Gazastreifen nach Einmarsch der Israelis zweigeteilt

Aktualisiert am 04.01.2009

Die israelischen Truppen – mehrere tausend Soldaten – teilten das palästinensische Gebiet in zwei Teile und kreisten die Stadt Gaza ein.

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Während der Bodenoffensive heute Nachmittag wurden die Verletzten in die Spitäler von Gaza gebracht.
Bild: Keystone

   

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Wie der Kanton Solothurn

Der Gazastreifen ist ein dicht bevölkerter und kleiner Landstrich an der Mittelmeerküste. Im Norden und Osten grenzt er an Israel, im Süden an Ägypten. Mit rund 360 Quadratkilometern Fläche ist der Gazastreifen etwas kleiner als der Kanton Solothurn.

Das Leben der rund 1,5 Millionen palästinensischen Bewohner ist seit Jahren von Gewalt und sozialer Not bestimmt. Die Mehrheit der überwiegend muslimischen Bevölkerung ist auf internationale Hilfe angewiesen. Wirtschafts- und Verwaltungszentrum ist die Küstenstadt Gaza-Stadt. Seit 2007 kontrolliert die radikal-islamische Hamas das Gebiet.

Offiziell ist etwa ein Drittel der Bevölkerung arbeitslos. Hoffnungslosigkeit herrscht besonders unter Jugendlichen. Fast die Hälfte der Einwohner ist jünger als 15 Jahre.

Im Jahr 1967 besetzte Israel das bis dahin von Ägypten verwaltete Gebiet und begann mit dem Bau jüdischer Siedlungen. Im September 2005 zog Jerusalem seine Soldaten ab und räumte die Häuser der Siedler. Seitdem kontrolliert Israel die Aussengrenzen.

Nach Angaben von Ärzten kamen mindestens 24 Palästinenser ums Leben. Die israelischen Streitkräfte sprachen von 30 Verletzten in den eigenen Reihen.

Mit Einbruch der Dunkelheit stiessen die Truppen am Samstagabend an drei Stellen über die Grenze vor. Grenznahe Ziele im Gazastreifen wurden von schwerer Artillerie unter Beschuss genommen. Gleichzeitig griffen Kampfflugzeuge und Kriegsschiffe an.

Moschee aus der Luft bombardiert

Ein Schwerpunkt der Angriffe war die Ortschaft Beit Lahija im nördlichen Gazastreifen. Acht Bewohner kamen nach Angaben von Ärzten bei einem Artillerieangriff ums Leben, als sie ihre Häuser verliessen, um Zuflucht in einer Schule zu suchen. Bereits am Samstag wurde eine Moschee der Ortschaft aus der Luft bombardiert; dabei kamen nach palästinensischen Angaben 13 Menschen ums Leben.

Die israelischen Truppen beschränkten ihren Vorstoss zunächst auf ländliche Gebiete. Aber auch dort kam es zu heftigen Gefechten mit Hamas-Kämpfern. Es wird geschätzt, dass die islamische Organisation etwa 20'000 Mann unter Waffen hat.

Eine Einheit stiess südlich von Gaza-Stadt bis zur ehemaligen jüdischen Siedlung Netzarim vor. Dadurch wurde die 400.000 Einwohner zählende Stadt vom übrigen Gazastreifen abgeschnitten.

Olmert: «Diese Operation war unvermeidlich»

Der Nachthimmel über Gaza war erleuchtet von den Blitzen der abgeschossenen Panzergranaten. Immer wieder erschütterten Explosionen die Stadt und brachten die Mauern der grösseren Gebäude zum Beben.

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Video: Reservisten werden nach Gaza gerufen.

Regierungschef Ehud Olmert sagte am Sonntag im Kabinett, die Offensive berge erhebliche Risiken. Israel könne aber nicht länger zulassen, dass die eigenen Bevölkerung immer wieder das Ziel von Raketen aus dem Gazastreifen sei. «Diese Operation war unvermeidlich», sagte Olmert. Ein kleiner Kreis der führenden Minister beriet am Samstag vier Stunden lang, ehe der Befehl zum Einmarsch gegeben wurde.

In Gaza stand in der Nacht zum Sonntag der von der Hamas betriebene Rundfunksender Al Aksa nach einem Raketentreffer in Flammen. Das Gebäude war bereits zu Beginn der Luftangriffe evakuiert worden.

Die Hamas kündigte entschiedenen Widerstand gegen den Truppenvorstoss an. «Ihr seid reingekommen wie Ratten», sagte Hamas-Sprecher Ismail Radwan kurz nach Beginn der Invasion über das Al-Aksa-Fernsehen, das weiter einen versteckten Sender betreibt. «Gaza wird zum Friedhof für euch werden.» Der Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen dauerte trotz der Bodenoffensive auch am Sonntag weiter an.

Ban fordert sofortigen Waffenstillstand

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sprach sich für einen sofortigen Waffenstillstand aus. Er sei «zutiefst besorgt über die ernsthafte weitere Eskalation» im Nahen Osten, hiess es in einer in New York verbreiteten Erklärung. Ban telefonierte mit dem israelischen Ministerpräsidenten Olmert. Dabei habe er seine Enttäuschung über den Einmarsch von Bodentruppen zum Ausdruck gebracht.

In mehreren Ländern demonstrierten am Samstag Zehntausende gegen das israelische Vorgehen im Gazastreifen. Die grösste Kundgebung fand in Paris statt, wo 21'000 Menschen auf die Strasse gingen. In London bewarfen Demonstranten den Regierungssitz in der Downing Street mit Schuhen, um ihrem Ärger Luft zu machen. Protestaktionen gab es auch in Berlin, Frankfurt, Bremen, Düsseldorf, Madrid und anderen Städten.

Karte: Der Gazastreifen ist etwa so gross wie der Kanton Solothurn.

Rom Papst Benedikt XVI. hat am Sonntag zum Ende des Blutvergiessens in Gaza aufgerufen. «Hass und Krieg» führten zu keiner Lösung der Probleme, sagte das katholische Kirchenoberhaupt vor Tausenden Gläubigen auf dem Petersplatz.

Er sie auf, gemeinsam mit den Patriarchen und christlichen Kirchen von Jerusalem für ein Ende des Blutvergiessens sowie für «Gerechtigkeit und Frieden für das Heilige Land» zu beten.

Brown: «Jeder in der Welt ist tief besorgt»

«Die dramatischen Nachrichten, die uns aus Gaza erreichen, zeigen, wie sehr die Ablehnung eines Dialogs zu Situationen führt, die unsagbar schwer auf den Bevölkerungen lasten, die so einmal mehr zum Opfer von Hass und Krieg werden», sagte Benedikt.

Auch der britische Premierminister Gordon Brown forderte einen sofortigen Waffenstillstand. «Das ist ein sehr gefährlicher Augenblick, jeder in der Welt ist tief besorgt», sagte Brown am Sonntag in London.

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Video: Verwundete Palästinenser werden ins Spital gebracht. (sam/ap)

Erstellt: 04.01.2009, 15:04 Uhr

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