«Für Kinder der schlimmste Platz der Welt»

Trotz internationaler Milliardenhilfen für Afghanistan hat sich die Lage der Kinder seit der Vertreibung der islamistischen Taliban kaum verbessert – und sexueller Missbrauch ist laut Fachleuten verbreitet.

Ein schweres Leben: Diese Kinder in Kandahar müssen mit kampfbereiten Soldaten aufwachsen.

Ein schweres Leben: Diese Kinder in Kandahar müssen mit kampfbereiten Soldaten aufwachsen.
Bild: Keystone

Armut an der Tagesordnung: Eine afghanische Frau bettelt im März 2009 in Kabul um Hilfe für sich und ihre Kinder.

Armut an der Tagesordnung: Eine afghanische Frau bettelt im März 2009 in Kabul um Hilfe für sich und ihre Kinder. (Bild: Keystone)

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«Die Kindersterblichkeit ist die höchste weltweit», sagte die Vertreterin des Uno-Kinderhilfswerk Unicef, Catherine Mbengue, am Sonntag in Kabul. Sie verwies darauf, dass 70 Prozent der Bevölkerung keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser hätten. Fast jedes dritte Kind müsse arbeiten gehen und 43 Prozent der Mädchen würden vor ihrem 15. Geburtstag verheiratet, sagte Mbengue.

«Afghanistan ist für Kinder der schlimmste Platz der Welt», sagte die afghanische Abgeordnete Fausia Kofi. Am meisten leiden Kinder ihren Angaben zufolge unter sexuellem Missbrauch. Dieser habe enorm zugenommen, weil die Behörden nicht in der Lage seien, die Schuldigen zu verfolgen. Unter anderem gegen Angehörige von Polizei und Armee werden immer wieder Vorwürfe wegen Kindesmissbrauchs laut.

«Nur die Spitze eines Eisbergs»

Im vergangenen Jahr wurden nach Angaben des deutschen EU-Diplomaten Hansjörg Kretschmer knapp 1460 solcher Missbrauchsfälle registriert. «Aber es ist klar, dass dies nur die Spitze eines Eisbergs ist», sagte der Vertreter der EU-Kommission in Afghanistan, wo die Hälfte der Bevölkerung jünger ist als 15 Jahre.

Leichte Verbesserungen sieht der EU-Diplomat im Bereich der Bildung. Inzwischen besuchten immerhin sechs bis sieben Millionen afghanische Kinder eine Schule, sagte Kretschmer. Dennoch sei die finanzielle Hilfe für Kinder nur ein Tropfen auf dem heissen Stein. «Ein Kind, das ihnen auf der Strasse lächelnd ein paar Bonbons verkauft, hat Besseres verdient», sagte Kretschmer, «wenn nichts geschieht, steht dem Land eine düstere Zukunft bevor.» (raa/sda)

Erstellt: 23.11.2009, 00:51 Uhr

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