«Entsetzliche zweieinhalb Jahre des Elends»

Aktualisiert am 31.12.2009

Die Briten haben einen neuen Helden. Peter Moore, 36-jähriger Computerfachmann, kam im Irak nach zweieinhalbjähriger Gefangenschaft frei. Das Schicksal seiner Kollegen scheint er nicht zu kennen.

1/4 Über zweieinhalb Jahre Albtraum in irakischer Gefangenschaft: Peter Moore.
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Eltern und Pflegeeltern zur Freilassung

Quelle: Reuters

Es war der 29. Mai 2007, als 40 Extremisten in Bagdad bis unter die Zähne bewaffnet das Finanzministerium stürmten. Moore und vier Leibwächter, ebenfalls Briten, wurden gekidnappt und verschleppt. Zugang zu dem Regierungsgebäude verschafften sich die Entführer, indem sie sich als Polizisten verkleideten.

Jetzt, nach gut 31 Monaten wurde Moore freigelassen. Die britische Presse feiert ihn als Helden. Er hatte die lange Zeit in den Händen der Extremisten überlebt. Seine Eltern und Pflegeeltern zeigen sich in Medienberichten überglücklich. Und ein richtiger Brite reagiert selbst nach einer solch schwierigen Zeit mit Humor: «Er sagte mir, er hoffe, es sei noch etwas übrig vom Weihnachtsessen», erzählte der Pflegevater gegenüber der «Sun».

Leibwächter ermordet

Moores Kidnapper, die sich damals selbst als «Islamisch Schiitischer Widerstand im Irak» bezeichneten, hatten nach der Entführung per Video den Abzug der britischen Soldaten aus dem Irak gefordert und mit der Ermordung von Geiseln gedroht. Peter Moore selbst wurde vor der Videokamera dazu gedrängt, den britischen Premierminister Gordon Brown aufzurufen, irakische Gefangene im Tausch gegen die Geiseln freizulassen.

Die britische Regierung machte allerdings nicht mit. Und damit war das Schicksal der Leibwächter und Leidensgenossen von Peter Moore wohl besiegelt. Drei wurden erschossen, ihre Leichen im Sommer dieses Jahres den britischen Behörden übergeben. Für den vierten Mann bestand nach jüngsten Angaben des Verteidigungsministeriums keine Hoffnung mehr.

«Lass uns nach deiner Rückkehr darüber sprechen»

Musste Moore diesen Albtraum miterleben? Glaubt man seinen ersten Aussagen nach der Freilassung, hat er keine Ahnung davon. «Was ist mit meinen Mit-Geiseln passiert», wollte er von seinem Vater wissen. «Lass uns nach deiner Rückkehr darüber sprechen», gab ihm dieser zur Antwort.

Nach der Freilassung hielt sich Moore in der britischen Botschaft in Bagdad auf. Er wird wohl nächstens nach Grossbritannien zurückkehren. Und dort erwartet ihn eine glückliche Familie. «Sie seien vom Verteidigungsministerium grossartig unterstützt worden», sagte die Mutter von Peter Moore.

Die «gesamte Nation» wird sich freuen

Die Regierung wird solches gerne hören, muss sie doch im Zusammenhang mit den Einsätzen im Irak und in Afghanistan viel Kritik einstecken. Entsprechend wird die Freilassung Moores von Brown und Aussenminister David Miliband als Erfolg gefeiert. Moore befinde sich in guter Verfassung, so Miliband in London. Die befreite Geisel habe «entsetzliche zweieinhalb Jahre des Elends, der Angst und der Ungewissheit erlebt», so der Aussenminister weiter. Moore sei jedoch bei guter Gesundheit und sehr erfreut über seine Freilassung. Auch Brown reagierte «erleichtert» auf die Nachricht. Er sei sicher, dass die «gesamte Nation» sich gemeinsam mit Moore und seiner Familie über dessen Rückkehr freuen werde.

Die Freilassung Moores hat aber offenbar auch seinen Preis. Im Gegenzug will die irakische Regierung Gefangene aus Gefängnissen in die Freiheit entlassen. Darunter vermutlich auch Extremisten. Zur Entführung des Briten hatte sich inzwischen der Bund der Tugendhaften bekannt, eine Abspaltung vom früheren bewaffneten Arm der Bewegung des schiitischen Predigers Muqtada al-Sadr. Ein Sprecher des Bundes sagte der Nachrichtenagentur AFP, es gebe Verhandlungen über die Freilassung von 400 Gefangenen. Möglicherweise werde auch der Führer der Gruppe, Sheikh Kais Chasali, freikommen. Er war zuletzt im US-Gefangenenlager Cropper in der Nähe des Bagdader Flughafens inhaftiert.

Hatte der Iran die Finger im Spiel?

Überhaupt scheint die Geschichte um die Entführung von Peter Moore noch einige Geheimnisse zu verbergen. So berichtet der «Guardian» heute Morgen, der Iran sei in das Kidnapping Moores verwickelt. Angesichts der angespannten Lage im Iran und der Streitigkeiten zwischen London und Teheran ein nicht unwichtiges Detail. (cpm)

Erstellt: 31.12.2009, 09:37 Uhr

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