Ausland

Hoffnungsträger Ouattara

Von Johannes Dieterich. Aktualisiert am 13.04.2011 3 Kommentare

Der angehende Präsident der Elfenbeinküste muss seine Reformpläne möglichst schnell umsetzen, um das zerrissene Land zu einen.

Grosse Hoffnungen: Eine Frau demonstriert in der Stadt Abobo mit einem Bildnis von Alassane Ouattara.

Grosse Hoffnungen: Eine Frau demonstriert in der Stadt Abobo mit einem Bildnis von Alassane Ouattara.
Bild: Reuters

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Selbst in den Stadtteilen der ivorischen Metropole Abidjan, die als Hochburgen des siegreichen Präsidenten Alassane Ouattara gelten, wagen sich nur wenige Menschen auf die Strassen, um Fahnen zu schwenken. Wenige Kilometer weit entfernt halten Plünderungen und sogar Schiessereien zwischen Anhängern des am Montag verhafteten Ex-Präsidenten Laurent Gbagbo und Ouattaras Truppen an. In der Gbagbo-Hochburg Yopougon wurden die Leichen von 14 Jugendlichen gefunden, die mit Kopfschüssen offenbar regelrecht hingerichtet worden waren, obwohl Ouattara kurz nach der Festnahme Gbagbos zur Ruhe und zum Stopp jeglicher Racheakte aufgerufen hatte – doch die Botschaft zur Versöhnung kommt nicht überall an.

Noch immer stehen Tausende von Gbagbo-treuen Milizionären unter Waffen. Ouattara muss schleunigst die Ordnungskräfte des Landes unter seine Kontrolle bringen und seine Republikanischen Kräfte mit den Gbagbo-loyalen Streitkräften vereinen: keine leichte Aufgabe nach den heftigen Kämpfen.In seiner Fernsehansprache kündete Ouattara ausserdem die Gründung einer Wahrheitskommission nach südafrikanischem Vorbild an. Auf diese Weise könnte der Ökonom ein besonders heisses Eisen vermeiden: ein Gerichtsverfahren mit Gbagbo als Angeklagtem. Für Ouattara wäre es das Beste, den Ex-Präsidenten in irgendeiner abgeschiedenen Villa ohne viel Aufsehen zu «parken», meint David Zounmenou vom südafrikanischen Institut für Sicherheitsstudien: Ein Schauprozess gegen den 65-jährigen Wahldieb und Menschenrechtsverbrecher – ob in Abidjan oder in Den Haag – würde nur die dringend nötige Aufbauarbeit behindern.

Ökonomisch attraktiv

Zounmenou, der aus Benin stammt und die Elfenbeinküste wie seine Westentasche kennt, schätzt die Chancen für einen Neuanfang des Landes nicht so pessimistisch wie mancher Kollege ein. Als grösster Kakao-Exporteur der Welt und mit einer potenziellen Tagesproduktion von 1,6 Millionen Fass Erdöl sei die Elfenbeinküste ökonomisch ein nach wie vor höchst attraktiver Staat: Und wenn einer das Land in eine erfolgreiche Zukunft führen könne, dann sei es der ehemalige Direktor des Weltwährungsfonds mit seinen hervorragenden internationalen Verbindungen. Schon einmal hatte Ouattara als Premierminister Anfang der 90er-Jahre das wirtschaftlich angeschlagene Land reformiert: Pläne zur Reform des Bankenwesens und des korrumpierten Kakao-Sektors befänden sich bereits in der Schublade des angehenden Präsidenten.

Dass dem Banker, den sein Widersacher stets als «Marionette des Westens» beschimpfte, die ausgezeichneten Beziehungen zur französischen Heimat seiner Frau und zu seinem amerikanischen Studienland zu Hilfe kommen, zeichnet sich bereits ab. Frankreich kündigte ein humanitäres Hilfsprogramm in Höhe von 400 Millionen Euro an, und von den USA erhofft sich Ouattara Schützenhilfe für einen Schuldenerlass.Entscheidend wird es für Ouattara allerdings sein, ob er den vier Millionen Einwohnern von Abidjan auf die Schnelle Erfolge präsentieren kann: Die Bewohner der Metropole (die im November mehrheitlich für Gbagbo stimmten) haben es mit ständigem Stromausfall, einem katastrophalen Gesundheitswesen und einer exorbitanten Arbeitslosenquote zu tun. Im Gegensatz zu Gbagbo, der das «afrikanische Paris» immer mehr verkommen liess, habe Ouattara auch einen Plan zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit in der Tasche, sagt Zounmenou: «Ich glaube, dass die Elfenbeinküste mit Ouattara eine echte Chance hat.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.04.2011, 21:29 Uhr

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3 Kommentare

Renzo Giambonini

13.04.2011, 11:04 Uhr
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Ouattara wird das Land nicht einen können. Er, und besonders seine "Soldaten" haben zuviel Greueltaten und entsprechenden Schaden angerichtet. Beide Parteien sinnen nun auf Rache, denn auch Gbagbos "Soldaten" haben so viel Ungeheuerlichkeiten und entsprechendes Leid auf dem Gewissen. Es wird sehr, sehr lange dauern, wenn (überhaupt) bis wieder Friede in der Elfenbeinküste einkehren wird. Antworten


Jean Roth

13.04.2011, 13:06 Uhr
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Der neue Besen kehrt gut..... ist man geneigt zu sagen. Dazu wäre es das erste Mal wo in einem afrk. Land zuerst das Volk und dann die Regierenden von einem Umsturz profitieren würden.Fraglich!
Eine " humanitäre Hilfe " wird hautsächlich von F seit Jahren bezahlt. Div.afrik. Staatschef erhalten regelmässig Leistungen um Ende Monat alle Funktionäre bezahlen zu können weil sonst Aufstand droht.
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