Ausland

«Hunderte palästinensischer Mörder gegen Schalit»

Aktualisiert am 26.06.2010

Am Freitag hat Israel des Soldaten Gilad Schalit gedacht, der vor vier Jahren in den Gazastreifen entführt worden war. Die Hamas will ihn gegen 1000 inhaftierte Palästinenser austauschen.

Will nicht ohne Gilad nach Hause gehen: Noam Schalit, Gilads Vater.

Will nicht ohne Gilad nach Hause gehen: Noam Schalit, Gilads Vater.
Bild: Reuters

Fordern Gilad Schalits Freilassung: Teilnehmer der «True Freedom Flotilla»-Verantstaltung in New York. (Bild: Reuters )

Sarkozy kritisiert Behandlung von Schalit

Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy hat die «unmenschliche Behandlung» des israelischen Soldaten Gilad Schalit beklagt, den radikale Palästinenser vor genau vier Jahren verschleppt haben. Es sei «ein trauriger Jahrestag», an dem er ihnen schreibe, hiess es am Freitag in einem Brief Sarkozys an Schalits Eltern. Wie alle Franzosen sei er «empört», dass ein Mensch derart seiner Freiheit beraubt werde und keinen Kontakt zu seiner Familie und zu seinen Freunden haben dürfe. «Eine solche Behandlung entbehrt jeder Menschlichkeit und missachtet die weltweit anerkannten Grundsätze hinsichtlich von Gefangenen», vor allem das Recht auf einen Besuch vom Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK), kritisierte Sarkozy. Der 23-jährige Schalit, der neben der israelischen auch die französische Staatsbürgerschaft hat, war am 25. Juni 2006 im Süden Israels von einem palästinensischen Kommando in den Gazastreifen verschleppt worden.

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Bislang haben Schalits Entführer keine Besuche seiner Familie oder von Vertretern des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz zugelassen. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch richtete schwere Vorwürfe an die im Gazastreifen herrschende Hamas-Organisation. «Die grausame Behandlung von Schalit fügt ihm und seiner Familie nur unnötiges Leid zu», heisst es in einer Erklärung.

Die Hamas verletze damit auch das Kriegsrecht. Militante Palästinenser unter Führung der Hamas hatten am 25. Juni 2006 einen israelischen Grenzposten angegriffen und dabei zwei Soldaten getötet. Sie verschleppten dann den heute 23 Jahre alten Schalit von israelischem Boden aus in den Gazastreifen.

Die Hamas lehnt alle Forderungen nach Besuchen ab. Es bestehe die Gefahr, dass Israel den Aufenthaltsort erfahren würde und einen gewaltsamen Befreiungsversuch unternehmen könne, heisst es. Hamas-Sprecher Mahmud al-Sahar warf Israel vor, von einer Vereinbarung für einen Gefangenenaustausch abgerückt zu sein.

Grosses Mitgefühl

Israel soll im Gegenzug für die Freilassung von Schalit 1000 palästinensische Häftlinge aus israelischen Gefängnissen entlassen. 450 davon sind von der Hamas ausgewählt worden. Sie verbüssen wegen der direkten oder indirekten Beteiligung an blutigen Terroranschlägen zum Teil lebenslange Freiheitsstrafen.

Nach einer Umfrage der Tageszeitung «Jediot Achronot» vom Freitag würden 72 Prozent der Israelis die Freilassung von «hunderten palästinensischer Mörder» im Austausch für Schalit akzeptieren.

Die Familie des entführten Soldaten will am Sonntag einen Marsch vom Heimatort Mizpe Hila nach Jerusalem beginnen. Dort will sie in einem Zelt vor dem Sitz von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu ausharren, bis der Gefangenenaustausch erfolgt ist. «Wir werden nicht ohne Gilad nach Hause gehen», schwor der Vater, Noam Schalit.

Nächtliche Angriffe

In der Nacht zum Freitag flog die israelische Luftwaffe drei Angriffe auf Ziele im Gazastreifen. Ein Palästinenser wurde dabei in Rafah an der südlichen Grenze zu Ägypten verletzt. Eine Sprecherin der israelischen Armee bestätigte die Angriffe.

Die Einsätze seien Reaktion auf den Granatenbeschuss auf Israel. Seit Jahresbeginn flogen vom Gazastreifen bereits mehr als 100 Raketen und Granaten auf Israel. Die Zahl dieser Angriffe ist seit der israelischen Offensive gegen die radikal-islamische Hamas im Gazastreifen im Winter 2008/2009 aber deutlich zurückgegangen. (mt/sda)

Erstellt: 26.06.2010, 16:33 Uhr

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