Ausland

Entwicklungspolitik: Ende der Bevormundung

Aktualisiert am 05.09.2008

Bei einer Konferenz in Ghana haben sich über 100 Staaten darauf verständigt, die Eigenverantwortung der Entwicklungsländer zu stärken.

In der am Donnerstag zum Abschluss der Konferenz verabschiedeten Erklärung verpflichteten sich die Geberstaaten ausserdem, die Entwicklungsländer stärker als Partner zu behandeln - die Bevormundung von Entwicklungsländern solle ein Ende haben. Einen entsprechenden Aktionsplan verabschiedeten die Delegierten per Akklamation.

Damit wird die bisherige Entwicklungspolitik vieler Geberländer fundamental auf den Kopf gestellt, wie Philippe Besson von der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) am Freitag gegenüber der Nachrichtenagentur SDA erklärte.

Hilfe ohne Bedingungen

So sollen künftig Hilfszusagen nicht mehr an Bedingungen wie der Privatisierung etwa der Wasserversorgung oder des Elektrizitätsmarktes verknüpft werden. Auch die Verbindung zwischen Entwicklungshilfe und Gegengeschäft - Hilfsgüter seien beispielsweise im Geberland zu kaufen - soll künftig ein Tabu sein.

Zudem soll die Zivilgesellschaft besser eingebunden werden. «Es geht darum, die Entwicklung in die Hände der lokalen Gemeinschaften zu legen und deren Vorschläge und Vorgehensweisen zu integrieren», sagte er. Die Geber wiederum haben vereinbart, untereinander enger zusammenzuarbeiten, um Doppelspurigkeiten zu vermeiden.

Die Schweiz war in Ghana durch eine Delegation unter Leitung von Deza-Direktor Martin Dahinden vertreten. Für den Bund, der in der bilateralen Entwicklungszusammenarbeit direkt mit Partnern vor Ort arbeitet, gehen die Accra-Bechlüsse laut Besson in die richtige Richtung. Er warnte aber vor zu grossen Erwartungen. Eine Umsetzung von einem Tag zum anderen sei nicht zu erwarten.

«Kalkulierbares Risiko»

Bereits bei der Vorgängerkonferenz im Paris 2005 hatten die Geber versprochen, ihre Entwicklungspolitik besser den Bedürfnissen der Entwicklungsländer anzupassen. Accra ging nun noch weiter. Für Besson ist dieser Schritt ein «kalkulierbares Risiko» mit «enormem Potenzial».

Insgesamt werden jährlich mehr als 100 Milliarden Dollar an Hilfsgeldern vergeben. Doch oft kommen diese nie oder viel zu spät bei den eigentlichen Empfängern an. Gründe sind Korruption und Verschwendung, Eigeninteressen oder administrative Hürden.

In Accra wurde abgemacht, die Kontrolle von Geldflüssen und Projekten zu verschärfen. So sollen Abgeordnete in Entwicklungsländern stärkeren Einblick in die Finanzierung erhalten. Und Geber und Empfänger wollen gemeinsam gegen Korruption vorgehen.

Transparency International: Chance verpasst, Korruption zu bekämpfen

Allerdings kritisierte die Nichtregierungsorganisation «Transparency International» (TA) am Freitag, dass in Accra keine bindenden Beschlüsse zum Kampf gegen Korruption gefasst worden seien.

Dies untergrabe die Bemühungen, die extreme Armut unter der über 1,4 Milliarden Menschen litten, effektiv zu bekämpfen. Allein in Afrika gingen jährlich etwa 150 Millionen Dollar durch Korruption «verloren». (mbr/sda)

Erstellt: 05.09.2008, 16:36 Uhr

Ausland

Populär auf Facebook Privatsphäre

Stellefant

Agenda