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«Ghadhafi hat seine Lage falsch eingeschätzt»

Aktualisiert am 26.10.2011 27 Kommentare

Der getötete libysche Ex-Machthaber verbrachte seine letzten Tage zwischen Wutanfällen und Depressionen. Laut Mansur Dao, einem engen Vertrauten Ghadhafis, las er viel, machte sich Notizen und kochte Tee.

Erlebte die letzten Tag mit Muammar al-Ghadhafi: Ein enger Vertrauter des getöteten libyschen Machthabers, Mansur Dao. (Bild Al Arabiya)

Erlebte die letzten Tag mit Muammar al-Ghadhafi: Ein enger Vertrauter des getöteten libyschen Machthabers, Mansur Dao. (Bild Al Arabiya)

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Die letzten Wochen im Leben von Muammar al-Ghadhafi waren geprägt von Flucht, Depressionen und der Fehleinschätzung hinsichtlich seiner eigenen Lage. «Er hätte das Land verlassen und ein glückliches Leben führen können», sagt Mansur Dao, ein enger Vertrauter Ghadhafis und ehemaliger Kommandant der gefürchteten Revolutionsgarde. Dao war bis zum Schluss dabei, als der frühere Machthaber zusammen mit seinem Sohn Muatassim und zwei Dutzend weiteren Getreuen in seiner Heimatstadt Sirte von Versteck zu Versteck flüchtete.

Der Mann, der einst ein Volk von sechs Millionen mit eiserner Hand regierte, vertrieb sich seine letzten Tage mit lesen, Notizen machen und Tee kochen, sagt Dao im Hauptquartier der einstigen Revolutionsgarde in der Hafenstadt Misrata. Dort wird er derzeit festgehalten. «Er hat die Kämpfe nicht geführt», sagt Dao über Ghadhafi, «seine Söhne haben das getan. Er hat überhaupt nichts mehr geplant oder auch nur über Pläne nachgedacht.»

Ghadhafi habe Tripolis am 18. oder 19. August verlassen, sagt Dao, kurz bevor die Rebellen die Stadt einnahmen. Nachdem die Hauptstadt gefallen war, sei Ghadhafi direkt nach Sirte geflüchtet, begleitet von seinem Sohn Muatassim. Ghadhafis designierter Nachfolger, sein Sohn Seif al Islam, habe sich in die Ghadhafi-Hochburg Ben Walid in Sicherheit gebracht.

Gestresst, ärgerlich, manchmal wütend

Ghadhafis Anhänger hatten immer wieder versucht, den Diktator zu überreden, aufzugeben und das Land zu verlassen. Der lehnte das ab, weil er laut Dao lieber im Land seiner Vorfahren sterben wollte. «Er tut mir Leid, weil er seine Situation so falsch eingeschätzt hat», sagt Dao, der seit mehr als dreissig Jahren im direkten Umfeld von Ghadhafi gearbeitet hat, seit 1990 auch als sein persönlicher Sicherheitschef.

In Sirte wechselten die Ghadhafi-Getreuen alle vier Tage das Versteck, während die Nato die Stadt bombardierte und sich der Ring der Rebellen um die Stadt immer enger zusammenzog. Zuletzt suchten sie Schutz in verlassenen Wohnungen. «Wir hatten alle Angst vor den Bomben», sagt Dao. Er glaube allerdings nicht, dass Gaddafi diese Angst geteilt habe. «Gaddafi war gestresst, ärgerlich, manchmal auch richtig wütend. Meistens war er aber nur traurig und verärgert.» Die Zahl der loyalen Kämpfer, die von Muatassim angeführt wurden, schrumpfte von 350 auf 150, die meisten flohen.

Er glaubte, das libysche Volk liebte ihn

Ghadhafis Flucht endete vergangenen Donnerstag mit seiner Ergreifung und seinem Tod. An dem Tag, an dem auch Sirte fiel, versuchte eine Wagenkolonne Sirte zu verlassen, dabei auch ein Toyota Land Cruiser mit Ghadhafi und Dao an Bord. Der Konvoi wurde von einer Nato-Rakete getroffen, Ghadhafi und Dao wurden verletzt. Ghadhafi starb am Nachmittag unter bisher ungeklärten Umständen. Die libysche Übergangsregierung sagte nach wachsendem internationalen Druck zu, eine Untersuchung der Todesumstände zu veranlassen.

Ghadhafis und Muatassims Leichen wurden vier Tage tiefgekühlt in Misrata aufgebahrt, bevor sie Montagabend zur Beerdigung abtransportiert wurden. «Er hat geglaubt, dass das libysche Volk ihn immer noch liebt, auch nachdem Tripolis bereits gefallen war», sagt Dao. (wid/dapd)

Erstellt: 25.10.2011, 22:23 Uhr

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27 Kommentare

Frederick Wenck

26.10.2011, 10:21 Uhr
Melden 52 Empfehlung

Vor allem hat Gaddafi die Skrupellosigkeit des Westens unterschätzt. Wer hätte erwartet, dass unter dem Vorwand ''Einrichtung einer Flugverbotszone'' ganz Lybien bombardiert wird, bis der Machtwechsel kommt? Der Westen benutzt Menschenrechte regelmässig als Vorwand für Kriegserklärungen und Ueberfälle auf rohstoffreiche Staaten. Diese zynische Kriegspolitik bringt die Menschenrechte nur in Verruf. Antworten


Kaiser Franz

26.10.2011, 11:00 Uhr
Melden 40 Empfehlung

wir sind doch alles elende heuchler. wir haben jahrelang mit ghadhafi handel getrieben. konsequenterweise hätten wir darauf verzichten müssen... Antworten



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