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Grossbritannien, der «Grosse Satan»
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Grossbritannien soll als Sündenbock für die chaotischen Proteste im Land herhalten. Der iranische Aussenminister Manutscher Mottaki kündigte am Mittwoch im staatlichen Fernsehen an, es werde erwogen, die diplomatischen Beziehungen zu Grossbritannien herabzustufen. Zwei britische Diplomaten wurden unter Spionagevorwürfen ausgewiesen, London wies daraufhin zwei iranische Vertreter aus. Der religiöse Führer Ayatollah Ali Khamenei hatte Grossbritannien bereits in seiner Freitagspredigt vergangene Woche als besonders böses westliches Land gegeisselt.
«Die Rolle der Briten als frühere Kolonialherren macht sie zu einem einfachen Ziel», sagt der Aussenpolitik-Experte Michael Williams von der London University. Schon lange nähmen die Iraner «Grossbritannien als Stellvertreter, wenn sie die USA nicht erreichen können», erklärt Williams, der auch das Team von Barack Obama im US-Präsidentschaftswahlkampf beraten hat. Die Vereinigten Staaten zeigten sich nach der Wahl eher zurückhaltend, wohingegen aus London klare Töne kamen - von der Regierung und von der BBC, die persischsprachige Radio- und Fernsehprogramme in den Iran sendet.
Persischer Dienst der BBC ärgert das Regime
Der persische Dienst der BBC sei im Iran sehr beliebt und angesehen, sagt Williams. Zudem arbeite die BBC daran, ihre Satellitenabdeckung auszubauen, um eine Störung der Signale durch die iranischen Behörden zu verhindern. «Das hat die iranische Regierung sehr misstrauisch gemacht.» Zudem habe London seine Botschaft in Teheran für die Behandlung verwundeter Demonstranten geöffnet.
Die USA hingegen haben sich anfangs nur sehr zurückhaltend geäussert. «Deswegen konnte das iranische Regime dem 'Grossen Satan' keine Einmischung vorwerfen und hat sich auf Grossbritannien konzentriert», meint Adam Hug vom Londoner Zentrum für Aussenpolitik. Der «Grosse Satan» ist seit der islamischen Revolution 1979 Staatsfeind Nummer eins. Die Graffitis an der ehemaligen US-Botschaft in Teheran - unter anderem die Freiheitsstatue mit einem Totenkopf - und die Slogans «Nieder mit Amerika» oder «Tod den USA» gehören seit 30 Jahren zum Standardrepertoire der iranischen Politik.
Grossbritannien demütigte den Iran
Doch die Animositäten gegenüber der früheren Kolonialmacht Grossbritannien reichen weit in die Geschichte zurück. Schon 1813 hat London im Vertrag von Gulistan iranische Gebiete an Moskau abgetreten, 1860 wurde die Grenze zu Indien neu gezogen und kaum 50 Jahre später einigten sich die Kolonialherren mit Russland auf eine Unterteilung des Irans in zwei Einflusssphären. Aus iranischer Sicht verschacherte und demütigte Grossbritannien das ehemalige Grossreich Persien.
1908 fand die British Petroleum im Iran grosse Ölvorräte - und beutete sie jahrzehntelang ungestört aus, bis zur Verstaatlichung der Ölfelder 1951. Die in der islamischen Revolution gestürzte Pahlavi-Dynastie der Schahs von Persien sass ebenfalls von Londons Gnaden auf dem Thron: In den 1920er Jahren hatte Grossbritannien Schah Resa Pahlavi inthronisiert. Dessen Sohn Mohammad Resa Schah Pahlavi musste 1979 vor den Ayatollahs ins Exil fliehen.
Eine aus dem Ausland gesteuerte Verschwörung
«Obwohl der Schah längst tot ist, gibt es im Iran immer noch das Gefühl, dass es eine aus dem Ausland kommende Verschwörung geben müsste», sagt der britische Abgeordnete Ben Wallace. Der konservative Politiker sollte nächste Woche in den Iran reisen - sein Visum wurde jedoch inzwischen widerrufen.
Professor Hooshang Amirahmadi, der in Oxford und an der Rutgers University in New Jersey lehrt, sieht auch die britische Beteiligung am Irak-Krieg als einen Grund für das jüngst gewachsene Misstrauen in Teheran. Der Iran sei überzeugt, dass London seine Militärpräsenz in Basra im Südirak zur Anstachelung von Aufständischen gleich jenseits der Grenze im Iran genutzt habe, sagt Amirahmadi. «Sie haben behauptet, dass Grossbritannien seinen Einfluss im Iran ausbaut», sagt der Nahost-Experte, der zuletzt häufig im Iran war. «Das war ein Wendepunkt.» (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 25.06.2009, 13:41 Uhr
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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.




