Ausland

Gefährliches Machtvakuum

Aktualisiert am 30.12.2009

Nach unzähligen Kriegen und religiösen Spannungen schien sich Nigeria unter Umaru Yar'Adua auf dem Weg in eine friedliche Zukunft zu befinden. Doch nun liegt der Präsident schwer krank in einer Saudi-Klinik.

1/4 Sorge um den Präsidenten
Umaru Yar'Adua liegt angeblich schwer krank in Saudi-Arabien.
Bild: Keystone

   

Nach jahrzehntelanger Militärherrschaft, Umstürzen, gewaltsamen Konflikten in den ölreichen Landesteilen und auch Spannungen zwischen der christlichen und der muslimischen Bevölkerung schien sich Nigeria mit Präsident Umaru Yar'Adua endlich zu stabilisieren.

Doch seit Ende November liegt er schwerkrank in einer saudiarabischen Klinik, im bevölkerungsreichsten Staat Afrikas hat sich seither ein gefährliches Machtvakuum gebildet. Seine Nachfolge ist nicht klar geregelt und könnte auch zu religiösen Spannungen führen.

Muslime und Christen wechseln sich ab

«Wir sind 150 Millionen Schafe ohne einen Hirten», hiess es jüngst in einem Leitartikel der nigerianischen Zeitung «Next». Eine Gruppe 50 prominenter Bürger und Intellektueller forderte den Präsidenten jüngst öffentlich zum Rücktritt auf. Yar'Adua hat für die Zeit seiner Abwesenheit niemanden formell mit der Führung der Amtsgeschäfte beauftragt, wie es die Verfassung erfordern würde. Zuletzt vertrat Vizepräsident Goodluck Jonathan den Staatschef. Ob der Christ als Nachfolger akzeptiert würde, ist jedoch fraglich: Muslime und Christen wechseln sich im Präsidentenamt traditionell ab und die Amtszeit Yar'Aduas aus dem muslimischen Norden sollte noch bis 2011 dauern.

Der 1951 geborene Staatschef, der seit langem ein Nierenleiden und weitere gesundheitliche Probleme hat, liegt seit 23. November mit einem schweren Herzleiden in einem Krankenhaus in Saudiarabien. Angaben zu seinem Gesundheitszustand oder einer möglichen Rückkehr sind bestenfalls vage. Informationsministerin Dora Akunyili wollte auf Anfrage nichts zur Abwesenheit des Präsidenten Stellung nehmen. Der Präsident spreche gut auf die Behandlung an, sagte sie lediglich.

«Die Situation ist ziemlich ernst»

Der Afrikaexperte Richard Joseph von der Northwestern University im US-Staat Illinois sagt: «Man kann kein Land mit 140 bis 150 Millionen Einwohnern ohne wirkliche Führung lassen.» Etwas müsse passieren, fordert der Politikprofessor. Nigeria ist trotz seines Rohstoffreichtums immer noch ein Land mit schier unfassbarer Armut. Hinzu kommt epidemische Korruption, die in einem Klima der politischen Unsicherheit noch weiter gedeihen kann. Auf dem UN-Entwicklungsindex (HDI) steht Nigeria von 182 erfassten Staaten auf Rang 158 (Deutschland: 22).

Zuletzt war es Yar'Adua gelungen, ein Friedensabkommen mit Rebellengruppen in den ölreichen Gegenden des Niger-Deltas zu schliessen. Wenn die örtliche Bevölkerung besser an den Gewinnen der Ölförderung beteiligt wird, kann es einen dauerhaften Frieden geben und die Produktion könnte wieder deutlich gesteigert werden. Zuletzt war der Ausstoss um täglich rund eine Million Barrel gefallen, womit Nigeria bei den afrikanischen Ölproduzenten hinter Angola nur noch auf Rang zwei steht. Yar'Adua hat das Friedensabkommen kurz vor Beginn seiner langen Abwesenheit ausgehandelt - wer dessen Erfüllung nun garantieren und überwachen soll, ist noch völlig unklar.

Yar'Adua kam 2007 an die Macht: Die Präsidentschaftswahl war von Manipulationen, Einschüchterung und Gewalt überschattet - und doch war es der erste demokratische Machtwechsel seit der Unabhängigkeit von Grossbritannien im Jahr 1960. Mit Yar'Aduas Amtsantritt hat eine Phase der Stabilisierung eingesetzt, obgleich auch die religiösen Spannungen zunahmen.

Seit mindestens 12 der 36 Staaten Nigerias, vor allem jene aus dem Norden, 1999 mit der Einführung des islamischen Rechts, der Scharia, begonnen haben, kommt es immer wieder vereinzelt zu Gewalttaten, teils auch zu offenen Kämpfen zwischen Regierungstruppen und Militanten. Zuletzt wurden bei Kämpfen zwischen Extremisten und Sicherheitskräften im nördlichen Staat Bauchi am Dienstag 35 Menschen getötet. Seit dem Beinahe-Attentat eines Nigerianers auf ein Passagierflugzeug im Landeanflug auf Detroit stellt sich zudem verstärkt die Frage, ob radikale Islamisten in dem Land an der Westküste Afrikas an Stärke gewinnen.

Nun drohen sich die Spannungen durch das Machtvakuum noch zu verschärfen. «Die Situation ist ziemlich ernst», sagt John Campbell, der von 2004 bis 2007 US-Botschafter in Lagos war. Die Offenheit mit der die Krankheit des Präsidenten kommuniziert worden sei, deute auch darauf hin, dass es sehr schlecht um ihn stehen müsse, meint der frühere Diplomat. Politisch herrsche derzeit in Nigeria absoluter Stillstand, sagt Campbell. (sam/ap)

Erstellt: 30.12.2009, 12:03 Uhr

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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.