode mag wahr oder erfunden sein. Sicher ist, dass sie seinen Ruf als waghalsigen Draufgänger begründete. Je gefährlicher eine Operation ist, desto mehr blüht er auf.
Markenzeichen: Rücksichtslosigkeit
2002 machte ihn Ariel Sharon, der frühere Premierminister, der seit Jahren im Koma liegt, zum Chef des Mossad. Die beiden sind alte Weggefährten: In den 70er-Jahren befehligte Dagan eine von Sharon gegründete Spezialeinheit, die im Gazastreifen Palästinenser verfolgte. Ihr Markenzeichen: Rücksichtslosigkeit. Seither gilt Dagan als Spezialist für Liquidierungen und trägt den Übernamen Exekutionskommandant.
Als Dagan Mossad-Chef wurde, war der Ruf des Geheimdienstes wegen einer Reihe von Misserfolgen ramponiert. Demütigend war besonders das missglückte Attentat 1997 auf Khaled Mashaal, den Politbüro-Chef der Hamas: Zwei Mossad-Agenten spritzten ihm tödliches Gift in den Körper. Doch sie wurden enttarnt. Auf Druck des jordanischen Königs musste Israel nicht nur ein Gegengift schicken, sondern auch den Hamas-Gründer Scheich Yassin freilassen. Der Fehlschlag zerstörte den Mythos Mossad. Der Geheimdienst musste Stelleninserate in Zeitungen schalten, um Nachwuchs zu rekrutieren.
Vertrag verlängert
Mit Dagan hat der Mossad zu alter Abschreckung gefunden. Die Zerstörung von iranischen Nuklearanlagen wird ihm zugeschrieben. Erst vor wenigen Wochen verlängerte die Regierung seinen Vertrag um ein weiteres Jahr. Als Belohnung für geheim gebliebene Operationen. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 20.02.2010, 10:40 Uhr
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